Wieland
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Starnes, Thomas C.: Christoph Martin Wieland. Leben und Werk. - 3 Bände (komplett. - Sigmaringen, Jan Thorbecke Verlag, 1987.
Verlagsanzeige : "Es ist fast unbegreiflich, daß ein Mann wie Christoph Martin Wieland (1733-1813), eine Schlüsselfigur zur deutschen Geistesgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts, 100 Jahre lang von seinen Landsleuten verkannt blieb. Er war seinen Zeitgenossen der deutsche Voltaire, der Denker, der sich in allen Gattungen der Literatur zu Hause fühlte. Er war der erste deutsche Übersetzer Shakespearescher Dramen, der erste Dichter eines deutschen Dramas in Blankvers ('Lady Jane Grey', 1756), der Vater des modernen Entwicklungsromans ('Die Geschichte des Agathon', 1766), der Theoretiker und Librettist der ersten modernen deutschen Oper ('Alceste', 1773), der Gründer und Herausgeber der ersten erfolgreichen belletristischen Zeitschrift in Deutschland ('Der - von 1790 an Der Neue - Teutsche Merkur', 1773-1810), der Dichter, der andere zu sich nach Weimar zog, und derjenige, den Goethe und Schiller in ihren Schriften öfter bewußt zu übertrumpfen suchten. Bei den französisch gesinnten Aristokraten Deutschlands weckte er die Aufmerksamkeit für deutsche Schriftsteller. Unter den deutschen Klassikern war er der Belesenste, unter seinen dichtenden Zeitgenossen der Einzige, der die Ereignisse der Französischen Revolution mit politischem Verständnis begleitete, und unter seinen Weimarer Kollegen war er der Aufgeschlossenste für die Werke begabter junger Schriftsteller, von denen er vielen geholfen, viele gefördert hat, z. B. Schiller, die beiden Schlegels und Kleist. Diesem lange vernachlässigten Wieland gilt seit einiger Zeit ein wachsendes Interesse. Man spricht sogar von einer Wieland-Renaissance. Die wissenschaftliche Literatur bietet eine Reihe meist werkimmanenter Studien über Wieland, den Meister des Stils und der perspektivischen Erzählkunst, den Vater des psychologischen Romans und den scharfsichtigen, zugleich toleranten politischen Beobachter und Kommentator. Der Wieland-Forschung fehlt es jedoch an einer vollständigen kritischen Werkausgabe. So wertvoll die neuesten Interpretationen sein mögen, sie müssen doch spekulativ bleiben, solange die Quellengrundlage fehlt. Diesen Mangel wenigstens teilweise zu beheben, ist die Absicht der Darstellung von Leben und Werk des Dichters. Aus handschriftlichen Materialien, Briefen und Tagebüchern, Akten und Urkunden, sonstigen zeitgenössischen Dokumenten und oft nur schwer zugänglichen Druckwerken, aus Beständen, die auf mehr als 200 Bibliotheken und Institute in Europa und Amerika verstreut lagern, hat der Wieland-Forscher Thomas C. Starnes aus New Orleans in mehr als zwanzigjähriger Arbeit reichhaltige, großenteils bislang unbekannte Auskünfte und Eindrücke zusammengetragen und chronologisch geordnet, die eine neue Sicht Wielands ermöglichen. Die drei Bände mit dem umfangreichen Register von über 4000 Personen (die größtenteils unter anderem mit Namen, Lebensdaten und Beruf identifiziert werden), dem Quellenverzeichnis und dem Verzeichnis der Schriften, Übersetzungen und Rezensionen Wielands sind ein Nachschlagewerk und Auskunftsmittel für den Wissenschaftler und ein informationsreiches Lesebuch für alle, die am kulturellen Erbe des achtzehnten Jahrhunderts interessiert sind. Der erste Band der Wieland-Dokumentation mit dem Titel 'Vom Seraph zum Sittenverderber' enthält die Materialien zu Leben und Werk des Dichters aus der Zeit von 1733 bis 1783. Diese fünfzig Jahre sind durch die folgenden Stichworte gekennzeichnet: Kindheit in Oberholzheim und Biberach, Schüler in Klosterbergen, Student in Erfurt und Tübingen, Verlobter Sophie Gutermanns, Dichterlehrling Bodmers, Informator in Zürich und Bern, Kanzleiverwalter in Biberach, Shakespeare-Übersetzer, Dichter des Rokoko, Verfasser psychologischer Romane, Professor in Erfurt, Prinzenerzieher in Weimar, Journal-Herausgeber, Volkserzieher, Freund und Konkurrent Goethes. Der