Ebner-eschenbach

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Ebner-Eschenbach, Marie von: Aphorismen. Mit einem Frontispiz von Ebner-Eschenbachs und einem Nachwort von Karl Krolow. (=Insel Bücherei Nr.543) Insel Verlag 14.Aufl. 1989 Frankfurt am Main ISBN: 3458085432
88S. 8°

Hardcover Fadengehefteter Pappband. Die ersten vier Seiten mit kleinem, dezentem Knickchen am oberen Rand, ansonsten sehr guter Zustand. Marie Freifrau Ebner von Eschenbach (* 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in Mähren; 12. März 1916 in Wien) war eine österreichische Schriftstellerin und gilt mit ihren psychologischen Erzählungen als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Marie von Ebner-Eschenbach, geborene Freiin Dubsky, ab 1843 Gräfin, war die Tochter des Franz Baron Dubsky, ab 1843 Graf Dubsky, und seiner zweiten Frau Baronesse Marie von Vockel. Väterlicherseits hat sie ihre Wurzeln im alten böhmisch-katholischen Adelsgeschlecht der Dubsky von Třebomyslice. Mütterlicherseits stammt sie vom Geschlecht der sächsisch-protestantischen Familie Vockel ab. Sie hatte sechs Geschwister. Kurz nach ihrer Geburt starb ihre Mutter. Ihre erste Stiefmutter, Eugenie Bartenstein, zu der sie eine enge Beziehung hatte, verlor sie als siebenjähriges Kind. Drei Jahre später heiratete Maries Vater in vierter Ehe Gräfin Xaverine Kolowrat-Krakowsky, eine hochgebildete Frau. Auch mit ihrer zweiten Stiefmutter pflegte Marie ein inniges Verhältnis. Diese erkannte und förderte das schriftstellerische Talent ihrer Stieftochter. Während die Familie jedes Jahr mehrere Monate in Wien lebte, nahm Xaverine ihre Stieftochter häufig mit ins Burgtheater und gab ihr literarische Anregungen. Mit elf Jahren wurde Marie die Aufgabe zuteil, die Bücher ihrer verstorbenen Großmutter in der Bibliothek in Zdislawitz einzuordnen. Dabei regte sich bereits ihr Bildungstrieb, sie las nach ihrer Wahl, ohne Leitung oder Störung. Durch diese Autodidaktik wurde sie vor Autoritätsglauben bewahrt, und es entwickelte sich ihr Freigeist und ihre Unabhängigkeit von aller Metaphysik. Die Sommermonate verbrachte Marie bei ihrer Familie auf dem Schloss in Zdislawitz, und im Winter wohnte sie in Wien. Viele verschiedene Personen nahmen sich der Erziehung Maries an: mütterlicherseits ihre Großmutter, väterlicherseits ihre Tante Helen, tschechische Dienstmägde und deutsche und französische Gouvernanten. Folglich hatte sie das Glück, verschiedene Sprachen erlernt zu haben: Deutsch, Französisch und Tschechisch, wobei Französisch die Muttersprache war. Als Adelige profitierte Ebner-Eschenbach davon, dass sie über den bürgerlichen Verhältnissen lebte, diese überschauen konnte und früh eine weite Sicht über staatliche Zustände erhielt. Mit der Schilderung der ihr vertrauten Aristokratie eröffnete sie als Dichterin ein neues poetisches Gebiet, worin sie auch viele Nachahmer fand. 1848, mit achtzehn Jahren, heiratete Marie ihren Cousin Moritz von Ebner-Eschenbach, den Sohn ihrer Tante Helen. Sie zog zu ihrem fünfzehn Jahre älteren Mann nach Klosterbruck (tschechisch: Louka) bei Znaim in Südmähren. Ihr Ehemann war selber auch ein gebildeter Mann und unterstützte Marie in ihrem Schriftstellerdrang. Moritz von Ebner-Eschenbach lehrte