Schwab

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Schwab, Günther: Wer die Heimat liebt. Das heilige Erbe. Roman nach dem gleichnamigen Superscope-Farbfilm. München/Bonn/Wien, Bayerischer Landwirtschaftsverlag, 1957.
Sehr guter Zustand. - Günther Schwab (* 7. Oktober 1904 in Prag; 12. April 2006 in Salzburg) war ein österreichischer Schriftsteller. Schwab tat sich besonders als Erzähler und Essayist, aber auch als Drehbuch- und Hörspielautor hervor. Der zeitweise in Niederösterreich und der Steiermark in Pusterwald als Forstverwalter tätige Autor setzte sich in seinen Büchern schon früh für den aktiven Umweltschutz ein (z. B. Der Tanz mit dem Teufel, 1959). Leben und Wirken: Nach dem 1. Weltkrieg siedelte Schwabs Familie nach Wien um, wo Schwab seine Liebe zur Natur entdeckte. Hier wurde er Mitglied der NSDAP und der SA, letzter Rang Sturmführer, seit 1930. 1949 gründete der Autor die Zeitschrift Glücklicher Leben - der stille Weg, eine "unparteiliche, überkonfessionelle und internationale Zeitschrift zum Lebensschutz", die später zum Organ des Weltbundes zum Schutze des Lebens (WSL) wurde, den Schwab 1960 in Salzburg gründete. Günther Schwabs Weltbund, dem er als Präsident vorstand, sowie der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Lebensschutz wurden von verschiedenen Seiten Rassismus vorgeworfen. Besonders problematisch war, dass Schwabs Roman Abenteuer am Strom eine überarbeitete Neuauflage des bereits 1935 erschienen Werks Mensch ohne Volk war. Dieses Buch erschien damals im Franz-Eher-Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP. Das Buch weist in der 1. Auflage eindeutig völkische Tendenzen auf, die in der Neuausgabe teilweise getilgt wurden. Im Lebensschutz-Verlag in Baden-Baden erschien der Roman 1982 im 201.-203. Tausend. Zu Schwabs bekanntesten Werken gehören neben Abenteuer am Strom, die Romane Der Tanz mit dem Teufel und der zu seinen Jugendbüchern zählende Hunderoman Sieben Dackel und Marisa, aber auch Der Förster vom Silberwald. Dieses Buch wurde 1956 im Gefolge des 1954 gedrehten gleichnamigen Heimatfilms veröffentlicht. Schwab war bereits am Drehbuch des ursprünglich Echo der Berge genannten Films beteiligt gewesen. Mit dem Roman "Die Leute von Aurali" hat Günther Schwab vielleicht das reifste seiner Werke geschrieben. Das abgeschiedene Hochgebirgstal von Aurali (Pusterwald) ist letzter Zufluchtsort für jene Existenzen, die sonst keinen Platz auf der Welt mehr haben: Kein Außenstehender darf in diese verworrene Gemeinschaft eindringen, die jeden fremden Einfluss - und sei es auch mit Gewalt - von sich fernzuhalten sucht. Die beispiellose Härte des Daseins, brutaler Egoismus und Missgunst haben in den Menschen hier beinah jeglichen Sinn für das Gute abgetötet. 1954 erhielt Günther Schwab das Ehrenzeichen "Gold" des Naturschutzbunds Österreich, und 1980 den Kulturpreis der Stadt Salzburg. 2004 überreichte der Zweite Landtagspräsident Michael Neureiter (ÖVP) ihm anlässlich seines 100. Geburtstages das vom Bundespräsidenten verliehene Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und den persönlichen Ehrenbecher von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ). Günther Schwab verstarb am 12. April 2006 im Alter von 101 Jahren in Salzburg. ... Aus: wikipedia-G%C3%BCnther_Schwab

Erstausgabe. 176 Seiten mit 88 Fotos auf Tafeln, davon 40 farbig und einem Titelbild. 22,5 cm. Leinen mit geprägter Deckelvignette und goldgeprägten Rückentiteln.

