Leu

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BONAPARTE, Louis, 3. Bruder Napoleons (1778-1846), 1806-1810 König von Holland, versuchte die Interessen dieses Landes gegenüber seinem Bruder zu vertreten; Exzentriker, legte 1810 die Regierung nieder und flüchtete nach Graz, wo er unter dem Namen Graf von St.-Leu als Dichter und Historiker lebte; Vater des späteren Kaisers Napoleon III. Eigenhänd. Schriftstück in französischer Sprache mit Unterschrift ("L. de St.-Leu"), 2 Seiten, gr-8 (Doppelblatt), Rom, 4. 9. 1815.
Giovanni Torlonia, Herzog von Bracciano (1754-1829) war Präsident der römischen Handelskammer und ein bedeutender Bankier der Päpste. Aufschlußreiches Dokument zur französischen Geschichte aus dem Besitz des Hamburger Historikers und Diplomaten Joachim Kühn; vgl. dessen Werk "Die Königin Hortense", Stuttgart 1965.

Geheimer Zusatzvertrag (Entwurf?) zum offiziellen Verkauf seiner französischen Güter (Palais in Paris, Schloss und Herrschaft St. Leu), der nur zum Schein erfolgte, um nach der endgültigen Niederlage Napoleons eine Beschlagnahme durch die Bourbonen zu verhindern. "Nous soussignes, Louis napoleon Bonaparte de St. Leu et Jean Torlonia Duc de Bracciano reconnoissons que la vente faite entre nous par acte de ce jour passe par devant le notaire Galesani, des proprietes du M. le comte de St. Leu ... enfaveur de M. le duc de Bracciano est simulee. En consequence le duc de Bracciano s'engage a rendre au comte de St. Leu sur sa premiere demande, ou a lui tenir compte des produits de la vente des dites proprietes consistantes en un hotel meuble situe a Paris ... et la terre et chateau de St. Leu avec ses dependences ... Attendu que le present ecrit prive constatant la simulation de la vente, doit servir de durete et de garantie a l'une et l'autre des parties contractantes allongent appres toutes deux leurs signatures et leurs sceaux, entendent donner au portant acte, fait en double, la meme force et rigeur que s'il etait passe par devant notaire. Fait a Rome le 11 Septembre mille huit cent quinze." - Ohne zweite Unterschrift; gebrochenes Wachssiegel (ungeprägt?).

[SW: Autographen - Geschichte Frankreich Politik]