als Professor an der Ingenieur-Akademie in Wien Physik und Chemie, später wurde er Feldmarschallleutnant und Mitglied der Militärakademie. Die Ehe zwischen Marie und ihrem Cousin blieb kinderlos. Im Jahre 1856 zog sie dauerhaft nach Wien, wo sie 1879 eine Uhrmacher-Ausbildung absolvierte, was für eine Frau damals ungewöhnlich war. Sie sammelte Formuhren; die Sammlung befindet sich im Uhrenmuseum in Wien. Im Laufe der Zeit wandte sie sich ganz der Literatur zu. Während fast zwanzig Jahren schrieb sie Dramen (Gesellschaftsstücke und Lustspiele), inspiriert von Friedrich von Schiller, die jedoch nicht erfolgreich waren. Nachdem sie sich mit wenig Erfolg als Dramatikerin betätigt hatte, konnte sie die Aufmerksamkeit 1876 mit ihrem ersten Kurzroman "Bo ena", welcher in der Deutschen Rundschau abgedruckt worden war, auf sich ziehen. Sie versuchte sich nun als Schriftstellerin, was sich aufgrund des Erfolgs als gute Entscheidung auswies. Mit Werken wie den "Aphorismen" (1880) und den "Dorf- und Schlossgeschichten" gelang ihr schließlich der endgültige Durchbruch. Letztgenanntes enthält ihre bekannteste Novelle "Krambambuli". Sie konzentrierte sich nun auf ihre erzählerischen Dichtungen, in denen man wichtige Elemente ihres sozialen Denkens und ihres politischen Bewusstseins finden kann. Nachdem sie 1880 ihre Erzählung "Lotti die Uhrmacherin" veröffentlicht hatte, hieß man sie auch in Verlagen willkommen. 1887 erschien ihr Roman "Das Gemeindekind", der bis heute eine große Bedeutung in der Literatur hat. Marie von Ebner-Eschenbachs Ruhm nahm im Laufe der Zeit so sehr zu, dass in Österreich und Deutschland sogar ihr 70. und 80. Geburtstag gründlich gefeiert wurden. Ihr ganzes Leben lang kämpfte sie gegen die "normalen" Gedanken ihrer Zeit. Sie schrieb nicht etwa, um den Familienunterhalt zu finanzieren, sondern vielmehr mit der Inspiration und Überzeugung, ihre Schriften könnten die Gedanken ihrer Zeit verändern. Ihre Absicht war, Sittlichkeit und Humanismus zu vermitteln. Ab 1890 fand Marie von Ebner-Eschenbach mit ihren dialogischen Novellen ihren dramatischen Schreibstil. Mit ihren Werken "Ohne Liebe" (1888) und "Am Ende" (1895) erzielte sie in Berlin auf der "Freien Bühne" große Erfolge. Im Jahre 1898 wurde sie mit dem höchsten zivilen Orden Österreichs, dem Ehrenkreuz für Kunst und Literatur, ausgezeichnet. 1900 erhielt sie den ersten weiblichen Ehrendoktor der Universität Wien. 1898 verstarb ihr Gatte. Nach 1899 unternahm sie mehrere Reisen nach Italien und veröffentlichte 1906 ihre Erinnerungen "Meine Kinderjahre". Marie von Ebner-Eschenbach verstarb am 12. März 1916 im Alter von 85 Jahren in Wien und wurde in Zdislawitz in der Familiengruft der Grafen Dubsky beigesetzt. Zu ihren Ehren wurde in Wien eine Gedenktafel in der Wiener Universität angebracht und der Ebner-Eschenbach-Park in Wien-Währing benannt. Die österreichische Post veröffentlichte anlässlich ihres 50. (1966) und 75. (1991) Todestages jeweils eine Sonderbriefmarke, die deutsche Post anlässlich ihres 150. Geburtstages, 1980. Das Porträt Ebner-Eschenbachs hätte auch die Vorderseite der 5000-Schilling-Banknote der Serie von 1997 zeigen sollen, von dieser wurden dann aber nur die 500- und 1000-Schilling-Note ausgegeben.

