Jahns
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[Jahn, Friedrich Ludwig]. Stammbuch des Superintendenten Karl Friedrich Ferdinand Tiebel mit rund 200 Eintragungen. Halle, Lenzen (Priegnitz), Magdeburg, Kloster Berge bei Magdeburg, Hillersleben u. a., 1795 bis um 1800.
Das mit schönen, teils auch künstlerisch und ikonographisch bemerkenswerten Miniaturen ausgestattete Stammbuch ist durch seine Provenienz aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des "Turnvaters" Jahn von besonderer Bedeutung, zumal es Einblicke in die bislang wenig bekannte frühe Studienzeit Jahns gewährt. Der Stammbucheigner, Karl Friedrich Ferdinand Tiebel (1778-1835), Superintendent und Oberprediger in Nauen, gehörte zum engen Freundeskreis des "Turnvaters" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Jahns Vater war Pfarrer in Lanz in der Westpriegnitz, wo Jahn auch geboren wurde; der Vater von Tiebel, Christian Friedrich (1738-1809), war Prediger im Nachbarort Lenzen. Er und seine Ehefrau sind am Anfang des Stammbuchs in zwei Schattenrissen portraitiert (erst nach dem Tod der Mutter 1831 hinzugefügt). Die Familien Jahn und Tiebel verband offenbar eine lebenslange Freundschaft; die Söhne sind miteinander aufgewachsen und haben, wie aus Jahns Eintrag hervorgeht, die ersten Studienjahre miteinander verbracht. Offenbar waren, wie aus einem Brief Jahns aus dem Jahre 1816 hervorgeht, beide Familien sogar recht nah miteinander verwandt: "[...] Superintendent Tiebel von Nauen ist ein naher Anverwandter von mir, und was mehr gilt als Blutsverwandtschaft, mein Jugendfreund von hohen Schulen her" (zit. n. Meyer, Die Briefe Friedrich Ludwig Jahns, Leipzig 1913, S. 86). Der Beitrag Jahns gehört zu einer besonderen Abteilung des Stammbuchs, in den sich mehrere Kommilitonen Tiebels eingetragen haben (SS. 16-29); vorangestellt sind ein Deckblatt und eine Miniatur mit der Darstellung des "Schusters Sauer in Halle", der für den Verleih von Pferden in schlechtem Zustand unrühmliche Bekanntheit erlangt hat. Offenbar haben auch die Studenten um Tiebel und Jahn mit Sauer schlechte Erfahrungen gemacht. Jahns Eintrag, datiert "Halle d. 24ten des August 1798" und mit einem Zitat von Kosegarten eingeleitet, betont zunächst in üblicher Weise die enge Freundschaft mit dem Stammbucheigner, fährt dann aber mit einer "Erinnerung an unser akademisches Leben" fort, die im Juni 1797 einsetzt. Jahn berichtet über gemeinsame Wanderungen um den Giebichenstein bei Halle (dort sollte er sich später zeitweise in eine Höhle zurückziehen, heute als "Jahnhöhle" bekannt, von Jahn hier "Kaninchenhöhle" genannt). Auf zweieinhalb Seiten faßt Jahn sodann gemeinsame Reiseerlebnisse zusammen, eine "kleine Fahrt zum Petersberg", eine Reise nach Thüringen vom 20. bis 27. August 1797, einen Besuch in Eisleben mit Besichtigung des Lutherhauses und eine Harz-Wanderung. Im Bericht zur Thüringenreise wird auch Goethe in einem kurzen Seitenhieb erwähnt: "Goethe spielt Großhaus Weimar", in Anspielung auf seine in diesem Jahr erfolgte Anstellung als Bibliothekar an der Bibliothek der Herzogin Anna Amalia. Der Eintrag schließt mit den Zeilen: "In Wahrheit lieber Tiebel, wir können sagen, wir LEBTEN in Halle. Ohne Reideburg, den Tempel der Roheit, und hunnische Sauffeste lebten wir glücklich, ohne verderbliche Verbindungen hatten wir Freunde. - Wir lernten einsehen, daß unser Glück nicht im Vielbesizzen besteht, sondern in der Genügsamkeit, im weisen Gebrauch des Erworbenen, und im frohen Streben nach erreichbaren Geistern. Ewig dein Freund Jahn". Der Vater Jahns, Alexander Friedrich Jahn, seine Mutter, Dorothea Sophie (geborene Schultze), und eine Cousine Tiebels mit Namen M. E. Jahn haben sich ebenfalls eingetragen (alle Lanz, 26. IV. 1798). Die meisten der weiteren Beiträge stammen von Hallenser Studenten. Bekannte Personen sind u. a. Charlotte von Heyden, die spätere Frau des Generalfeldmarschalls Wilhelm von Krauseneck, und der Philhellene Wilhelm Boldemann. Die reizvollsten der Miniaturen stammen von Carl Wilhelm Herschel, der seit 1795 "Universitätszeichenmeister" in Halle war (Eintrag vom 10. IX. 1798). - Die in der Paginierung fehlenden Seiten (s. o.) wurden wohl übersprungen; für fehlende Blätter gibt es keine Anhaltspunkte (im Index der Einträge am Schluß sind diese Seiten nicht aufgeführt). Eine Zeichnung lose beiliegend. Stellenweise ein wenig fingerfleckig, geringe Gebrauchsspuren; Umschlag und Schuber jeweils stärker beschabt und lädiert.