zweite Band der Wieland-Dokumentation umspannt die Jahre von 1784 bis 1799, eine Zeit in der der Dichter als der wohl 'berühmteste Mann in Teutschland' galt [...]: Horaz- und Lukian-Übersetzer, Familienvater, Lehrer, Freund und Förderer junger Schriftsteller, Verfasser historischer Romane, Politischer Essayist, Freund und Kritiker der Französischen Revolution, Autor und Freund Göschens, Mitkämpfer um Autorenrechte, Glücklicher Landbewohner, Sündenbock der Romatiker. Der dritte Band der Dokumentation enthält alle Materialien zu Wielands Leben und Werk aus den Jahren von 1800 bis 1813 unter dem Titel 'Der Dekan des deutschen Parnasses', also aus der Zeit vom siebenundsechzigsten bis zum achtzigsten Lebensjahr des Dichters. Sie ist mit folgenden Stichworten näher charakterisiert: Verschuldeter Rittergutsbesitzer, Herder-Freund, Goethe- und Schiller-Gegner, Witwer, Novellendichter, Euripides-, Aristophanes- und Cicero-Übersetzer, Fürstinnenvertrauter, Freimaurer, Dichterpatriarch".
Gr.-8°. 2170 S., mit 3 farbigen Abb. Leinen mit Schutzumschlag - verlagsfrisch.
WIELAND, C(hristoph) M(artin): Sämmtliche Werke. Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1794-1811. Hrsg. von der 'Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur' in Zusammenarbeit mit dem 'Wieland-Archiv', Biberach/Riß, und Hans Radspieler. Vorbemerkung von Jan Philipp Reemtsma. 1. Aufl. 1.-10. Tsd. 39 Bde. u. 6 Supplement-Bde. in 14 Bdn. - Hbg.: Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur 1984.
Faksimile in Originalgröße der 'wohlfeilen Göschen-Volksausgabe letzter Hand' sämtlicher Werke Christoph Martin Wieland (1733-1813). - Vgl. Günther/Zeilinger 2. - Rand papierbedingt etw. gebräunt. - Beilagen: I. J.G. Gruber: Wielands Leben. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1827/28. Hbg. 1984. 1.648 Ss. Kl.8°. Ln. - II. C.M. Wieland: Comische Erzählungen. Combabus. Der verklagte Amor. 1. Aufl. 1.-10. Tsd. (Mit einer Original-Radierung: Wieland-Porträt von Raimund Oertling.) Hbg.: Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur 1984. 225 Ss., 1 Bl. Gr.8°. HLd. mit Silberpräg., Kopfsilberschnitt u. handgefertigtem Marmorpapierbezug der 'Dorfgemeinschaft Lautenbach' (Rücken min. berieben). Nr. 543 einer numerierten Auflage als 'Bestandteil der Hamburger Reprintausgabe' von Wielands Sämmtlichen Werken. "Die in diesem Band vereinten Verserzählungen folgen den Erstausgaben, und zwar jeweils dem ersten vollständigen und selbständig erschienenen Druck (Zürich 1765; Leipzig 1770; Weimar 1774)" (S. 223). Satz aus Cicero Neo Didot Monotype und Druck in der Werkstatt von Franz Greno, Nördlingen; Handabzug der Radierung auf Kupferdruckbütten. - III. 2 Handschrift-Faksimiles auf einem DoppelBl.: 1. Eigenhändiger Brief des Verlegers Georg Joachim Göschen (1752-1828) an die Weidmannsche Buchhandlung, datiert "Leipzig, 4.XI.(?)1789". Über die Herausgabe der Werke Wielands entstand zwischen Weidmann und Göschen eine Kontroverse, die sich mehrere Jahre hinzog und erst 1796 gerichtlich zugunsten Göschens entschieden wurde; Wielands Werke erschienen ab 1794 bei Göschen; 2. Eigenhändiges Schriftstück von Christoph Martin Wieland mit zusätzlichen Unterschriften von Friedrich Schiller, C.L. Reinhold und Wielands Gattin Anna Dorothea, datiert "Weimar, 14.IV.1792". Wieland erklärt und bekundet für sich und seine Erben, daß er das Eigentumsrecht an der allgemeinen Ausgabe seiner 'Sämmtlichen Schriften' an Georg Joachim Göschen und dessen Erben abgetreten habe, unter den im abgeschlossenen Vertrag enthaltenen Bedingungen. Diese rechtsverbindliche Erklärung Wielands diente Göschen im Rechtsstreit mit der Weidmannschen Buchhandlung zur Widerlegung der Behauptung, die 'Sämmtlichen Werke' seien ein unrechtmäßiger Nachdruck der Weidmannschen Einzelausgaben Wielands; vgl. Auktionskat. Sammlung Ernst L. Hauswedell 933 u. 1119. - Vollständiges Exemplar des Wieland-Reprints, der dem Greno-Verlag noch vor dem Erscheinen der 'Anderen Bibliothek' zu hohem Ansehen bei Lesern und Buchhändlern verhalf.