[SW: Deutsche Literatur | Aphorismen | Insel-Bücherei]

Details

Kasmader, Valentina: Ebner-Eschenbach - Ihr Leben und ihre Werke, GRIN VERLAG, November 2010, Besorgungstitel - vorauss. Lieferzeit 3-5 Tage. ISBN: 3640761650
Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: Befriedigend, Universität Wien, Sprache: Deutsch, Abstract: Schon öfter wurde darüber spekuliert oder debattiert, ob man Marie von Ebner-Eschenbach nicht als Vertreterin der Frauenliteratur zählen kann. Doch wurde dies immer wieder abgestritten. Ricarda Huch begründet das mit der Aussage: Die Musen gehören zu den himmlischen Gestalten, die Mann und Weib nicht kennen; der einzige Maßstab für einen Künstler ist die Kunst. 1 Marie von Ebner-Eschenbach kategorisierte die Kunst nicht in Mann und Frau ein, darum zählte sie ihre Werke auch nie zur Frauenliteratur. Trotz alldem steht meistens eine Frau im Mittelpunkt des Geschehens. Egal aus welcher Schicht, ob aus einer Adelsfamilie, aus einer bürgerlichen oder einer Arbeiterschicht. Marie von Ebner-Eschenbach macht keine Unterschiede, zu mindestens keine moralischen. Das kommt daher, dass für Ebner-Eschenbach der moralische Aufstieg viel bedeutender als der materielle Aufstieg ist. Anders ausgedrückt, materieller Aufstieg führt sehr oft zu einem moralischen Abstieg. Auf diesen Aspekt weist Ebner-Eschenbach sehr deutlich in Die Unverstandene auf dem Dorfe hin. Die Erzählung, um die es in dieser Arbeit geht, gewährt uns einen Einblick in die Gesellschaft der Bauern- und Arbeiterschicht, zu einer Zeit, die man als höchst zerrissen und noch tief in Konventionen verhaftet sehen kann. Es wird auf die altmodische Denkweise und auf das daraus entstehende Verhalten jedes einzelnen Menschen, aber ganz besonders auf das der Marie Lakomy, hingewiesen. Ebner-Eschenbach hat einmal gesagt, dass sie die Erzählungen an die Personen anpassen würde und daher stehen nur außergewöhnliche Menschen im Mittelpunkt ihrer Werke. Marie kann man als eine dieser vielen außergewöhnlichen Persönlichkeiten und Charaktere dieser Erzählung sehen. Es ist ein aufbäumen gegen die Zeit, die Ansichten und Verhaltensweisen der Menschen, die ohne zu hinterfragen das Leben so hinnehmen, wie es ihnen vorgeschrieben oder vorgelebt wird. Neid und Stolz sind große Komponenten, die immer wieder auftreten und das Leben erschweren, einem meistens innerlich zerreißen. Doch ist es v.a. der Stolz, der es ermöglicht, das Leben zu ertragen. Man wird an die Entwicklung - der moralische Aufstieg - der Protagonisten herangeführt, der sich oft schwerer als erwartet herausstellt. [...] 1 Ebner-Eschenbach, Marie von: Frauenbilder: sechs Erzählungen / Marie von Ebner-Eschenbach. Hrsg. von Fritz Böttger . - 1. Aufl. . - Wien : Globus-Verl. , 1982 . S. 6

NEUBUCH! 2010. 28 S. 210 mm 210 mm x 148 mm x 2 mm; Akademische Schriftenreihe, Bd. V162493

Details

Ebner-Eschenbach, Marie von: Das Gemeindekind. Erzählung. Verlag von Gebrüder Paetel (Dr. Georg Paetel) 65. Tausend 1920 Berlin
274S. 8°

