Keller Nationalismus und Literatur
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Nürnberger, Helmuth: Fontanes Welt. Inhalt: Der Sohn des Apothekers; Restaurationszeit , Literarischer Vormärz und Revolution ( 1840-1849), Bernhard von Lepel, Letschin, Militärjahr und erste Englandreise, Der Tunnel über der Spree, Literarische Kontakte und Publikationen, 1848, Preußen war eine Lüge, Schreiben für Manteuffel, Freier Schriftsteller, Wilhelm Hertz , Die Grafschaft Ruppin, Theodor Storm, Salonromane usw. Mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis, Register der erwähnten Werke Fontanes, Register der Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbücher und Lexika sowie Namenregister. München, Siedler Verlag, 1997.
Sehr guter Zustand. Frisches Exemplar. Wie ungelesen. Der die Dinge von mindestens zwei Seiten sieht Biographische Deutungen Fontanes Von Beatrice von Matt "Effi Briest" ist heute der bekannteste deutsche Roman. Der Film von Rainer Werner Fassbinder hat dem Buch kräftig Auftrieb gegeben. Theodor Fontane, der Autor, tritt als Fonty in Günter Grass' Roman "Ein weites Feld" auf. Schon im etwas früheren Indienbuch "Zunge zeigen" hat der urbane Preusse Frau Grass über einen Aufenthalt in Kalkutta hinweggeholfen. Theodor Fontane lebt in vieler Herzen und wäre heute nicht auf einen Gedenktag angewiesen. Dem war nicht immer so. Noch 1968 hat Helmuth Nürnberger, derzeitiger Altmeister der Fontane-Forschung, festgestellt, der Dichter gelte als leicht veraltet und der Reiz des scheinbar unverbindlichen Plaudertons behindere das Verständnis für den Stilisten Fontane. Das hat sich geändert. Fontane interessiert mächtig, auch biographisch. Was mit der neuen Attraktivität des späteren 19. Jahrhunderts, der Reichsgründung und Bismarcks, zu tun haben mag. Dies ist die Entstehungszeit seiner Romane. Seit der Wende von 1989 gehört das Fontane-Land wieder zu einem ganzen Deutschland, ist erreichbar. Die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" kann man als Reiseführer benutzen, mit Fontane in der Hand die dunkle Backsteingotik von Chorin erkunden oder die Ruinenromantik der Pfaueninsel. Im grossen Hugenotten, der schlecht Französisch sprach und England liebte, besitzen die Deutschen ihren liebenswürdigsten Romancier. Auf diesem Hintergrund sind die vielerlei Publikationen zum 100. Todestag zu verstehen. Mit Vorliebe gelten sie dem Menschen Fontane und seinem Leben. Er ist ja auch einer nach unserem Gusto, widersprüchlich und in keiner Weise stur, sensibel, manchmal hilflos und wunderbar souverän im Umgang mit der Menschenseele. Das zeigen die vielen Briefe, das zeigen die Romanfiguren. Der Preusse mit dem französischen Namen ist eine Gegenbesetzung zu all den Negativklischees, die dieses Jahrhundert von den Deutschen hervorgebracht hat. DER KÜNSTLER ALS HISTORIKER So geht der amerikanische Historiker Gordon A. Craig mit ihm um, wie mit einem alten Freund. Locker, nüchtern und liebevoll. Den Historiker Fontane habe er seit Jahren bewundert, hält Craig fest, ohne dessen Kriegsbücher wäre sein eigenes Werk zum 19. Jahrhundert, insbesondere das Buch über Königgrätz und den erwachenden Nationalismus der Deutschen, nicht zu denken. Je intensiver er aber die Romane las, um so deutlicher wurde ihm, "dass Fontane seine Begabung als Historiker der Tatsache zu verdanken hatte, dass er ein grosser Künstler war, widersprüchlich in seiner Behandlung des Materials, zu dessen Beherrschung professionelle Historiker sich . . . endlos plagen müssen, aber dafür tiefer eindringend und scharfsinniger, mehr darauf aus, in die Geschichte zu blicken, als sie abzubilden . . ." Gemäss Craig kompensiert Fontane den Vorwurf, er habe wenig Sinn für die Armen bezeugt, mit der hohen Bedeutung, die in seinem Werk den Frauen zukommt, "der anderen, grösseren Gruppe von Opfern". Da sind die grossherzigen "alten Mütter", wie im Roman "Die Poggenpuhls", da sind Frauenfiguren wie Effi, Melanie, Stine, Lene, Mathilde Möhring, die sich - nicht zuletzt aus ihrer Not und Zurücksetzung heraus - als die eigentlichen Diagnostikerinnen ihrer Zeit erweisen und als "Erzieherinnen des Mannes". Mit ihren umgebogenen Lebensrichtungen und den expliziten Einschätzungen der Lage der Nation entwerfen sie - leidend und denkend - Fontanes Geschichtsutopien. Für seine "einzigartig aufgeschlossene Haltung gegenüber Frauen" bringt Craig