[SW Deutsche Literatur 18. Jahrhundert Aufklärung Klassik Werkausgaben Vorzugsausgaben Faksimiles]
Zus. 16.752 Ss. Kl.8°. Blaues Ln. (tls. min. angestaubt, Schnitt tls. etw. stockfleckig).
Wieland, Christoph Martin: Wieland-Lesebuch. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Heinrich Bock. Mit Anmerkungen und bibliographischen Hinweisen. Mit einer Zeittafel. (=Insel-Taschenbuch ;it 729) Erstausgabe. [1. - 6. Tausend.] Frankfurt am Main, Insel Verlag,, 1983. ISBN: 3458324291
Wieland, Christoph Martin, Schriftsteller, *Oberholzheim (heute zu Achstetten, Landkreis Biberach) 5.9. 1733, Weimar 20.1. 1813. Wieland entstammte einem pietistischen Landpfarrhaus, wuchs in Biberach an der Riß heran, kam 1747 in das herrnhutische Schulinternat von Kloster Berge (bei Magdeburg) und 1749 zur Vorbereitung auf das Studium nach Erfurt. Während eines kurzen Aufenthalts in der Heimat fasste er 1750 eine schwärmerische Neigung zu seiner Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen (La Roche, Marie Sophie von), mit der er bis 1753 verlobt war und auch nach der Trennung freundschaftlich verbunden blieb. 1750-52 studierte er in Tübingen Jura. 1752 folgte Wieland einer Einladung J.J. Bodmers nach Zürich und blieb dort bis 1758; 1759 ging er als Hauslehrer nach Bern, wo er sich mit Julie von Bondeli verlobte, 1760 aber die Verlobung wieder löste. Im selben Jahr wurde Wieland Ratsherr, wenig später Kanzleidirektor in Biberach an der Riß; konfessionelle Streitigkeiten, finanzielle Schwierigkeiten und persönliche Konflikte bestimmten jene Zeit. 1765 heiratete er die Augsburger Patriziertochter Dorothea von Hillengrand (*1746, 1801); aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. 1769 wurde Wieland Professor der Philosophie und kurmainzischer Regierungsrat an der Universität in Erfurt, von wo aus er bald Beziehungen zum Halberstädter Kreis (J.W.L. Gleim, J.G. Jacobi) aufnahm. 1772 berief ihn Herzogin Anna Amalia zum Erzieher ihrer beiden Söhne nach Weimar. Nach der Regentschaftsübernahme durch Karl August (1775) lebte er als freier Schriftsteller weiter in Weimar, 1797-1803 auch oft auf seinem Landgut in Oßmannstedt nahe der Stadt. Wielands poetisches Werk repräsentiert wie kein anderes des 18.Jahrhunderts die Entwicklung des deutschen Geisteslebens von A. Haller bis zur Romantik. Die ersten Schriften atmen noch den Geist einer enthusiastisch-empfindsamen Religiosität (u.a. "Die Natur der Dinge", 1752, ein gegen Lukrez gerichtetes Lehrgedicht). Die in Hexametern geschriebenen "Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde" (1753), die lehrhaften Prosastücke "Sympathien" (1756) und die von G.E. Lessing scharf kritisierten "Empfindungen eines Christen" (1757) zeigen ihn auf der Höhe emphatischer Tugend- und Seelenschwärmerei. In Zürich entstand als Nachdichtung einer Tragödie von N. Rowe das bürgerliche Trauerspiel "Lady Johanna Gray" (1758), das erste deutsche Drama in Blankversen. In der Biberacher Zeit lernte er auf Schloss Warthausen, Sitz des ehemaligen kurmainzischen Ministers Reichsgraf Friedrich von Stadion-Warthausen (*1681, 1768), die französisch bestimmte Kultur und Literatur des Rokokos