Halbleinen Klammergehefteter, goldgeprägter Halbleineneinband mit Farbkopfschnitt und Schmuckvorsätzen. Der Seitenschnitt unbeschnitten. Der Einband leicht berieben, Unterkante des Vorderdeckels mit kleinem Abrieb, das holzhaltige Papier allg. deutlich nachgedunkelt, vereinzelt, leicht klaffende Bindung, insgesamt noch gute Erhaltung. Gesetzt in Fraktur. Der 1887 veröffentlichte Roman Das Gemeindekind gilt als das Hauptwerk der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916). Die adelige Autorin erlangte Bekanntheit durch ihre psychologischen Erzählungen mit gesellschaftskritischem Inhalt, verbunden mit der Forderung nach Emanzipation. Der Titel Das Gemeindekind steht für den energischen Protagonisten Pavel Holub, der der Gemeinde zur Last fällt, weil sein Vater erhängt und seine Mutter mit Kerker bestraft wird. Thema der Geschichte ist der Einfluss der Erziehung und des Milieus, aber auch des Willens eines Individuums auf seine Entwicklung: Trotz wiederholten Rückschlägen gelingt Pavel der Aufstieg von einem abgeschobenen Gemeindekind zu einem respektierten Gemeindemitglied. Dieser Werdegang widerlegt die Auffassung, dass negative Eigenschaften und Verhaltensweisen vererbt würden. Marie von Ebner-Eschenbach übt mit dem Roman Kritik an der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Kindern aus Problemfamilien, den Vorurteilen, die ihnen entgegengebracht werden und ihrer Zurückweisung oder Abschiebung. Dabei nimmt sie weder Kirche, Adel noch Dorfgemeinschaft von ihrer Kritik aus. Rezensenten sehen in dem Werk große Erzählkunst, verknüpft mit humanitärem Denken und pädagogischer Absicht der Dichterin. Der Roman wird zur Epoche des Spätrealismus gerechnet. Dies zeigt sich insbesondere in der authentischen Schilderung sozialer Umstände, einer gedämpften Verklärung und der abschließenden Darstellung einer sich frei entwickelnden Persönlichkeit. Geschichte beginnt im Jahr 1860 mit dem Prozess des Vaters und Alkoholikers Martin Holub, der wegen Raubmordes gehängt werden soll. Er beschuldigt seine Frau Barbara der Tat, die aber aus Furcht und wegen des Ehegelübdes nicht gegen ihren Mann aussagen will. Sie wird mit zehn Jahren Gefängnis bestraft, gegen ihren Mann hingegen wird das Todesurteil durch den Strang vollstreckt. Daraufhin werden ihre Kinder Pavel und Milada zu Gemeindekindern: Sie fallen in die Obhut der Gemeinde, worauf der Bürgermeister versucht, die Kinder der alten Baronin aufzubürden. Während diese sich des kleinen, vertrauensvollen Mädchens erbarmt und es aufnimmt, stößt sie sich an Pavels weniger ästhetischem Äußeren. Als Sohn eines Mörders und wegen eines Kirschdiebstahls scheint sein zukünftiger krimineller Werdegang bereits vorherbestimmt. Die Baronin überlässt ihn der Gemeinde, die sich nicht mit dem Jungen belasten möchte und ihn zu einem im Ort verrufenen Ehepaar, der Hirtenfamilie, abschiebt. Einmal versucht Pavel, seine Schwester im Schloss der Baronin zu befreien, der Schlosshund aber vereitelt den Versuch. Im anschließenden Verhör schweigt und trotzt Pavel, was das ihm entgegengebrachte Misstrauen noch verstärkt. Milada wird bald darauf in eine städtische Klosterschule gebracht und dort erzogen. Virgil, Hirte und Alkoholiker, und Virgilova, Kräuterhexe und Kurpfuscherin, werden von der Gemeinde mit Getreide dafür bezahlt, dass sie sich des unangenehmen Jungen annehmen. In diesem Umfeld sind Pavels Voraussetzungen besonders schlecht. Die Hirtenfamilie schickt ihn zur Arbeit statt zur Schule und nimmt ihm das verdiente Geld ab. Unter dem Einfluss der Tochter der Hirtenfamilie, Vinska, begeht er Diebstähle. Pavels Ruf verschlechtert sich zunehmend. Er fühlt sich durch den Hass und Trotz gestärkt, der als Folge ständigen Hungers sowie der Prügel und Beschimpfungen von Seiten der Dorfgemeinschaft in ihm wächst. Darüber hinaus werden ihm auch Vergehen angelastet, die er gar nicht begangen hat und er wird zum allgemeinen Sündenbock. Pavel akzeptiert seinen Status in der Gesellschaft. Einerseits verachtet er die Dummheit derer, die ihn zu Unrecht Untaten beschuldigen, andererseits findet er Genuss darin, das engstirnige Volk bei jeder Gelegenheit von neuem gegen sich aufzubringen. Erst nachdem Pavel seine Schwester im Kloster besuchen darf und sie Pavel anfleht, sich zu bessern, will er versuchen, ein rechtschaffenes Leben zu führen. Er wendet sich an den Lehrer Habrecht, ein "kränklicher, nervöser Mann" und berüchtigt als Hexenmeister, bittet ihn um Hilfe und