[SW: Deutsche Literatur der 50er Jahre, Bavarica, Kunst 20. Jahrhundert, Filmregisseure, Illustrationen, Filmdrehbücher, Illustrierte Ausgaben, Filmbuch, Tierwelt, Filmgeschichte, Berge, Filmemacher, Filmkunst, Heimatromane, Filmromane, Jagd, Heimatgeschichte, Film, Filmliteratur, Tiergeschichten, Kino, Illustrierte Bücher, Tiere, Deutsche Literatur der fünfziger Jahre, Alpen / Geschichte, Alpenländer, Bergbauern, Heimat, Bergdorf, Jagen, Jagdliteratur, Heimweh, Heimatgefühl, Heimatfilm, Natur, Bayern]

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Schwab, Gustav: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums. Zweiter Band. Bearbeitet und herausgegeben von Nicolaus Henningsen. Mit zahlreichen Illustrationen von Slevogt, Flaxman, Corinth u.a.. Hermann Schaffstein Keine Auflagenangabe Ohne Jahresangabe (um 1920) Köln
302S. 8°

Leinen Fadengehefteter, goldgeprägter Ganzleineneinband mit geprägter Vorderdeckelvignette und illustriertem Schutzumschlag. Der Umschlag leicht knickig, angerändert, vereinzelt fleckig bzw. mit kleinen Randeinrissen, die Schnitte (v.a. Kopfschnitt) stockfleckig, im Inneren mit Ausnahme des allg. gewellten Papiers guter bis sehr guter Zustand. Gesamterhaltung 2-3. Gesetzt in Fraktur. Gustav (Benjamin) Schwab (* 19. Juni 1792 in Stuttgart; 4. November 1850 ebd.) war ein deutscher Pfarrer, Gymnasialprofessor und Schriftsteller, der zur Schwäbischen Dichterschule gerechnet wird. Mit seinen Sagen des klassischen Altertums (1838-1840) hat er einen Klassiker der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur geschaffen. Gustav Schwab wurde als Sohn des Geheimen Hofrats Johann Christoph Schwab, der zeitweilig Professor an der Hohen Karlsschule war, und seiner Frau Friederike, Tochter eines angesehenen Stuttgarter Kaufmanns und Nichte von Johann Heinrich Dannecker, geboren. Schwab wuchs in der evangelisch-humanistischen Atmosphäre des schwäbischen Bildungsbürgertums auf. Er besuchte das Stuttgarter Gymnasium und studierte ab 1809 als Stipendiat des Evangelischen Stifts in Tübingen an der dortigen Eberhard Karls Universität zunächst zwei Jahre Philologie und Philosophie, später dann Theologie. Im Dezember 1817 erhielt er eine Professur für alte Sprachen am oberen Gymnasium (dem heutigen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium) in Stuttgart. Einige Monate später heiratete er Sophie Gmelin, die Tochter eines Juraprofessors. Ab 1825 wirkte er zwanzig Jahre lang an den bei F. A. Brockhaus Leipzig erscheinenden Blättern für literarische Unterhaltung mit und trat Anfang 1828 in die Redaktion des traditionsreichen Verlages von Johann Friedrich Cotta ein, der das Morgenblatt für gebildete Stände verlegte. Mit dieser literarischen Schlüsselposition wurde er zu einem Mäzen für jüngere Autoren: Er förderte die schwäbischen Autoren Wilhelm Waiblinger, Alexander von Württemberg, Gustav Pfizer, Hermann Kurz, Eduard Mörike und Wilhelm Hauff - und auch nicht-schwäbische Autoren wie August von Platen, Nikolaus Lenau, Anastasius Grün und Ferdinand Freiligrath konnten sich seiner Unterstützung erfreuen. 