kennen. Unter diesem Einfluss und dem der persönlichen Konflikte wandelte sich der Charakter seiner Werke, die nun von Skepsis und Ironie, aber auch von heiterer Anmut und Eleganz geprägt sind. Dieser neue Ton wird erstmals deutlich in der Ritterroman-Parodie "Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva" (1764). In den "Comischen Erzählungen" (1765) werden griechische Göttergeschichten auf für die Zeitgenossen ungewohnt frivole Weise in eleganten Versen wiedergegeben. Unter dem Einfluss von L. Sterne und H. Fielding schuf Wieland mit der "Geschichte des Agathon" (2 Bände, 1766/67; zunächst anonym; erweiterte Fassungen 1773 und 1794) den ersten großen Bildungs- und Erziehungsroman der deutschen Literatur, der in antikem Gewand sowohl psychologische als auch gesellschaftliche Dimensionen einbezieht. Als Ziel eines wechselvollen Lebensweges erscheint der harmonische Ausgleich zwischen vernunftbeherrschter Sinnlichkeit und einer durch ästhetische Moralität bestimmten Daseinsfreude. Diesen Ausgleich verkündete auch die durch Lukian angeregte kleine Verserzählung "Musarion, oder Die Philosophie der Grazien" (1768). Wieland gehörte inzwischen zu den wichtigsten Repräsentanten des deutschen Literaturlebens. Angefeindet wurde er von den Mitgliedern des Göttinger Hains, die F.G. Klopstock verherrlichten und sogar Werke Wielands verbrannten. Hauptwerk der Erfurter Zeit ist der politisch-satirische Roman "Der goldne Spiegel" (4 Bände, 1772), der in Form einer Rahmenerzählung im orientalischen Dekor Probleme aufgeklärt-moderner Staatsführung erörtert. Dieser "Fürstenspiegel" gab auch den Anlass für Wielands Berufung nach Weimar, wo er in den folgenden Jahrzehnten die Weimarer Klassik mit prägte. Zunächst aber rief eines seiner Werke für die Weimarer Hofbühne, das Singspiel "Alceste" (1773), das den antiken Alkestis-Stoff nach dem empfindsamen Zeitgeschmack gestaltete, den Spott Goethes hervor, der in dieser Zeit ganz den Idealen des Sturm und Drang verpflichtet war (Prosafarce "Götter, Helden und Wieland", 1774). In den Dramen der klassischen Zeit griff Goethe dann allerdings auf die ästhetischen Prinzipien Wielands zurück. Für die Erziehung von Geist und Geschmack des deutschen Bürgertums war Wielands Zeitschrift "Der Teutsche Merkur" (nach dem Vorbild des Mercure de France, herausgegeben 1773-89 in 68 Bänden) von großer Bedeutung. Wieland veröffentlichte die meisten seiner Werke fortan zuerst dort, so auch 1774-80 den geistreich-satirischen Narrenroman "Die Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte" (1781 unter dem Titel "Geschichte der Abderiten", 2 Bände), der unter antiker Maske scharfe Zeitkritik am deutschen Spießbürgertum verbirgt. Auch das romantische Heldengedicht "Oberon" wurde zunächst im "Teutschen Merkur" veröffentlicht (1780); in dieser Dichtung, die Goethe als "ein Meisterstück poetischer Kunst" hoch schätzte, vereinigen sich Anmut und Musikalität der Form mit heiter-gelöster Märchenfantasie und einem tiefen Gehalt. Wichtigstes Alterswerk ist der weit ausholende Briefroman "Aristipp und einige seiner Zeitgenossen" (4 Bände, 1800-02), das letzte große Werk der deutschen Aufklärung, das in