beginnt, auf dem Gemeindegrund zu arbeiten. Mit der Zeit wird Pavel gesprächiger und bemüht sich, seine Stellung im sozialen Umfeld zu verbessern. Nachdem Pavel unter Verdacht gerät, den kranken Bürgermeister vergiftet zu haben, muss er seine Unschuld beweisen, was ihm auch gelingt. Danach macht er sich von Virgil und dessen Frau unabhängig und baut sich trotz zahlreicher Sabotagen seiner Mitbürger auf einem überteuert gekauften Grundstück ein Haus. Seine Konsequenz findet schließlich auch Bewunderer, die zu seinen Freunden werden: Arnost, den Schmied Anton und den Förster. Trotz aller Bemühungen Pavels, sein Benehmen zu verbessern, auf den Ruf zu achten und sogar ein Menschenleben zu retten, zeigt sich bei der Mehrheit der Dorfbewohner keine Einsicht, was wiederum Aggressionen in Pavel auslöst und in einer Schlägerei endet, in der er sich gemeinsam mit Anton und Arnost gegen den Rest des Dorfes behauptet. Zehn Jahre nachdem Pavel Gemeindekind geworden ist, ist er Besitzer eines selbstgebauten Hauses und eines Feldes, das ihm die Baronin geschenkt hat. So kann er seine aus dem Gefängnis entlassene Mutter aufnehmen. Bevor Barbara ankommt, stirbt jedoch Milada aufgrund übermäßiger Askese im Kloster. Es wird angenommen, dass sich die Kritik den Erwartungen der Leser anpasste, da sich der Vorabdruck des Gemeindekindes großer Beliebtheit erfreute. Daher war man gewillt, stilistische und wissenschaftliche Zugeständnisse gemäß Publikumserwartungen zu machen und negative Kritik ist entsprechend selten zu finden. Zudem standen Veröffentlichungen in enger Abhängigkeit zueinander und beeinflussten sich gegenseitig. Infolge der allgemein positiven Kritik am Gemeindekind und des ökonomischen Erfolgs gegenüber anderen Ebner'schen Erzählungen waren negative Bewertungen am Gemeindekind wiederum immer seltener zu finden; es kam zu positiver Rückkoppelung. Der zukünftige Ebner-Kenner Anton Bettelheim beschrieb Das Gemeindekind in Die Nation 1887 als Werk großer Erzählkunst mit pädagogischer Absicht und sah in ihm einen Beweis der Humanität der Dichterin. Die Hauptelemente seiner Rezension wurden zum Standardrepertoire aller weiteren Gemeindekind-Rezensenten. Außerdem würdigt Bettelheim die Figur Habrechts, dessen Worte wahrhaft wohltuend wären in "diesen Tagen der Menschenmakelei und Völkerverhetzung". "Frau v. Ebner-Eschenbach zählt zu den besten Erzählerinnen der Gegenwart" hieß es in einer Rezension in der Presse. Ihre Schilderungen, ihre Charakteristik und ihre Gestaltung der Handlung sei meisterhaft. In einer anderen Rezension anlässlich der Gesammelten Schriften lobt der Literaturwissenschaftler Erich Schmidt Das Gemeindekind als gelungene Kombination von psychischem Einfühlungsvermögen und angemessener künstlerischer Darstellung. Arthur Eloesser kritisiert die pädagogischen Elemente des Werkes insofern sie die literarische Weiterentwicklung in Europa verpasst haben. Rainer Baasner entgegnet, das Argument gehe aber schon über die Tradition Ebner-Eschenbachs, die Kritik gehe nicht einher mit der Intention der Autorin und der Tradition des Realismus. "Aber der soziale Roman in Europa hat sich über diesen schönen Glauben an das Gute doch hinaus entwickelt bis zur härteren Erkenntnis der Gesetzmässigkeit und Schicksalhaftigkeit unserer Lebensbedingungen." - Arthur Eloesser Als Ebner-Eschenbach am 25. Juni 1900 die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Wien verliehen wurde, stimmte man der Auffassung des Referenten J. Minors, der Das Gemeindekind als "Hauptwerk" der Geehrten bezeichnete, allgemein zu. Fortan wurden Rezensionen über Ebner-Eschenbach ohne eine Erwähnung des Gemeindekindes immer seltener. Julius Kehlheim indessen nannte Das Gemeindekind bereits in einer Rezension von 1893 über die Gesammelten Schriften das Hauptwerk von Marie von Ebner-Eschenbach. 1888 erschien in Arnhem eine niederländische Ausgabe auf dem Markt, 1893 in New York die amerikanische Ausgabe The Child of the Parish vom R. Bonner's Sons Verlag. In Prag erschien 1901 die tschechische Übersetzung. Französische Verleger waren im Gegensatz zu Unsühnbar, Bo ena und Neue Dorf- und Schloßgeschichten an einer Übersetzung des Gemeindekindes nicht interessiert. 2008 wurde Das Gemeindekind in ein Hörspiel umgesetzt. Regie übernahm Götz Fritsch, die Komposition Otto Lechner und Produktion ORF/MDR. Beteiligt waren neben anderen Elisabeth Orth als Erzählerin, Wolfram Berger als Virgil und Birgit Minichmayr in der Rolle der Vinska.