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Rechtswissenschaft. Strafrecht. Schweiz. Kanton Luzern. Regeneration. Sammelband. [Ammann, Wilhelm (Hsg.)]. Die Akten der Kriminal-Prozedur gegen Jakob Müller von Stechenrain und Mitschuldige wegen Tödtung des Rathsherrn Leu von Ebersol, wörtlich getreu abgedruckt. Zürich, Friedrich Schulthess 1846-1847.
Barth 7540 (unter 'Acten'); SWB Südwestdeutscher BV und ZB Zürich (für den Herausgeber); s. auch die Online-Versionen im BVB. - Untertitel der Einzelhefte : 1. (-) , 1846 / 2. Die Verhöre mit Jakob Müller, dessen Ehefrau und Mutter, 1846 / 3. Zeugenverhöre, 1847 / 4. Spezialverhöre mit Verschiedenen, 1847 / 5. Spezialverhöre, den C. R. Corraggioni betreffend, 1847. - Faltplan 'Situationsplan der Wohnung des Hrn. Grossrath Leu sel. in Unterebersol. 1845. Aufgenommen von J. P. Segesser'. -- Umfangreiche Sammlung der Verhörprotokolle und Aktenbeilagen zum Mordfall Leu, mit Beginn am 20. Juli 1845, morgens 0.30 Uhr, und reichend bis ca. Mitte August 1846. - "Anzeige eines Mordes. In der Nacht vom 19. auf den 20. Heumonat 1/4 [ein Viertel] nach 12 Uhr, wurde Herr Grossrath und Erziehungsrath Joseph Leu von Ebersol in seinem Zimmer meuchlings im Schlafe ermordet. Der Mord geschah mittelst eines Schusses. Der Mörder ist bis jetzt unbekannt." (etc.; Luzernerisches Kantonsblatt 1845, p. 673). -- In den politisch und konfessionell brisanten Zeiten der Regeneration wirkten der Aargauer Klosterstreit und die Bestrebungen Luzerns um die Berufung der Jesuiten an die theologische Anstalt zusätzlich als Katalysator für die Freischarenzüge und die Gründung des Sonderbunds. "In Luzern arbeitete der volkstümliche Josef Leu mit zielbewusstem Fanatismus an der Einführung der Gesellschaft Jesu. [..] Was für eine unselige Verwirrung und Betäubung des allgemeinen Rechtsempfindens die gegenseitige Verhetzung erzeugte, wurde durch den grausigen Totschlag des beliebten Volksmannes Leu offenbar. Die Bluttat war von einem heruntergekommenen Luzerner Freischärler begangen worden, der aus persönlicher Rache und Hoffnung auf Belohnung gehandelt hatte." (E. Bonjour, Geschichte der Schweiz im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, 1937, p. 126 u. 131 f.). - "Die [..] Untersuchung hat den Jakob Müller von Rain, wohnhaft gewesen im Stechenrain, Gmde. Littau, als den Thäter ausgemittelt und das Kriminalgericht, sowie das Obergericht verurtheilten ihn als des Mordes schuldig, zum Tode durch das Schwert, welche Strafe unter'm 31. Jänner verflossenen Jahres an ihm ist vollzogen worden (vide Urtheil des Kriminalgerichts vom 24. und das Bestätigungsurtheil des Obergerichts vom 28. Jänner 1846)." (Luzernerisches Kantonsblatt 1847, p. 370 f.). -- Am 9. Herbstmonat (September) 1845 beschlossen Präsident und Grosser Rat des Kantons Luzern, "dem ausgezeichneten Kriminalisten, Herrn Dr. Ammann aus dem Kanton Thurgau, die Führung dieser Untersuchung mit Einverständniß des Obergerichtes und des Kriminalverhöramtes [..] zu übertragen". (H. 1, p. 165). - Wilhelm Ammann (Frauenfeld 1810-1859 Wil SG), Rechtsanwalt in Frauenfeld, 1838 Verhörrichter und Kantonsrat. "Ammann stand in engsten Beziehungen zu den Häuptern des Sonderbundes [..]. Im Thurgau zurückgetreten, siedelte er ganz nach Luzern über, dessen Regierung ihn zum Verhörrichter berief. Nach erfolgter Niederlage des Sonderbunds floh er 1847 mit seiner Familie nach Mailand." (etc., HBLS 1, 1921, p. 342 f.; zu Ammann vgl. auch Th. Maissen, Vom Sonderbund zum Bundesstaat. Zürich 1998, passim, "vom Thurgauer Verhörrichter Wilhelm Ammann mit politischem Ingrimm betriebene Untersuchung im Mordfall Leu", p. 102, bes. auch p. 122 f.; in ähnlicher Tonlage Kasimir Pfyffer, Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern, 2, Zürich 1852, p. 655: "Aus dem Thurgau war der dasige Verhörrichter Wilhelm Ammann verschrieben worden, um die Aufruhrs-Prozedur zu Ende zu führen. Derselbe stand im Rufe, ein äusserst gewaltthätiges Untersuchungsverfahren zu üben. Ihm wurde jetzt auch die Führung des Prozesses wegen der Tödung des Joseph Leu übertragen."[etc.]). Als etwas merkwürdige Parallele zu einem rund 20 Jahre früher durchgeführten Gerichtsverfahren, nämlich dem sog. Kellerprozess, wurden auch hier zwei Persönlichkeiten aus dem liberalen Lager mit Namen Pfyffer (hier: Kasimir) und Corragioni (Hauptmann Karl Rudolf) zu Unrecht verdächtigt (vgl. Maissen loc. cit. p. 102 u. p. 122).