seiner Stofffülle schon auf den kulturhistorischen Roman des 19. Jahrhunderts weist. Gleichberechtigt neben den eigenen dichterischen Arbeiten und der Herausgebertätigkeit (u.a. "Dschinnistan oder auserlesene Feen- und Geistermährchen", 3 Bände, 1786-89) stehen Wielands bedeutende Übersetzungen. Bereits in Biberach entstand die Prosaübertragung von 22 Stücken Shakespeares ("Theatralische Werke", 8 Bände, 1762-66), die zum literarischen Ruhm Wielands wesentlich beitrug und durch die der englische Dramatiker zum ersten Mal dem deutschen Publikum in großem Umfang zugänglich wurde und damit die ungewöhnlich breite Shakespearerezeption in Deutschland einleitete. Später übersetzte Wieland Horaz und Lukian, der ihn zu eigenen Dialogen anregte: "Dialoge im Elysium" (1780-82) und "Neue Göttergespräche" (1791). Übersetzungen des Aristophanes, Xenophon und Euripides, die den Hauptinhalt der von Wieland gegründeten Zeitschrift "Attisches Museum" (4 Bände, 1796-1803) ausmachten, sowie die Übertragung der Briefe Ciceros schlossen sich an. Ab 1794 arbeitete er an der Ausgabe letzter Hand seiner "Sämmtlichen Werke" (45 Bände, 1794-1811, erschienen bei G.J. Göschen). Wielands eleganter Stil, hintergründiger Humor und überlegene Urteilsfähigkeit haben zur Belebung der deutschen Literatur in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entscheidend beigetragen. Er war es, auf den die lange Zeit Goethe zugeschriebene Prägung des Begriffs von der Weltliteratur zurückgeht (um 1790). Der schnelle Wandel der literarischen und ästhetischen Anschauungen und Wertungen ab etwa 1770 sowie die zum Teil vehementen Anfeindungen führten dazu, dass er schon am Ende des 18.Jahrhunderts mehr und mehr in den Hintergrund trat und nach seinem Tod fast ganz in Vergessenheit geriet. Erst seit den 1950er-Jahren erwachte das Interesse an dem form- und sprachgewandten, geistreichen und liebenswürdigen Autor neu. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2004 Sehr guter Zustand. Frisches Exemplar. Wie ungelesen. Mit einer Verlagsbeilage.
344 Seiten mit vielen Abbildungen. 18 cm. Taschenbuch. Kartoniert. ISBN: 3458324291.
[SW: Literaturtheorie, Germanistik, Literaturdidaktik, Literarische Porträts, Literaturkritik, Literaturgattungen, Literatursoziologie, Literaturepochen, Literaturrezeption, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Literatur, Literaturgeschichte, Deutsche Literatur, Literaturwissenschaft Literaturwissenschaften, Deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts, Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts, Literaturrecherche, Literaturinterpretationen, Literaturkanon, Literaturunterricht, Literarische Gattungen, Literarhistoriker, Literaturproduktion, Literaturkommentare]
Wieland, Christoph Martin: Sämmtliche Werke. Herausgegeben von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenachaft und Kultur in Zusammenarbeit mit dem Wieland-Archiv und Hans Radspieler. 39 Bände, 6 Supplemente in 14 Bänden sowie J.G. Gruber: C.M. Wielands Leben. Faksimile in Originalgröße der "wohlfeilen Göschen-Volksausgabe letzter Hand" sämtlicher Werke Christoph Martin Wieland. Hamburg / Nördlingen, Greno, 1984.
