Lewitscharoff Blumenberg
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Lewitscharoff, Sibylle: Blumenberg Roman, SUHRKAMP, 091 ISBN: 3518422448
Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle - für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt. "Blumenberg" ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.
NEUBUCH! 2011. 220 S. 206 mm x 130 mm x 25 mm
[SW: Blumenberg, Hans; Roman/Erzählung]
Blumenberg, Hans: Die kopernikanische Wende. Erstausgabe. (= edition suhrkamp 138) Suhrkamp Verlag 1.-10.Tausend 1965 Frankfurt am Main
177S. 8°
Taschenbuch Der Einband berieben an Rücken und Vorderdeckel auch als kleine Abriebe, Rücken etwas leseknickig, Namensstempel und Datum auf Vorsatz, Schnitte und Papier nachgedunkelt, ansonsten guter Zustand. Hans Blumenberg (* 13. Juli 1920 in Lübeck; 28. März 1996 in Altenberge bei Münster) war ein deutscher Philosoph, der viel zu philosophiegeschichtlichen Themenkomplexen beitrug. Hans Blumenberg legte 1939 - als einziger Schüler "mit Auszeichnung" - die Reifeprüfung am Katharineum zu Lübeck ab, durfte jedoch als (katholisch getaufter) "Halbjude" keine reguläre deutsche Hochschule besuchen. Folglich studierte Blumenberg zwischen 1939 und 1941 Philosophie an theologisch-philosophischen Hochschulen in Paderborn und Frankfurt am Main, musste diese jedoch schließlich ebenfalls verlassen. Zurück in Lübeck wurde er zunächst zum Arbeitsdienst eingezogen und arbeitete danach bei der Drägerwerk AG in Lübeck. 1945 wurde er in Zerbst interniert, konnte jedoch auf Initiative Heinrich Drägers freikommen und sich bis Kriegsende bei der Familie seiner späteren Ehefrau Ursula verstecken. Nach 1945 setzte er sein Studium der Philosophie, Germanistik und klassischen Philologie an der Universität Hamburg fort. 1947 wurde Blumenberg mit seiner Dissertation Beiträge zum Problem der Ursprünglichkeit der mittelalterlich-scholastischen Ontologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel promoviert. Hier habilitierte er sich 1950 mit der Studie Die ontologische Distanz. Eine Untersuchung über die Krisis der Phänomenologie Husserls. Sein Lehrer während dieser Zeit war Ludwig Landgrebe. 1958 wurde Blumenberg in Hamburg außerordentlicher Professor für Philosophie und 1960 in Gießen ordentlicher Professor für Philosophie. 1965 wechselte er als ordentlicher Professor für Philosophie nach Bochum und ging im Jahr 1970 an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, wo er 1985 emeritiert wurde. Obwohl er in seiner Münsteraner Zeit eher abgeschieden vom universitären Betrieb lebte und arbeitete, war seine Freitagnachmittagsvorlesung stets ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem weite Teile des intellektuell interessierten Publikums der Stadt anwesend waren. Es wurden dort die Themen behandelt, die in den Werken Blumenbergs ihren Niederschlag fanden. Blumenberg konnte in freier Rede und auf äußerst humorvolle Weise 2500 Jahre Geistesgeschichte unter stets neuen Aspekten und in erregenden historischen Zusammenhängen beleuchten. Blumenberg war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz (seit 1960), des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Mitglied der Senatskommission für Begriffsgeschichte der DFG unter Vorsitz Hans Georg Gadamers und Mitgründer der 1963 ins Leben gerufenen Forschungsgruppe "Poetik und Hermeneutik". Hans Blumenberg hat vier Kinder, darunter die Schriftstellerin und Übersetzerin Bettina Blumenberg. Blumenbergs Werk ist überwiegend historisch ausgerichtet und zeichnet sich durch umfassende philosophische und theologische Bildung und einen ebenso präzisen wie pointierten Stil aus. Die frühe Schrift "Paradigmen zu einer Metaphorologie" verfolgt anhand ausgewählter Beispiele aus