5 Hefte in 1 Band (cpl.). 8°. 1 Bl., 166; 1 Bl., 167-324; 1 Bl., 112; 1 Bl. 152; 1 Bl. 153-359 SS. 1 lithogr. Faltplan (hinterlegter Bugfalteneinriss). Einfacher HLn.-Sammel-Einband d.Zt. (Rückenbezug laienhaft jedoch sauber erg.) mit hs. Papierrückenschild. Seiten unterschiedlich (stock-) fleckig und etwas gebräunt, gelegentlich marginale Feuchtigkeitsspuren. Alters-, Lagerungs- und etwas Gebrauchsspuren, Besitzerstempel a. fl.Bl. Gesamthaft recht ordentliches Exemplar.

[SW: Historische Jurisprudenz. Rechtswesen. Justiz. Historisches Justizwesen. Justizmethoden. Recht. Rechtsanwendung. Angewandtes Gesetz. Ermittlung. Strafverfolgung. Strafgesetz. Strafrecht. Strafrechtspraxis. Prozess. Prozesse. Prozessrecht. Strafprozess. Strafprozesse. Strafgericht. Strafrechtsfälle. Kriminalfälle. Mord. Totschlag. Mordfall. Politische Mordfälle. Mörder. Mordprozess. Verbrechen. Verbrecher. Täter. Täterschaft. Gericht. Gerichtshof. Strafgerichtshof. Urteil. Gerichtsurteil. Strafgerichtsurteil. Todesurteil. Vollstreckung. Urteilsvollstreckung. Exekution. Hinrichtung. Enthauptung. Enthaupten. Schweizer Luzerner Geschichte. Politik. Liberale radikale freisinnige Politiker. Regenerationszeit. Rechtsgeschichte. Rechtskultur. Rechtsbasis. Rechtsstaatliche Normen. Rechtsnormen. Moral. Ethik. Rechtsmoral. Rechtsethik. Rechtsgrundsätze. Sozialgeschichte.]