Minimale Lagerspuren, sonst sehr schöne Exemplare. Wieland, Christoph Martin, Schriftsteller, *Oberholzheim (heute zu Achstetten, Landkreis Biberach) 5.9. 1733, Weimar 20.1. 1813. Wieland entstammte einem pietistischen Landpfarrhaus, wuchs in Biberach an der Riß heran, kam 1747 in das herrnhutische Schulinternat von Kloster Berge (bei Magdeburg) und 1749 zur Vorbereitung auf das Studium nach Erfurt. Während eines kurzen Aufenthalts in der Heimat fasste er 1750 eine schwärmerische Neigung zu seiner Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen (La Roche, Marie Sophie von), mit der er bis 1753 verlobt war und auch nach der Trennung freundschaftlich verbunden blieb. 1750-52 studierte er in Tübingen Jura. 1752 folgte Wieland einer Einladung J.J. Bodmers nach Zürich und blieb dort bis 1758; 1759 ging er als Hauslehrer nach Bern, wo er sich mit Julie von Bondeli verlobte, 1760 aber die Verlobung wieder löste. Im selben Jahr wurde Wieland Ratsherr, wenig später Kanzleidirektor in Biberach an der Riß; konfessionelle Streitigkeiten, finanzielle Schwierigkeiten und persönliche Konflikte bestimmten jene Zeit. 1765 heiratete er die Augsburger Patriziertochter Dorothea von Hillengrand (*1746, 1801); aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. 1769 wurde Wieland Professor der Philosophie und kurmainzischer Regierungsrat an der Universität in Erfurt, von wo aus er bald Beziehungen zum Halberstädter Kreis (J.W.L. Gleim, J.G. Jacobi) aufnahm. 1772 berief ihn Herzogin Anna Amalia zum Erzieher ihrer beiden Söhne nach Weimar. Nach der Regentschaftsübernahme durch Karl August (1775) lebte er als freier Schriftsteller weiter in Weimar, 1797-1803 auch oft auf seinem Landgut in Oßmannstedt nahe der Stadt. Wielands poetisches Werk repräsentiert wie kein anderes des 18.Jahrhunderts die Entwicklung des deutschen Geisteslebens von A. Haller bis zur Romantik. Die ersten Schriften atmen noch den Geist einer enthusiastisch-empfindsamen Religiosität (u.a. "Die Natur der Dinge", 1752, ein gegen Lukrez gerichtetes Lehrgedicht). Die in Hexametern geschriebenen "Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde" (1753), die lehrhaften Prosastücke "Sympathien" (1756) und die von G.E. Lessing scharf kritisierten "Empfindungen eines Christen" (1757) zeigen ihn auf der Höhe emphatischer Tugend- und Seelenschwärmerei. In Zürich entstand als Nachdichtung einer Tragödie von N. Rowe das bürgerliche Trauerspiel "Lady Johanna Gray" (1758), das erste deutsche Drama in Blankversen. In der Biberacher Zeit lernte er auf Schloss Warthausen, Sitz des ehemaligen kurmainzischen Ministers Reichsgraf Friedrich von Stadion-Warthausen (*1681, 1768), die französisch bestimmte Kultur und Literatur des Rokokos kennen. Unter diesem Einfluss und dem der persönlichen Konflikte wandelte sich der Charakter seiner Werke, die nun von Skepsis und Ironie, aber auch von heiterer Anmut und Eleganz geprägt sind. Dieser neue Ton wird erstmals deutlich in der Ritterroman-Parodie "Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva" (1764). In den "Comischen Erzählungen" (1765) werden griechische Göttergeschichten auf für die Zeitgenossen ungewohnt frivole Weise in eleganten Versen wiedergegeben. Unter dem Einfluss von L. Sterne und H. Fielding schuf Wieland mit der "Geschichte des Agathon" (2 Bände, 1766/67; zunächst anonym; erweiterte Fassungen 1773 und 1794) den ersten großen Bildungs- und Erziehungsroman der deutschen Literatur, der in antikem Gewand sowohl psychologische als auch gesellschaftliche Dimensionen einbezieht. Als Ziel eines wechselvollen Lebensweges erscheint der harmonische Ausgleich zwischen vernunftbeherrschter Sinnlichkeit und einer durch ästhetische Moralität bestimmten Daseinsfreude. Diesen Ausgleich verkündete auch die durch Lukian angeregte kleine Verserzählung "Musarion, oder Die Philosophie der Grazien" (1768). Wieland gehörte inzwischen zu den wichtigsten Repräsentanten des deutschen Literaturlebens. Angefeindet wurde er von den