[SW: Deutsche Literatur | Erzählung | Marie von Ebner-Eschenbach]

Details

Ebner-Eschenbach, Marie von: Ausgewählte Erzählungen. Erster Band (von drei). Gebrüder Paetel (Dr. Georg Paetel) Erste Aufl. 1910 Berlin
246S. 8°

Halbleder Fadengehefteter, goldgeprägter Halb-Kalbledereinband mit Lederecken, reicher Rückengoldprägung, marmoriertem Deckelpapier und ebenso marmorierten Buchschnitten und Vorsätzen. Der Einband berieben und mit kleinen Abrieben sowie Bibliotheksschildchen auf unterem Rücken, fliegender Vorsatz fehlt, Stempel einer Franziskaner-Bibliothek auf Titelblatt, ansonsten noch rundum guter Zustand dieser wunderhübschen Ausgabe. Gesetzt in Fraktur, Buchdruck im Bleisatz auf Maschinenbütten. Inhalt: Jakob Szela/ Maslans Frau/ Der Vorzugsschüler Marie Freifrau Ebner von Eschenbach (* 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in Mähren; 12. März 1916 in Wien) war eine österreichische Schriftstellerin und gilt mit ihren psychologischen Erzählungen als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Marie von Ebner-Eschenbach, geborene Freiin Dubsky, ab 1843 Gräfin, war die Tochter des Franz Baron Dubsky, ab 1843 Graf Dubsky, und seiner zweiten Frau Baronesse Marie von Vockel. Väterlicherseits hat sie ihre Wurzeln im alten böhmisch-katholischen Adelsgeschlecht der Dubsky von Třebomyslice. Mütterlicherseits stammt sie vom Geschlecht der sächsisch-protestantischen Familie Vockel ab. Sie hatte sechs Geschwister. Kurz nach ihrer Geburt starb ihre Mutter. Ihre erste Stiefmutter, Eugenie Bartenstein, zu der sie eine enge Beziehung hatte, verlor sie als siebenjähriges Kind. Drei Jahre später heiratete Maries Vater in vierter Ehe Gräfin Xaverine Kolowrat-Krakowsky, eine hochgebildete Frau. Auch mit ihrer zweiten Stiefmutter pflegte Marie ein inniges Verhältnis. Diese erkannte und förderte das schriftstellerische Talent ihrer Stieftochter. Während die Familie jedes Jahr mehrere Monate in Wien lebte, nahm Xaverine ihre Stieftochter häufig mit ins Burgtheater und gab ihr literarische Anregungen. Mit elf Jahren wurde Marie die Aufgabe zuteil, die Bücher ihrer verstorbenen Großmutter in der Bibliothek in Zdislawitz einzuordnen. Dabei regte sich bereits ihr Bildungstrieb, sie las nach ihrer Wahl, ohne Leitung oder Störung. Durch diese Autodidaktik wurde sie vor Autoritätsglauben bewahrt, und es entwickelte sich ihr Freigeist und ihre Unabhängigkeit von aller Metaphysik. Die Sommermonate verbrachte Marie bei ihrer Familie auf dem Schloss in Zdislawitz, und im Winter wohnte sie in Wien. Viele verschiedene Personen nahmen sich der Erziehung Maries an: mütterlicherseits ihre Großmutter, väterlicherseits ihre Tante Helen, tschechische Dienstmägde und deutsche und französische Gouvernanten. Folglich hatte sie das Glück, verschiedene Sprachen erlernt zu haben: Deutsch, Französisch und Tschechisch, wobei Französisch die Muttersprache war. Als Adelige profitierte Ebner-Eschenbach davon, dass sie über den bürgerlichen Verhältnissen lebte, diese überschauen konnte und früh eine weite Sicht über staatliche Zustände erhielt. Mit der Schilderung der ihr vertrauten Aristokratie eröffnete sie als Dichterin ein neues poetisches Gebiet, worin sie auch viele Nachahmer fand. 1848, mit achtzehn Jahren, heiratete Marie ihren Cousin Moritz von Ebner-Eschenbach, den Sohn ihrer Tante Helen. Sie zog zu ihrem fünfzehn Jahre älteren Mann nach Klosterbruck (tschechisch: Louka) bei Znaim in Südmähren. Ihr Ehemann war selber