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Rechtswissenschaft. Strafrecht. Schweiz. Kanton Luzern. Regeneration. [Ammann, Wilhelm (Hsg.)]. Die Akten der Kriminal-Prozedur gegen Jakob Müller von Stechenrain und Mitschuldige wegen Tödtung des Rathsherrn Leu von Ebersol, wörtlich getreu abgedruckt. Erstes Heft. Zürich, Friedrich Schulthess 1846.
Barth 7540 (unter 'Acten', für alle Hefte); SWB Südwestdeutscher BV (für den Herausgeber); VK GBV (mit den Nebentiteln der Einzelhefte); s. auch die Online-Versionen im BVB. - Heft 1 der in fünf separaten Lieferungen erschienene Verhörprotokolle und Aktenbeilagen zum Mordfall Leu; hier die Dokumentation vom 20. Juli 1845, Morgens halb 2 Uhr bis 9. September ('Herbstmonat') 1845. Faltplan 'Situationsplan der Wohnung des Hrn. Grossrath Leu sel. in Unterebersol. 1845. Aufgenommen von J. P. Segesser'. - "Anzeige eines Mordes. In der Nacht vom 19. auf den 20. Heumonat 1/4 nach 12 Uhr, wurde Herr Grossrath und Erziehungsrath Joseph Leu von Ebersol in seinem Zimmer meuchlings im Schlafe ermordet. Der Mord geschah mittelst eines Schusses. Der Mörder ist bis jetzt unbekannt." (etc. Luzernerisches Kantonsblatt 1845, p. 673). -- In den politisch und konfessionell brisanten Zeiten der Regeneration wirkten der Aargauer Klosterstreit und die Bestrebungen Luzerns um die Berufung der Jesuiten an die theologische Anstalt zusätzlich als Katalysator für die Freischarenzüge und die Gründung des Sonderbunds. "In Luzern arbeitete der volkstümliche Josef Leu mit zielbewusstem Fanatismus an der Einführung der Gesellschaft Jesu. [..] Was für eine unselige Verwirrung und Betäubung des allgemeinen Rechtsempfindens die gegenseitige Verhetzung erzeugte, wurde durch den grausigen Totschlag des beliebten Volksmannes Leu offenbar. Die Bluttat war von einem heruntergekommenen Luzerner Freischärler begangen worden, der aus persönlicher Rache und Hoffnung auf Belohnung gehandelt hatte." (E. Bonjour, Geschichte der Schweiz im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, 1937, p. 126 u. 131 f.). - "Die [..] Untersuchung hat den Jakob Müller von Rain, wohnhaft gewesen im Stechenrain, Gmde. Littau, als den Thäter ausgemittelt und das Kriminalgericht, sowie das Obergericht verurtheilten ihn als des Mordes schuldig, zum Tode durch das Schwert, welche Strafe unter'm 31. Jänner verflossenen Jahres an ihm ist vollzogen worden (vide Urtheil des Kriminalgerichts vom 24. und das Bestätigungsurtheil des Obergerichts vom 28. Jänner 1846)." (Luzernerisches Kantonsblatt 1847, p. 370 f.). -- Am 9. Herbstmonat (September) 1845 beschlossen Präsident und Grosser Rat des Kantons Luzern, "dem ausgezeichneten Kriminalisten, Herrn Dr. Ammann aus dem Kanton Thurgau, die Führung dieser Untersuchung mit Einverständniß des Obergerichtes und des Kriminalverhöramtes [..] zu übertragen". (p. 165). - Wilhelm Ammann (Frauenfeld 1810-1859 Wil SG), Rechtsanwalt in Frauenfeld, 1838 Verhörrichter und Kantonsrat. "Ammann stand in engsten Beziehungen zu den Häuptern des Sonderbundes [..]. Im Thurgau zurückgetreten, siedelte er ganz nach Luzern über, dessen Regierung ihn zum Verhörrichter berief. Nach erfolgter Niederlage des Sonderbunds floh er 1847 mit seiner Familie nach Mailand." (etc., HBLS 1, 1921, p. 342 f.; zu Ammann vgl. auch Th. Maissen, Vom Sonderbund zum Bundesstaat. Zürich 1998, passim, "vom Thurgauer Verhörrichter Wilhelm Ammann mit politischem Ingrimm betriebene Untersuchung im Mordfall Leu", p. 102, bes. auch p. 122 f.; in ähnlicher Tonlage Kasimir Pfyffer, Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern, 2, Zürich 1852, p. 655: "Aus dem Thurgau war der dasige Verhörrichter Wilhelm Ammann verschrieben worden, um die Aufruhrs-Prozedur zu Ende zu führen. Derselbe stand im Rufe, ein äusserst gewaltthätiges Untersuchungsverfahren zu üben. Ihm wurde jetzt auch die Führung des Prozesses wegen der Tödung des Joseph Leu übertragen."[etc.]). Als etwas merkwürdige Parallele zu einem rund 20 Jahre früher durchgeführten Gerichtsverfahren, nämlich dem sog. Kellerprozess, wurden auch hier zwei Persönlichkeiten aus dem liberalen Lager mit Namen Pfyffer (hier: Kasimir) und Corragioni (Hauptmann Karl Rudolf) zu Unrecht verdächtigt (vgl. Maissen loc. cit. p. 102 u. p. 122).

Heft 1 (v. 5). 8°. 1 Bl., 166 SS. 1 lithogr. Faltplan i. Anhang (sauber und unversehrt). O(Interims-) Brosch. (etwas knittrig, Vorderdeckel etwas angestaubt und fleckig, Rücken älter mit Büttenstreifen erg.). Seitenränder unbeschnitten (etwas gebräunt und stellenweise etwas fleckig) und teilw. unaufgeschnitten, untere Aussenecke unterschiedlich feuchtigkeitsfleckig (ausserhalb Text). Alters-, Lagerungs- u. Dislokations-, kaum eigentliche Gebrauchsspuren. Gesamthaft recht ordentliches Exemplar.