1837 übernahm er das Pfarramt im Dorf Gomaringen am Fuß der Schwäbischen Alb und das Predigen wurde ihm, neben dem Lehren, eine seiner Lieblingstätigkeiten. Mit einem in Gomaringen abgefassten Werk ist Schwab für viele Generationen von Kindern und Jugendlichen zu dem Vermittler der griechisch-römischen Sagen- und Götterwelt geworden. Er hat die großen Epen der Antike von 1838 bis 1840 aus Originaltexten zusammengetragen, ins Deutsche übersetzt und mit großem pädagogischen Impetus nacherzählt, Kürzungen und Milderungen der grausamen und erotischen Passagen vorgenommen. Die Sagen des klassischen Altertums in drei Bänden haben, obgleich vorrangig an Jugendliche gerichtet, bis heute die Rezeption der griechischen und römischen Mythologie im deutschsprachigen Raum auch bei Erwachsenen stark beeinflusst. Er starb am 4. November 1850 in Stuttgart an fehlerhafter ärztlicher Behandlung. Dass Schwab nicht frei von Ressentiments war, zeigt sich in folgender Mitteilung an seinen lebenslangen Freund, den Theologen Carl Christian Ullmann: "Sammlung und Volkssagen habe ich mit Liebe gemacht; es freut mich, wenn sie wieder Liebe finden. Könnte ich mich doch in diesen bösen Zeiten, wo das Junge Deutschland den Frevel der Verwüstung aufpflanzen wollte und, auch verfolgt, noch einschwärzt, mich ganz ins Wunderland der Poesie aus der verfluchten und verruchten Tagesliteratur, wo der Judaismus, mit allen ekelhaften Lastern, Lüge, Prahlerei und Feigheit, Schmeichelei und Verleumdung herrscht, herausretten." Schwab wird als Angehöriger der Schwäbischen Dichterschule angesehen, sein Gedicht Der Reiter und der Bodensee gehört zu den bekannteren deutschen Gedichten. 1841 erhielt er das Stadtpfarramt von St. Leonhard in Stuttgart, 1842 wurde er Dekan und 1845 Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg. 1847 wurde er mit dem Ehrendoktor der Theologie der Universität Tübingen ausgezeichnet. Schwabs Geburtshaus in der Stuttgarter Königstraße 51 ist zerstört. Eine Büste Schwabs befindet sich am Haus Hasenbergsteige 22 über dem Schwabtunnel der nach ihm benannten Schwabstraße im Stuttgarter Westen, ein Gedenkstein steht an der Uferpromenade in Friedrichshafen. Sein Grab liegt auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof, wie auch das von Wilhelm Hauff.