der Geistes- und Philosophiegeschichte den Gedanken, dass bestimmte Metaphern (wie etwa die der "'nackten' Wahrheit") als "Grundbestände der philosophischen Sprache" anzusehen sind, die sich nicht durch Begriffe ersetzen und so "ins Eigentliche, in die Logizität zurückholen lassen". Solche "absoluten Metaphern" konstituieren nach Blumenberg eine in ihrer Anschaulichkeit und ihrem Sinngehalt begrifflich nie vollständig einholbare Vorstellung von Wirklichkeit als einem Ganzen, an der sich menschliches Denken und Handeln orientieren kann und muss. Dieser Ansatz wird in folgenden Einzeldarstellungen unter anderem zur Lichtmetaphorik in erkenntnistheoretischen Zusammenhängen, zur Schifffahrt als Metapher für das Dasein ("Schiffbruch mit Zuschauer", 1979) sowie zur Buchmetapher ("Die Lesbarkeit der Welt") weiter ausgeführt. Einen Schwerpunkt der vielfältigen philosophiegeschichtlichen Untersuchungen Blumenbergs bildet die "Epochenschwelle" zwischen Mittelalter und Neuzeit ("Die Legitimität der Neuzeit", "Die Genesis der kopernikanischen Welt"). Aus einer unter anderem von Ernst Cassirer inspirierten funktionalistischen Perspektive auf die Geistes- und Philosophiegeschichte, die mit epochenspezifischen "Umbesetzungen" innerhalb eines formalen Beziehungsgefüges geistiger Gehalte rechnet, wird ein substantialistisches Verständnis historischer Kontinuität zurückgewiesen, wie es beispielsweise dem Säkularisierungstheorem vielfach zu Grunde liegt. Die Neuzeit wird als eine gegenüber Antike und Mittelalter eigenständige Epoche dargestellt, deren Ausbildung unter anderem auf die Notwendigkeit menschlicher Selbstbehauptung angesichts der Zuspitzung des "theologischen Absolutismus" im spätmittelalterlichen Nominalismus zurückzuführen ist und die aus dieser Notwendigkeit heraus die in der griechischen Antike entstandene theoretische Neugier rehabilitiert hat. In späteren Studien ("Arbeit am Mythos", "Höhlenausgänge") profiliert Blumenberg zunehmend den anthropologischen Hintergrund seines Denkens. Dabei ist die an Arnold Gehlen angelehnte Annahme leitend, dass der Mensch als endliches und hinfälliges Mängelwesen bestimmter Hilfsmittel bedarf, um sich angesichts des "Absolutismus der Wirklichkeit" behaupten zu können. Unter diesem Aspekt interpretiert Blumenberg nun Metaphern und Mythen - auf Grund ihrer die Wirklichkeit distanzierenden, in ihr orientierenden und den Menschen so entlastenden Leistungen - als ein funktionales Äquivalent zu Institutionen im Sinne Gehlens. Blumenbergs Theorien sind hauptsächlich von Germanisten und Theologen rezipiert worden. Es geht ihnen um den Begriff der Metapher und um den Gottesbegriff. Bei den Fachphilosophen finden sich wenige Auseinandersetzungen mit Blumenbergs Theorien. Malte Hossenfelder hat Blumenbergs Modell der geisteswissenschaftlichen Entwicklung am Beispiel des Hellenismus kritisiert. Ferdinand Fellmann hat Blumenbergs Legitimierung der Neuzeit anhand des Begriffs "Neugierde" im Vergleich mit dem von Jürgen Habermas eingeführten Begriff "Interesse" beleuchtet. Habermas hat den großen historischen Aufwand für den Oppositionsbegriff "Neuzeit" als überfälliges Erbe Hegels relativiert. Dominant ist dagegen die Rezeption seitens eines breiten Bildungsbürgertums, das zur Ikonisierung Blumenbergs als Dichterphilosoph geführt hat. Sibylle Lewitscharoff konfrontiert in ihrem Roman Blumenberg (2011) eine fiktive Version des Philosophen mit der Illusion eines Löwen.
[SW: Philosophie | Kopernikanismus | Kosmologie | Erstausgabe]
Lewitscharoff, Sibylle: Blumenberg : Roman. Berlin : Suhrkamp, 2011. ISBN: 9783518422441
Neubuch, verlagsfrisch, Rechnung mit ausgewiesener Mwst.; 9783518422441
1. Aufl. 216 S. ; 21 cm Pp.
[SW: Deutsche Literatur, B Belletristik]