1 Bl., 229 [recte 219] pag. SS. (31/32 doppelt vergeben; es fehlen 87/88, 143-146, 187-190 und 223/224), 3 Bll. Mit 9 teils ganzseitigen aquarellierten Federzeichnungen, 6 (4 lavierten) Federzeichnungen, Seidenstickerei und 2 Schattenrissen. Lederband der Zeit mit Rückenschildchen, Rücken- und Deckelvergoldung mit Monogramm "K.F.F.T." am Vorder- und "K 1795 B" am Hinterdeckel. In Pappumschlag der Zeit und in Pappschuber. Qu.-8vo.
[SW: Autographen: Literatur]
Hg. Ulrich Krempel u.a. Stuttgart 2003: Rudolf Jahns - Werkverzeichnis 1917-1981,
Rudolf Jahns zählt zu den Pionieren des deutschen Konstruktivismus. Nach expressionistischen und kubistisch geprägten Anfängen knüpfte er Kontakte zum Sturm-Kreis und Herwarth Walden. 1927 gehörte der Autodidakt zu den Gründern der Künstlergruppe "die abstrakten hannover" um Kurt Schwitters und Carl Buchheister. Im Dritten Reich als "entartet" verfemt, zog Jahns sich auf einen Brotberuf zurück, ohne die Malerei jedoch aufzugeben. Nach seiner Pensionierung 1957 schuf er ein umfangreiches Spätwerk von außergewöhnlicher Qualität und Vielfalt. Jahns' zentrale Themen sind Natur, Akt und Musik. Die Werke dieses "lyrischen Konstruktivisten" bewegen sich zwischen figurativer Darstellung und geometrischer Abstraktion. Dieses erste umfassende Werkverzeichnis zum Oeuvre Rudolf Jahns' wurde von Ulrich Krempel, dem Direktor des Sprengel Museums Hannover, und von Barbara Roselieb-Jahns, der Tochter des Künstlers, herausgegeben und von Oktavia Christ bearbeitet. Es versammelt sämtliche Gemälde, Collagen, Druckgrafiken, Zeichnungen und Objekte des "Malers der in Farbe verwandelten, verzauberten Komposition".. 26 x 30,5 cm, 408 S., 1192 Abb., davon 105 farbig, Ln. im Schuber
Jahns, Rudolf, [ Rudolf Jahns, Joachim Büchner, Dieter Ronte, Bernhard Holeczek ]: Rudolf Jahns : Retrospektive 1919-1980, Ausstellung zum 85. Geburtstag : Werkverzeichnis der Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphik, 1919-1933. Hannover, Germany: Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel, 1981
Art, Painting, Drawing
wrappers 20 x 21 cm.; sewn bound; black-and-white; edition size unknown; unsigned and unnumbered; offset-printed Exhibition catalogue published in conjunction with show held at Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel, February 15 - March 29, 1981. Traveled to Wilhelm-Hack Museum Ludwigshafen, October 10 - November 22, Quadrat Bottrop Moderne Galerie, January 31 - February 28, 1982. Texts by Joachim Büchner, Dieter Ronte, and Bernhard Holeczek. Includes biography and bibliography. Text in German. 190 pp. Very Good / Fine. Light shelf wear.
meyer, wolfgang dr.: die briefe friedrich ludwig jahns gesammelt und im auftrage des ausschusses der deutschen turnerschaften herausgegeben. leipzig verlag paul eberhardt 1913 ; weicher Einband / soft cover
sehr gutes exemplar
rote illustr. broschur, einband lichtrandig und ecken etwas bestoßen, frontispitz mit portraitabbildungen, 583 seiten. ein band mit briefen von friedrich ludwig jahns des berühmten turnvater jahns von dr. wolfgang meyer. 1 auflage paperback oktav; 1 auflage