[SW: Sagen | Sagen des Altertums | Illustrierte Bücher | Gustav Schwab]

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Schwab, Gustav: Sagen des klassischen Altertums. Erster Band. Insel-Verlag Keine Auflagenangabe 1909 Leipzig
516S. 8°

Halbleder Fadengehefteter, privater Halbleder-Handeinband mit Lederecken, vier Schmuckbünden, grünen Titellederrückenschildern, marmorierten Hartkartondeckeln, Farbkopfschnitt, farbigen Vorsätzen und Lesebändchen. Der Rücken mit ein Zentimeter breiter Fehlstelle des oberen Randes, Riss mit Textverlust des unteren Titelschilds, sowie kleiner Fehlstelle des unteren Randes, Einband leicht berieben, die unteren Ecken teils durchgerieben, die ersten Seiten mit leichtem Längsknick, einige Seiten in der Mitte mit Wasserrand bzw. wellig am unteren Seitenrand, ansonsten im Inneren guter Zustand, Gesamterhaltung dieses schönen Handeinbandes aufgrund der Rückenschädigung lediglich befriedigend. Gesetzt in Fraktur, gedruckt in zwei Farben im Bleisatz. Gustav (Benjamin) Schwab (* 19. Juni 1792 in Stuttgart; 4. November 1850 ebd.) war ein deutscher Pfarrer, Gymnasialprofessor und Schriftsteller, der zur Schwäbischen Dichterschule gerechnet wird. Mit seinen Sagen des klassischen Altertums (1838-1840) hat er einen Klassiker der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur geschaffen. Gustav Schwab wurde als Sohn des Geheimen Hofrats Johann Christoph Schwab, der zeitweilig Professor an der Hohen Karlsschule war, und seiner Frau Friederike, Tochter eines angesehenen Stuttgarter Kaufmanns und Nichte von Johann Heinrich Dannecker, geboren. Schwab wuchs in der evangelisch-humanistischen Atmosphäre des schwäbischen Bildungsbürgertums auf. Er besuchte das Stuttgarter Gymnasium und studierte ab 1809 als Stipendiat des Evangelischen Stifts in Tübingen an der dortigen Eberhard Karls Universität zunächst zwei Jahre Philologie und Philosophie, später dann Theologie. Im Dezember 1817 erhielt er eine Professur für alte Sprachen am oberen Gymnasium (dem heutigen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium) in Stuttgart. Einige Monate später heiratete er Sophie Gmelin, die Tochter eines Juraprofessors. Ab 1825 wirkte er zwanzig Jahre lang an den bei F. A. Brockhaus Leipzig erscheinenden Blättern für literarische Unterhaltung mit und trat Anfang 1828 in die Redaktion des traditionsreichen Verlages von Johann Friedrich Cotta ein, der das Morgenblatt für gebildete Stände verlegte. Mit dieser literarischen Schlüsselposition wurde er zu einem Mäzen für jüngere Autoren: Er förderte die schwäbischen Autoren Wilhelm Waiblinger, Alexander von Württemberg, Gustav Pfizer, Hermann Kurz, Eduard Mörike und Wilhelm Hauff - und auch nicht-schwäbische Autoren wie August von Platen, Nikolaus Lenau, Anastasius Grün und Ferdinand Freiligrath konnten sich seiner Unterstützung erfreuen. 1837 übernahm er das Pfarramt im Dorf Gomaringen am Fuß der Schwäbischen Alb und das Predigen wurde ihm, neben dem Lehren, eine seiner Lieblingstätigkeiten. Mit einem in Gomaringen abgefassten Werk ist Schwab für viele Generationen von Kindern und Jugendlichen zu dem Vermittler der griechisch-römischen Sagen- und Götterwelt geworden. Er hat die großen Epen der Antike von 1838 bis 1840 aus Originaltexten zusammengetragen, ins Deutsche übersetzt und mit großem pädagogischen Impetus nacherzählt, Kürzungen und Milderungen der grausamen und erotischen Passagen vorgenommen. Die Sagen des klassischen Altertums in drei Bänden haben, obgleich vorrangig an Jugendliche gerichtet, bis heute die Rezeption der griechischen und römischen Mythologie im deutschsprachigen Raum auch bei Erwachsenen stark beeinflusst. Er starb am 4. November 1850 in Stuttgart an fehlerhafter ärztlicher Behandlung. Dass Schwab nicht frei von Ressentiments war, zeigt sich in folgender Mitteilung an seinen lebenslangen Freund, den Theologen Carl Christian Ullmann: "Sammlung und Volkssagen habe ich mit Liebe gemacht; es freut mich, wenn sie wieder Liebe finden. Könnte ich mich doch in diesen bösen Zeiten, wo das Junge Deutschland den Frevel der Verwüstung aufpflanzen wollte und, auch verfolgt, noch einschwärzt, mich ganz ins Wunderland der Poesie aus der verfluchten und verruchten Tagesliteratur, wo der Judaismus, mit allen ekelhaften Lastern, Lüge, Prahlerei und Feigheit, Schmeichelei und Verleumdung herrscht, herausretten." Schwab wird als Angehöriger der Schwäbischen Dichterschule angesehen, sein Gedicht Der Reiter und der Bodensee gehört zu den bekannteren deutschen Gedichten. 1841 erhielt er das Stadtpfarramt von St. Leonhard in Stuttgart, 1842 wurde er Dekan und 1845 Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg. 1847 wurde er mit dem Ehrendoktor der Theologie der Universität Tübingen ausgezeichnet. Schwabs Geburtshaus in der Stuttgarter Königstraße 51 ist zerstört. Eine Büste Schwabs befindet sich am Haus Hasenbergsteige 22 über dem Schwabtunnel der nach ihm benannten Schwabstraße im Stuttgarter Westen, ein Gedenkstein steht an der Uferpromenade in Friedrichshafen. Sein Grab liegt auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof, wie auch das von Wilhelm Hauff.

[SW: Sagen | Sagen des Altertums | Gustav Schwab | Handeinbände]

