Mann, ThomasThomas Mann (1875-1955), Schriftsteller. E. Brief mit U. Princeton, 21. I. 1941. 2_ SS. auf 2 Bll. Gr.-8°. - Unveröffentlichter Brief an den Psychoanalytiker Theodor Reik (1888-1969): "Was Sie mir vorschlagen, ehrt mich sehr, ich kann aber nicht tun, was Sie wollen. Ich fühle mich tatsächlich überbürdet und habe alle Mühe, meine persönliche Arbeit neben den täglichen Anforderungen dieser Zeit aufrecht zu halten. Die Prüfungen wachsen mit den Jahren', bemerkt Goethe; und es ist schlecht eingerichtet, daß man, solange man jung und sportlich auf der Höhe ist, eigentlich nichts zu tun hat und nachher so viel. Ein paar Zeilen', das ist leicht gesagt. Schreibe ich einmal, so vertiefe ich mich, und es wird eine Arbeit daraus, wie ich sie mir jetzt nicht leisten kann. In der Goethe-Welt war ich lange eingesponnen, und wenn ich diese Welt selbst auch niemals verlassen werde, so mag ich doch nicht in die Problem-Sphäre des abgetanen Buches zurück - ich meine den Lotte-Goethe-Roman. Ihre Goethe-Friederike-Stücke hatte ich früher schon gelesen und habe mich jetzt wieder mit Bewunderung für den Reichtum ihrer Thematik und für die Unerschrockenheit darin umgesehen, mit der das analytische Prinzip des Aude sapere darin durchgeführt ist. Soll ich hinzufügen, daß, auf so breitem Raume, das Wissen um diese Tiefen, die nicht tiefer sind, als das Geschlecht, (aber es ist wohl recht tief) manchmal etwas monoton und die Tapferkeit, von der Freud Ihnen schrieb, etwas gewohnheitsmäßig und spezialistisch wirkt? Die Bemerkung kommt mir wohl in die Feder, weil ich fühle, daß die Psycho-Analyse mir gegeben hat, was sie mir zu geben hatte, und weil ich, unbeschadet alles Verpflichtungs- und Verbundenheitsgefühls, das ich ihr entgegenbringe, das Spezialistische daran scheue [...]". - Nicht in: Die Briefe Thomas Manns. Regesten und Register. Hrsg. v. Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer. Bearb. und hrsg. unter Mitarbeit von Yvonne Schmidlin. Bd. II. Briefe 1934-1943. Frankfurt a. M., S. Fischer, 1980. - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf; papierbedingt leicht gebräunt; die Recto-Seite von Bl. 1 leicht fleckig, die Verso-Seiten jeweils mit kleinen Montagespuren an den oberen Ecken. Thomas Mann (1875-1955), Schriftsteller. E. Brief mit U. Princeton, 21. I. 1941. 2_ SS. auf 2 Bll. Gr.-8°. - Unveröffentlichter Brief an den Psychoanalytiker Theodor Reik (1888-1969): "Was Sie mir vorschlagen, ehrt mich sehr, ich kann aber nicht tun, was Sie wollen. Ich fühle mich tatsächlich überbürdet und habe alle Mühe, meine persönliche Arbeit neben den täglichen Anforderungen dieser Zeit aufrecht zu halten. Die Prüfungen wachsen mit den Jahren', bemerkt Goethe; und es ist schlecht eingerichtet, daß man, solange man jung und sportlich auf der Höhe ist, eigentlich nichts zu tun hat und nachher so viel. Ein paar Zeilen', das ist leicht gesagt. Schreibe ich einmal, so vertiefe ich mich, und es wird eine Arbeit daraus, wie ich sie mir jetzt nicht leisten kann. In der Goethe-Welt war ich lange eingesponnen, und wenn ich diese Welt selbst auch niemals verlassen werde, so mag ich doch nicht in die Problem-Sphäre des abgetanen Buches zurück - ich meine den Lotte-Goethe-Roman. Ihre Goethe-Friederike-Stücke hatte ich früher schon gelesen und habe mich jetzt wieder mit Bewunderung für den Reichtum ihrer Thematik und für die Unerschrockenheit darin umgesehen, mit der das analytische Prinzip des Aude sapere darin durchgeführt ist. Soll ich hinzufügen, daß, auf so breitem Raume, das Wissen um diese Tiefen, die nicht tiefer sind, als das Geschlecht, (aber es ist wohl recht tief) manchmal etwas monoton und die Tapferkeit, von der Freud Ihnen schrieb, etwas gewohnheitsmäßig und spezialistisch wirkt? Die Bemerkung kommt mir wohl in die Feder, weil ich fühle, daß die Psycho-Analyse mir gegeben hat, was sie mir zu geben hatte, und weil ich, unbeschadet alles Verpflichtungs- und Verbundenheitsgefühls, das ich ihr entgegenbringe, das Spezialistische daran scheue [...]". - Nicht in: Die Briefe Thomas Manns. Regesten und Register. Hrsg. v. Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer. Bearb. und hrsg. unter Mitarbeit von Yvonne Schmidlin. Bd. II. Briefe 1934-1943. Frankfurt a. M., S. Fischer, 1980. - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf; papierbedingt leicht gebräunt; die Recto-Seite von Bl. 1 leicht fleckig, die Verso-Seiten jeweils mit kleinen Montagespuren an den oberen Ecken. [Schlagwörter: Autograph, Manuskript, Dokument, Autographen, Nachlässe] Artikel-Nr.: 18977 3557 weitere Einträge gefunden im Katalog Literatur beim Anbieter Kotte Autographs GmbH, Deutschland | Bezahlung: Per Rechnung (Vorauszahlung vorbehalten) Preis: EUR 6.000,00 Versand (Standard):Versand k.A. |