[SW: Historische Jurisprudenz. Rechtswesen. Justiz. Historisches Justizwesen. Justizmethoden. Recht. Rechtsanwendung. Angewandtes Gesetz. Ermittlung. Strafverfolgung. Strafgesetz. Strafrecht. Strafrechtspraxis. Prozess. Prozesse. Prozessrecht. Strafprozess. Strafprozesse. Strafgericht. Strafrechtsfälle. Kriminalfälle. Mord. Totschlag. Mordfall. Politische Mordfälle. Mörder. Mordprozess. Verbrechen. Verbrecher. Täter. Täterschaft. Gericht. Gerichtshof. Strafgerichtshof. Urteil. Gerichtsurteil. Strafgerichtsurteil. Todesurteil. Vollstreckung. Urteilsvollstreckung. Exekution. Hinrichtung. Enthauptung. Enthaupten. Schweizer Luzerner Geschichte. Politik. Liberale radikale freisinnige Politiker. Regenerationszeit. Rechtsgeschichte. Rechtskultur. Rechtsbasis. Rechtsstaatliche Normen. Rechtsnormen. Moral. Ethik. Rechtsmoral. Rechtsethik. Rechtsgrundsätze. Sozialgeschichte.]

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Geschichte. Schweiz. Sonderbund. Personengeschichte. Siegwart-Müller, Constantin [Konstantin]. 1. Der Kampf zwischen Recht und Gewalt in der Schweizerischen Eidgenossenschaft und mein Antheil daran / 2. Rathsherr Joseph Leu von Ebersoll. Der Kampf zwischen Recht und Gewalt in der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Mit dem wohlgetroffenen Bildniss des Rathsherrn Joseph Leu sel. von Ebersoll / 3. Der Sieg der Gewalt über das Recht in der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Altdorf, Im Selbstverlage des Verfassers 1864, 1863 und 1866.
Barth 7986, 14163, 7988. - Bedeutende zeitgenössische Darstellung und damit gedruckte Quelle mit Ereignisschilderungen aus Sicht eines massgeblich aktiv beteiligten konservativen Politikers und Intellektuellen. - "Das neuere historische Schrifttum der Schweiz ist arm an Denkwürdigkeiten. [..] Nur in Zeiten starker innerer Erregung, wenn der Schweizer von den Vorgängen um ihn herum tief aufgewühlt wurde, löste sich seine Zunge oder griff er zur Feder [..]. Eine solche Epoche war die der Reformation und [..] auch das Zeitalter der Sonderbundswirren." (E. Bonjour, Das Schicksal des Sonderbundes in zeitgenössischer Darstellung, 1947, p. 7). Im Urteil von Edgar Bonjour hat Siegwart-Müller "zur historiographischen Erhellung der inneren und äusseren Vorgänge in der Sonderbundszeit [..] ausserordentlich viel beigetragen. [..] Der historische Wert des Werkes wird dadurch erhöht, dass der Autor eine Menge von Urkunden wörtlich zum Abdruck bringt." (op. cit. p. 43 f.; positive und ausführliche Würdigung des dreibändigen Werkes s. pp. 43-50). -- Konstantin Siegwart-Müller (Lodrino TI 1801-1869 Altdorf UR), Staatschreiber von Luzern 1834, Redaktor und Politiker, trennte sich Ende der 1830 Jahre von der liberalen Partei und trat an der Seite von Josef Leu von Ebersol zur konservativen über; 1839 als Staatsschreiber abgesetzt. Wieder Grossrat 1841, dann Regierungsrat im konservativen Regiment. Seit 1844 war Siegwart Präsident des Kleinen Rates und führte damit den Titel 'Schultheiss', gleichzeitig war er in diesem Jahr auch Präsident der Tagsatzung. 1845 Vorsitzender des Kriegsrates für den Sonderbund. Die Niederlage des Sonderbundes 1847 zertrümmerte Siegwarts politisches Gebäude. "Er floh ins Wallis, dann in die Lombardei, von dort nach Innsbruck, wo er in einer 'Denkschrift' mit dem Sonderbunde abrechnete, schliesslich nach Rappoltsweiler, Strassburg und Köln; kehrte 1857 in die Heimat zurück und lebte bis zu seinem Tode (13. I. 1869) in Altdorf, wo er 1863-1866 seine Memoiren veröffentlichte" (HBLS, Titel einzeln mit Erscheinungsdatum erwähnt). - "1845-1847 präsidierte er den konservativen Ruswiler Verein. Als dominierender konservativer Politiker in Kanton und Bund, Initiant und Kriegsratspräsident des Sonderbunds verfolgte Siegwart in den strittigen Fragen der 1840er Jahre (Aargauer Klosterfrage, Jesuiten, Sonderbund) eine Politik der Konfrontation mit den Liberalen. Sein Ziel war eine dualistische Neuordnung der Schweiz in zwei konfessionellen Blöcken mit katholischer Vormacht. Dabei vertraute er auf die Unterstützung der europäischen Mächte. Als Kriegsratspräsident der sieben Sonderbundskantone zeigte er kein militärisches Geschick. Als die Einnahme der Stadt Luzern bevorstand, setzte sich Siegwart mit dem Kriegsrat und der Luzerner Regierung nach Uri ab und floh dann über das Wallis nach