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Reuchlin, Johannes - Schwab, Hans-Rüdiger. Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Ein biographisches Lesebuch von Hans-Rüdiger Schwab. München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1998.
Hans-Rüdiger Schwab versteht sein verdienstvolles "biographisches Lesebuch" als "lebensgeschichtliche Erzählung" der Biographie Reuchlins (1455-1522). Eingestreut in die Biographie sind zahlreiche, z.T. sehr ausführliche Texte aus Werken und Briefen von Reuchlin, die in durchgesehener Übersetzung und leicht lesbarer Form dargeboten werden. Das Drama "Henno" wird in der Bearbeitung von Hans Sachs wiedergegeben; der "Ratschlag, ob man den Juden alle ihre Bücher nehmen, abtun und verbrennen soll", nach dem Druck im "Augenspiegel" von 1511. Das zentrale Dokument des sog. "Judenbücherstreites", vor 500 Jahren erschienen, liegt in diesem Lesebuch in seinem wesentlichen Kern vor: "Ratschlag", d.h. Gutachten. - Reuchlin, "Deutschlands erster Humanist", von Beruf Jurist und Philologe, beherrschte die lateinische, die griechische und - als einer der ersten christlichen Gelehrten - die hebräische Sprache. Als solcher wurde er um ein Gutachten für den Kaiser gebeten, als ein zum Christentum konvertierter Jude namens Pfefferkorn in seinem Übereifer dafür eintrat, die Schriften der Juden mit Ausnahme der biblischen zu konfiszieren und zu vernichten. Reuchlin ist diesem Ansinnen mit der ganzen Autorität seines Amtes und seiner Gelehrsamkeit entgegengetreten. Als Hebraist und Judaist weiß er im Unterschied zu vielen seiner Gegener, wovon er redet. Aus seiner Kenntnis des jüdischen Schrifttums vermag er es in seinen unterschiedlichen Formen zu klassifizieren und zu würdigen. Vehement lehnt er Büchervernichtung und Bücherverbrennung ab. - Zu Reuchlin vgl. ADB 28,785-799 und Max Brod, Johannes Reuchlin und sein Kampf, Stuttgart 1965, Seite 178-270. Ludwig Geiger schreibt in der ADB: "Dieser Reuchlin'sche Streit ist weltbedeutend geworden" (aaO, 794); und er nennt das Gutachten Reuchlins, das den Kern des Augenspiegels bildet, ein "höchst bedeutsames Dokument in der Geschichte der deutschen Aufklärung" (aaO, 794). Zur zeitgenössischen Rezeption notiert Geiger: "... man kann ohne Übertreibung sagen, daß es in der Zeit von 1510 bis 1517 kaum einen Humanistenbrief gibt, in welchem nicht der Reuchlin'schen Angelegenheit und zwar in enthusiastischer Weise für den Führer der Bewegung gedacht wird" (aaO, 797). - Der Augenspiegel "war ein Fanal im Kampf der Geister zu Beginn der Neuzeit. ... Ein in Köln zum Christentum übergetretener Jude namens Johannes Pfefferkorn hatte in seinem Bekehrungseifer die Juden in mehreren Schriften heftig angegriffen ... und die Forderung erhoben, die Juden sollten alle gegen den christlichen Glauben gerichteten Bücher zur Vernichtung abliefern. ... Am 6. Juli 1510 erlangte Pfefferkorn vom Kaiser eine ... Verfügung ..., nach welcher er von den Universitäten Mainz, Köln, Erfurt, Heidelberg und einigen Sachverständigen Gutachten darüber einholen sollte. Unter diesen Sachverständigen wurde auch der schwäbische Bundesrichter und erste Hebraist Deutschlands, Johannes Reuchlin, aufgefordert" (Josef Benzing). "Das einzige abweichende Gutachten - er hatte es am 6. Oktober [1510] fertiggestellt - stammte von Reuchlin. Von der als verschwindend gering deduzierten Ausnahme betont antichristlicher Schmähschriften abgesehen (die er noch einmal von zulässigen Polemiken unterscheidet) bestreitet er jede Legitimität, gegen die Texte der jüdischen Überlieferung einzuschreiten. Maßgeblich ist für ihn dabei eine juristische Ableitung mit durchaus eigenständigen Akzenten. ... In seinem vertraulichen Ratschlag an den Kaiser ... verabschiedet er damit jenen Diskurs, der die Juden als rechtlose Herrschaftssubjekte definierte. Seine Formel wäre im Gegenteil dazu geeignet gewesen, jene Koexistenz-Grundlage zu gewährleisten, die aktuell bestritten wurde. ... Die juristische Strategie verbindet sich mit einer theologisch-philosophischen Gedankenführung, die durch eine Fülle