Mitgliedern des Göttinger Hains, die F.G. Klopstock verherrlichten und sogar Werke Wielands verbrannten. Hauptwerk der Erfurter Zeit ist der politisch-satirische Roman "Der goldne Spiegel" (4 Bände, 1772), der in Form einer Rahmenerzählung im orientalischen Dekor Probleme aufgeklärt-moderner Staatsführung erörtert. Dieser "Fürstenspiegel" gab auch den Anlass für Wielands Berufung nach Weimar, wo er in den folgenden Jahrzehnten die Weimarer Klassik mit prägte. Zunächst aber rief eines seiner Werke für die Weimarer Hofbühne, das Singspiel "Alceste" (1773), das den antiken Alkestis-Stoff nach dem empfindsamen Zeitgeschmack gestaltete, den Spott Goethes hervor, der in dieser Zeit ganz den Idealen des Sturm und Drang verpflichtet war (Prosafarce "Götter, Helden und Wieland", 1774). In den Dramen der klassischen Zeit griff Goethe dann allerdings auf die ästhetischen Prinzipien Wielands zurück. Für die Erziehung von Geist und Geschmack des deutschen Bürgertums war Wielands Zeitschrift "Der Teutsche Merkur" (nach dem Vorbild des Mercure de France, herausgegeben 1773-89 in 68 Bänden) von großer Bedeutung. Wieland veröffentlichte die meisten seiner Werke fortan zuerst dort, so auch 1774-80 den geistreich-satirischen Narrenroman "Die Abderiten. Eine sehr wahrscheinliche Geschichte" (1781 unter dem Titel "Geschichte der Abderiten", 2 Bände), der unter antiker Maske scharfe Zeitkritik am deutschen Spießbürgertum verbirgt. Auch das romantische Heldengedicht "Oberon" wurde zunächst im "Teutschen Merkur" veröffentlicht (1780); in dieser Dichtung, die Goethe als "ein Meisterstück poetischer Kunst" hoch schätzte, vereinigen sich Anmut und Musikalität der Form mit heiter-gelöster Märchenfantasie und einem tiefen Gehalt. Wichtigstes Alterswerk ist der weit ausholende Briefroman "Aristipp und einige seiner Zeitgenossen" (4 Bände, 1800-02), das letzte große Werk der deutschen Aufklärung, das in seiner Stofffülle schon auf den kulturhistorischen Roman des 19. Jahrhunderts weist. Gleichberechtigt neben den eigenen dichterischen Arbeiten und der Herausgebertätigkeit (u.a. "Dschinnistan oder auserlesene Feen- und Geistermährchen", 3 Bände, 1786-89) stehen Wielands bedeutende Übersetzungen. Bereits in Biberach entstand die Prosaübertragung von 22 Stücken Shakespeares ("Theatralische Werke", 8 Bände, 1762-66), die zum literarischen Ruhm Wielands wesentlich beitrug und durch die der englische Dramatiker zum ersten Mal dem deutschen Publikum in großem Umfang zugänglich wurde und damit die ungewöhnlich breite Shakespearerezeption in Deutschland einleitete. Später übersetzte Wieland Horaz und Lukian, der ihn zu eigenen Dialogen anregte: "Dialoge im Elysium" (1780-82) und "Neue Göttergespräche" (1791). Übersetzungen des Aristophanes, Xenophon und Euripides, die den Hauptinhalt der von Wieland gegründeten Zeitschrift "Attisches Museum" (4 Bände, 1796-1803) ausmachten, sowie die Übertragung der Briefe Ciceros schlossen sich an. Ab 1794 arbeitete er an der Ausgabe letzter Hand seiner "Sämmtlichen Werke" (45 Bände, 1794-1811, erschienen bei G.J. Göschen). Wielands eleganter Stil, hintergründiger Humor und überlegene Urteilsfähigkeit haben zur Belebung der deutschen Literatur in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entscheidend beigetragen. Er war es, auf den die lange Zeit Goethe zugeschriebene Prägung des Begriffs von der Weltliteratur zurückgeht (um 1790). Der schnelle Wandel der literarischen und ästhetischen Anschauungen und Wertungen ab etwa 1770 sowie die zum Teil vehementen Anfeindungen führten dazu, dass er schon am Ende des 18.Jahrhunderts mehr und mehr in den Hintergrund trat und nach seinem Tod fast ganz in Vergessenheit geriet. Erst seit den 1950er-Jahren erwachte das Interesse an dem form- und sprachgewandten, geistreichen und liebenswürdigen Autor neu. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2004
Ca. 15.500 Seiten. Blaues Leinen.
[SW: Deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts, Werkausgaben]