Mailand. Später hielt er sich in Österreich, im Elsass und in Deutschland auf. Luzern strengte einen Landesverratsprozess gegen ihn an und forderte Kontributionen. Da dies eine Rückkehr nach Luzern ausschloss, liess Siegwart sich 1857 in Uri nieder, wo er seine Werke über die Sonderbundszeit verfasste." (H. Bossard-Borner, in: HLS, alle drei Werke ebenfalls erwähnt). - Siegwart-Müller war neben Joseph Leu und Bernhard Meyer einer der Hauptexponenten und politischen Führer auf katholisch-konservativer Seite im Kanton Luzern, die zu einer bemerkenswerten Militanz neigten. Gegen die radikalen Umtriebe im Kanton Aargau seit der Regenerationsverfassung, und wesentlich ausgelöst durch die Badener Konferenz von 1834 mit ihren Beschlüssen, die das damals liberal geführte Luzern mit unterstützt hatte, ergriffen die seit der Verfassungsrevision von 1841 tonangebenden Konservativen Gegenmassnahmen: "Umgekehrt war auch das katholische Lager bereit, für seine Überzeugung zu demonstrieren und die vermittelnden Kräfte zurückzubinden. Das zeigte sich besonders im Kanton Luzern, wo die ausgesprochen kämpferischen und kompromisslos eingestellten Elemente um Joseph Leu, in Verbindung mit der fragwürdigen Diplomatie des ehemaligen Liberalen, dann unter dem Eindruck der radikalen Religionsfeindlichkeit konservativ gewordenen Konstantin Siegwart-Müller, die Führung übernahmen." (P. Dürrenmatt, Schweizer Geschichte, 1963, p. 490). -- Josef Leu (1800-1845), Landwirt in Ebersol, katholischer Demokrat, der hervorragendste unter den bäuerlichen Politikern jener Zeit, kämpfte gegen aristokratische und antikatholische Einrichtungen. Verfassungsrat 1830, 1841, Grossrat, Erziehungsrat 1841, Stifter des Ruswiler Vereins 1842. Sein Antrag auf Berufung der Jesuiten an die Höhere Lehranstalt unterlag 1842 im Grossen Rat, wurde aber im Herbst 1844 angenommen. "In der Mitternacht zum 20. Juli [1845] wurde Leu von einem verkommenen Bauern erschossen." (HBLS). -- Die sog. Jesuitenfrage dominierte rasch die politische Agenda nicht nur der Kantone Luzern und Aargau, sondern in der Eidgenossenschaft allgemein, und wurde zu einem Katalysator und Kristallisationspunkt der konfessionell gefärbten politischen Auseinandersetzung ab ca. 1842 bis zu den Freischarenzügen von 1844 und 1845 und dem Sonderbundskrieg vom Herbst 1847. (Vgl. nebst der modernen Sonderbundsliteratur v.a. auch die detaillierten Ausführungen von Kasimir Pfyffer, Geschichte der Stadt und des Kantons Luzern, Bd. 2, Zürich 1852, bes. Abschn. 5, Die Jesuiten- oder Sonderbunds-Periode 1841-1847, pp. 564-731). - "Die Freischarenzüge stehen in engstem Zusammenhang mit der Luzerner Jesuitenberufung. In zeitgenössischen liberalen Darstellungen wurden sie stets als direkte Folge dieses politischen Fehlgriffs der konservativen Regierung Luzerns dargestellt." (O. Marchi, Der erste Freischarenzug, 1971, p. 11). Diese Invasionsversuche waren eine dramatische Zuspitzung in einem Konflikt, der besonders zwischen den Ständen Luzern und Aargau schon seit mehreren Jahren schwelte und zu einer schrittweisen Konfessionalisierung führte. "Nachdem die aargauische Klosterfrage zu einer gesamtschweizerischen Angelegenheit geworden war, bestand die Gefahr, dass jeder neue Streit zwischen den beiden Nachbarkantonen sich ausweitete. Genau das ist nach 1844 geschehen, als Luzern als Reaktion auf die Aargauer Klosteraufhebung seine höheren Schulen den Jesuiten anvertraute [..]. Damit wurde der Konflikt zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, vom Freischarenkrieg in den Jahren 1844-1845 zum offenen [Sonderbunds-] Krieg von 1847." (G. Andrey, in: B. Mesmer et al., Red., Geschichte der Schweiz - und der Schweizer, 2, 1983, pp. 273 ff., zit. p. 277). Der erste Freischarenzug fand im Dezember 1844, der zweite im März 1845 statt (ebd). -- Vgl. u.v.a. zu diesen turbulenten Ereignissen, in denen Siegwart-Müller eine bedeutende und führende Rolle spielte, J. Dierauer, Geschichte, Bd. 5.2, 2. Aufl. 1922, 13. Buch, Vom Staatenbund zum Bundesstaat 1830-1848; spezifisch sodann O. Marchi, op. cit. und K. Bühlmann, Der zweite Freischarenzug, 1985; überblicksweise ferner J. Schollenberger, Geschichte der Schweizerischen Politik 2, 1908, bes. pp. 301-316; in geraffter Form als Vorspann zu seinem Thema s. E. Bucher, Geschichte des Sonderbundskrieges, 1966, pp. 13-ca. 37.