gelehrter Zitate aus Schrift und Tradition unterfüttert ist. Wie die Kirche, zählt für ihn auch das Judentum - beide werden jeweils als >secta<, also Religionspartei bezeichnet -, das gleichfalls eine Stellung im Heilsplan Gottes einnimmt, zur europäischen Geisteswelt. Zudem enthalte die jüdische Literatur wertvolle Zeugnisse, deren symbolischer Sinn auf den christlichen Glauben verweise und damit sogar als Argumente einer Kontroverstheologie geeignet seien, von der er möchte, daß sie ihre Überlegenheit allein in einer offenen Diskussion demonstriere. Reuchlin hält es also für angebrachter, sich mit diesen Schriften zu beschäftigen, statt sie zu vernichten. Deshalb verteidigt er nicht nur den ungehinderten Zugang zu ihnen, sondern fordert sogar die institutionalisierte Ausweitung hebräischer Studien" (Hans-Rüdiger Schwab, Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist, Ein biographisches Lesebuch, München 1998, 130f). Nachdem Pfefferkorn die Angelegenheit durch seinen 1510 publizierten "Handspiegel" in die Öffentlichkeit brachte, veröffentlichte Reuchlin seinen "Augenspiegel", "der ohne Druckvermerk bei Thomas Anshelm im August-September 1511 zu Tübingen herauskam. Darin brachte er sein Gutachten (Ratschlag, ob man den Juden alle ihre Bücher nehmen, abthun und verbrennen soll) und andere Urkunden zum Streit im vollen Wortlaut zum Abdruck, berichtete über den seitherigen Verlauf der Angelegenheit und deckte 34 Unwahrheiten seines Gegners auf" (Josef Benzing). Der Kampf, der jetzt erst recht entbrannte und der für Reuchlins Existenz bis zu seinem Tod 1522 prägend blieb, spaltete Deutschland in zwei Lager; an ihm nahmen die Gelehrten von fast ganz Europa Anteil; ein späteres Dokument, in dem sich dieser Streit spiegelt, sind u.a. die "Dunkelmännerbriefe". - Zwei Zitate aus dem Augenspiegel seien herausgegriffen, um beispielhaft den Geist, den diese Schrift atmet, zu beleuchten. Im Anschluß an Aristoteles sagt Reuchlin, "ein Weiser solle zwei Eigenschaften haben: Er soll die Wahrheit sagen, und er soll imstande sein, der Unwahrheit entgegenzutreten. Und nicht, daß er in Zorn gerate und die Schriften verbrenne, wenn er nicht genug gelernt hat, um sie mit Vernunftgründen in Predigt oder Disputation zurechtzuweisen. Man spricht ja von Biertisch[Original: bachante]-Argumenten, wenn einer so ungebildet ist, daß er mit der Faust dreinschlagen will, wenn er zu etwas nichts mehr zu sagen weiß. ... Nun muß jemand doch zum mindesten die Sprache des Talmud verstehen, wenn er behaupten will, dieser sei falsch oder in beleidigender Absicht gegen uns Christen gerichtet" (zitiert nach der modernisierten Fassung bei: Hans-Rüdiger Schwab, aaO, 139). Gegen Ende des Gutachtens plädiert Reuchlin dafür: "Denn wenn die Juden Frieden halten, dann soll man auch sie in Frieden lassen. Dies alles geschieht darum, daß sie nicht sagen können, wir wollten sie zu unserem Glauben drängen oder nötigen. Über diesen Punkt schreibt der heilige Apostel Paulus (1 Thess 4[,10-12]): >Wir bitten Euch, liebe Brüder, daß ihr Ruhe haltet und daß ihr ehrlich vorgeht gegen jene, die außen stehen, und daß ihr nichts von einem anderen begehrt.< Das heißt, wir sollen die, welche nicht Christen sind, ungekränkt lassen und nichts von dem ihrigen begehren. Darum sollen wir ihre Kinder nicht ohne ihre [= der Eltern] Einwilligung taufen. Das halten auch die Lehrer der Heiligen Schrift aufrecht ... Daraus darf entnommen werden, daß man ihnen auch ihre Bücher nicht gegen ihren Willen wegnehmen darf, denn Bücher sind manchen so lieb wie Kinder. Man gebraucht ja von den Dichtern die Redensart, daß sie die Bücher, die sie verfaßt haben, als ihre Kinder betrachten" (zitiert nach Schwab, aaO, 172f). Demgemäß ist sachlich fundiert, Reuchlin einen "tapferen Streiter gegen den anti-jüdischen Glaubenseifer fanatischer Zeitgenossen" zu nennen, den es "für die Gegenwart wiederzuentdecken" gilt (Schwab, aaO, Rückseite des Buchumschlags).

8°. 303 Seiten. Kartoniert. Neuwertig und verlagsfrisch. Unbenutztes Exemplar. dtv 12609.

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