eine einleuchtende sozialpsychologische Erklärung bei, unter Berufung auf eine These der Fontane-Biographin Edda Ziegler ("Theodor Fontane. Lebensraum und Phantasiewelt. Eine Biographie", Berlin 1996): Nicht nur dass der Dichter den Frauen "Intelligenz, Mut und geistige Unabhängigkeit" zugestand, vielleicht müsse man noch einen Schritt weiter gehen und annehmen, "dass er Frauen sogar als eine Art von emotionalem Alter ego seiner selbst wahrnahm, sie in seinen Augen den gefühlsmässig unterdrückten Teil der autoritären preussischen Gesellschaft repräsentierten und sich deshalb als Protagonistinnen seiner Zeitkritik ganz besonders eigneten". - Denkt man an den Altersgenossen Gottfried Keller, an dessen Judith, Marie Salander oder Regel Amrain, so verhält sich das - im schweizerischen Rahmen - gar nicht unähnlich. Glanzpunkt von Craigs Darstellung ist das Bismarck-Kapitel. Der adlige Otto von Bismarck und der Apothekerssohn aus Neuruppin, die gleichaltrigen "Zeugen fast eines ganzen Jahrhunderts", werden nicht nur in ihren so unterschiedlichen Herkünften und Lebensläufen verglichen, sondern auch in ihren politischen Auffassungen und in ihrem schriftstellerischen Genie. Sie waren beide grosse Briefeschreiber, hatten ein gebrochenes Verhältnis zu Ehre und Erfolg und den Mut zur Selbstanalyse. Der König habe in ihm "ein braves Pferd zu Schanden geritten", bemerkt Bismarck in einem Brief, und man könne im politischen Gewerbe "so klug sein wie die Klugen dieser Welt" und gehe doch jederzeit in die nächste Minute "wie ein Kind ins Dunkle". Fontanes Urteile über Bismarck sind widersprüchlich wie fast alle seine Stellungnahmen, bezeugen schwerlich ein folgerichtiges politisches Denken. Doch kommt der Dichter - in Briefen und in den Äusserungen seiner Romanfiguren - trotz allen Vorbehalten dem Reichsgründer gegenüber wiederholt zu dem Ergebnis: "Der Kanzler ist ein Despot; aber er darf es sein, er muss es sein." Auch dieses Kapitel - wie leichthin skizziert - bezeugt den Altersstil Gordon A. Craigs, des grossen Gelehrten, der seit Jahren seine Wissenschaft mit der Leidenschaft eines Literaten betreibt. Fontanes Ambivalenzen und Paradoxien irritieren alle Biographen und Interpreten. Nicht zuletzt beschäftigen sie den Dichter selber. In seinem ausladenden Buch "Fontanes Welt", einer wahren Fundgrube in Sachen Fontane, zitiert der Kenner Helmuth Nürnberger einen Fragebogen aus der "Vossischen Zeitung". Auf die Frage: "Lieben Sie das Reale oder das Ideale?" lautete die Antwort: "Die Diagonale." Das Dazwischen und das Quergängerische machen Fontanes Menschenblick aus, gehören zu seinem Genie als Romancier. Thomas Mann nennt ihn einen "ungebundenen und auf nichts eingeschworenen Geist, der alle Dinge in seinem Leben von mindestens zwei Seiten gesehen hat". DER WIDERSPRÜCHLICHE Nur wer den Fontaneschen Polyvalenzen Rechnung trägt, erfüllt die Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis dieses Schriftstellers. Ein Beispiel ist Nürnberger, der, in Potsdam sitzend, auch ein intimer Kenner der Fontane-Stadt Berlin und der Mark Brandenburg ist. Die Nähe, die lebenslange Beschäftigung mit dem Autor spürt man jedem Satz an. Es ist dies freilich ein Buch, das man erst so richtig schätzt, wenn man Leben und Werk schon etwas kennt. Auf den ersten Blick ein Schaubuch, erweist es sich zunehmend als eines für geduldige Leser. Es stellt eine Art Chronik dar, aus vielen Schriftstücken und Kommentaren so montiert, dass man die Schlüsse selber ziehen muss. Doch gerade diese weitherzige Haltung kommt dem Gegenstand entgegen. Hervorragend das Kapitel über den "Mann der langen Briefe". Nach der Arbeit an den Manuskripten feierte Fontane jeweils "Brieftage" und benützte auch eigene Briefe für seine Arbeit, z. B. die Kriegsbücher, und überhaupt "für alle meine geschichtliche Schreiberei". So hält es auch Nürnberger, er speist sein Buch reichlich aus Fontanes Briefen. Daraus lässt sich das Abschattierte, Wandelbare und so - a la longue - manchmal Gerechtere in den Meinungen des Schriftstellers am schönsten belegen. Die sozialen Probleme beschäftigen Fontane mehr als andere deutsche Dichter. Der vierte Stand bedeute die "neue bessere Welt", mit ihm fange die Geschichte an, hat er gemeint, Adel und Klerus seien "altbacken", der Bourgeois "furchtbar". Trotzdem faszinierte ihn gleichzeitig das preussische Junkertum, das wenig...