3 Bände (cpl.). Gr.-8°. VIII, 2 Bll., 797, 1 Bl., und 1 Bl. (Titel), IX, 1 Bl., 1133, 1 Bl., und XIV (recte: XII), 1 Bl., 1000 SS. Lithogr. Portr.-Front. (Joseph Leu) in Bd. 2. HLdr. d.Zt. (etwas berieben) mit vergold. Rückentiteln, marmorierten Deckeln und Vorsätzen (in Bänden 1 und 2). Seiten unterschiedlich (stock-)fleckig und gebräunt (vor allem Schnitt und äusserste Lagen, Bd. 2 etwas mehr). Alters- und Gebrauchsspuren, Bibliotheksstempel a. Titeln. Gesamthaft weitgehend ordentliche Exemplare.

[SW: Schweizer Luzerner politische Geschichte. Politik. Politiker. Reaktion. Ancien regime. Regeneration. Regenerationszeit. Regenerationsverfassung. Regenerationsverfassungen. Krieg. Kriege. Kämpfe. Bürgerliche Revolution. Gegenrevolution. Revolutionen. Bürgerkrieg. Bürgerkriege. Parteien. Parteiungen. Liberalismus. Radikalismus. Radikale. Freisinnige. Liberale. Katholisch Konservative. Geistliche Orden. Societas Jesu. Jesuiten. Jesuitenorden. Jesuitenberufung. Jesuitenverbot. Klöster. Aargauer Klosterstreit. Klosteraufhebung. Klösteraufhebung. Katholische Religion. Konfessionen. Katholiken. Reformierte. Protestanten. Bündnisse. Verträge. Bündnisverträge. Militärabkommen. Militärbündnisse. Schutzabkommen. Sonderbünde. Kriegsgeschichte. Militärische Führung. Parteiführung. Parteiführer. Recht. Gesetz. Gesetze. Staatsrecht. Verfassung. Verfassungen. Bundesverfassung. Bundesvertrag. Bundesverträge. Personengeschichte. Biographie. Biographien.]

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