auch ein gebildeter Mann und unterstützte Marie in ihrem Schriftstellerdrang. Moritz von Ebner-Eschenbach lehrte als Professor an der Ingenieur-Akademie in Wien Physik und Chemie, später wurde er Feldmarschallleutnant und Mitglied der Militärakademie. Die Ehe zwischen Marie und ihrem Cousin blieb kinderlos. Im Jahre 1856 zog sie dauerhaft nach Wien, wo sie 1879 eine Uhrmacher-Ausbildung absolvierte, was für eine Frau damals ungewöhnlich war. Sie sammelte Formuhren; die Sammlung befindet sich im Uhrenmuseum in Wien. Im Laufe der Zeit wandte sie sich ganz der Literatur zu. Während fast zwanzig Jahren schrieb sie Dramen (Gesellschaftsstücke und Lustspiele), inspiriert von Friedrich von Schiller, die jedoch nicht erfolgreich waren. Nachdem sie sich mit wenig Erfolg als Dramatikerin betätigt hatte, konnte sie die Aufmerksamkeit 1876 mit ihrem ersten Kurzroman "Bo ena", welcher in der Deutschen Rundschau abgedruckt worden war, auf sich ziehen. Sie versuchte sich nun als Schriftstellerin, was sich aufgrund des Erfolgs als gute Entscheidung auswies. Mit Werken wie den "Aphorismen" (1880) und den "Dorf- und Schlossgeschichten" gelang ihr schließlich der endgültige Durchbruch. Letztgenanntes enthält ihre bekannteste Novelle "Krambambuli". Sie konzentrierte sich nun auf ihre erzählerischen Dichtungen, in denen man wichtige Elemente ihres sozialen Denkens und ihres politischen Bewusstseins finden kann. Nachdem sie 1880 ihre Erzählung "Lotti die Uhrmacherin" veröffentlicht hatte, hieß man sie auch in Verlagen willkommen. 1887 erschien ihr Roman "Das Gemeindekind", der bis heute eine große Bedeutung in der Literatur hat. Marie von Ebner-Eschenbachs Ruhm nahm im Laufe der Zeit so sehr zu, dass in Österreich und Deutschland sogar ihr 70. und 80. Geburtstag gründlich gefeiert wurden. Ihr ganzes Leben lang kämpfte sie gegen die "normalen" Gedanken ihrer Zeit. Sie schrieb nicht etwa, um den Familienunterhalt zu finanzieren, sondern vielmehr mit der Inspiration und Überzeugung, ihre Schriften könnten die Gedanken ihrer Zeit verändern. Ihre Absicht war, Sittlichkeit und Humanismus zu vermitteln. Ab 1890 fand Marie von Ebner-Eschenbach mit ihren dialogischen Novellen ihren dramatischen Schreibstil. Mit ihren Werken "Ohne Liebe" (1888) und "Am Ende" (1895) erzielte sie in Berlin auf der "Freien Bühne" große Erfolge. Im Jahre 1898 wurde sie mit dem höchsten zivilen Orden Österreichs, dem Ehrenkreuz für Kunst und Literatur, ausgezeichnet. 1900 erhielt sie den ersten weiblichen Ehrendoktor der Universität Wien. 1898 verstarb ihr Gatte. Nach 1899 unternahm sie mehrere Reisen nach Italien und veröffentlichte 1906 ihre Erinnerungen "Meine Kinderjahre". Marie von Ebner-Eschenbach verstarb am 12. März 1916 im Alter von 85 Jahren in Wien und wurde in Zdislawitz in der Familiengruft der Grafen Dubsky beigesetzt. Zu ihren Ehren wurde in Wien eine Gedenktafel in der Wiener Universität angebracht und der Ebner-Eschenbach-Park in Wien-Währing benannt. Die österreichische Post veröffentlichte anlässlich ihres 50. (1966) und 75. (1991) Todestages jeweils eine Sonderbriefmarke, die deutsche Post anlässlich ihres 150. Geburtstages, 1980. Das Porträt Ebner-Eschenbachs hätte auch die Vorderseite der 5000-Schilling-Banknote der Serie von 1997 zeigen sollen, von dieser wurden dann aber nur die 500- und 1000-Schilling-Note ausgegeben.

[SW: Deutsche Literatur | Erzählungen | Schmuckausgaben]

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