Erste Auflage dieser Ausgabe. 446 Seiten mit vielen Abbildungen. 27 cm. Leinen mit farbigen Vorsätzen, Lesebändchen und Schutzumschlag. ISBN: 3886805824.
[SW: Literaturtheorie, Ortskunde, Literarische Porträts, Orts- und Landesgeschichte, Orts- und Landeskunde, Biografien Biografie Biographien Biographie, Literaturkritik, Literaturgattungen, Literatursoziologie, Literatur der Jahrhundertwende, Literatur des 19. Jahrhunderts, Literaturrezeption, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Literaturgeschichte, Literaturwissenschaft Literaturwissenschaften, Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts, England, Literaturzeitschriften, Kindheit, Literaturkritiker, Literaturrecherche, Hauptmann, Gerhart, Bismarck, Otto Fürst von, Literaturinterpretationen, Storm, Theodor, Literaturkanon, Ortsgeschichte, Engländer, Literarische Gattungen, Revolution achtzehnhundertachtundvierzig, Erzähltechnik, Menzel, Friedrich, Heyse, Paul, Mark Brandenburg]
Geschichte/Südtirol/Kriegsgeschichte/XIX. Jahrhundert/Nationalismus/Regionalismus/Identität/Austriaca/Volkskunde/Literatur/Italien - Regensberg, Friedr.: Custoza und die Verteidigung von Südtirol 1866. Mit Illustrationen von Georg Lebrecht und zwei Karten. Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlung W. Keller & Co., 1904.
Vierte Auflage. Bll. + 126 S. u. mit s/w. Illustr. + Verlagsseiten u. 2 gefalt.-Pläne (oder Karten, leicht randfleckig.). Papier innen sauber. 1 modern.- Exlibris (Vorsatz). 8° (20 x 14 cm), O(Altrot)HalbLnw. mit Privatrückenschild (Rücken etwas geblichen). Einband leicht staubig. Schnitt etwas ergraut. Gutes Exemplar.
[SW: Schlachten, Kämpfe, Krieg, Soziologie, Kulturgeschichte, Literaturwissenschaft, XIX.u. XX. Jahrhundert, Alpinismus, Militaria, Armee, Illustrierte Bücher, Graphiken, Uniforme, Regimentsgeschichte, Volkskunde, Ortskunde, Kaiserreich, Nachkriegszeit, Diplomatie, Städtekunde, Landeskunde, Politik, Völkerkunde.]
Keller, Ernst: Nationalismus und Literatur. Langemarck, Weimar, Stalingrad. Bern u. München, Francke, 1970.
Flex, George, Jünger, Benn, Kolbenheyer ... - Schutzumschlag leicht berieben und mit minimalen Randläsuren, sonst sauber und gut erhalten.
Gr- 8°. 289 SS., 1 Bl. Original-Leinen mit Schutzumschlag
Keller, Ernst: Nationalismus und Literatur. Langemarck, Weimar, Stalingrad. Bern / München, Francke 1970.
Gr.-8°. Original-Leineneinband, Bibliotheksexemplar mit Rückenschild, Einband lichtrandig und leicht fleckig, Schnitt leicht gebräunt, Klappentext auf vorderem Innendeckel montiert, Signaturen / Stempel (entwidmet) auf Vorsatz und Titelblatt, sonst gut.



