Jahnn Holzschiff

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Jahnn, Hans Henny: Fluß ohne Ufer. Roman in drei Teilen. Erster Teil. Das Holzschiff. Deutsche Erstausgabe (1.-9. Tausend) Willi Weismann Verlag Erste Aufl.; 1.-9. Tausend. Deutsche Erstausgabe ( Wilpert/Gühing 14.1 ) 1949 München
215 S.S. 8°

Halbleinen Fadengehefteter Halbleinenband. Die Einbandkanten und Ecken leicht berieben, Exlibris auf Innendeckel, handschriftlicher Namenszug auf Vorsatzblatt, das holzhaltige Papier allg. leicht nachgedunkelt, ansonsten rundum guter Erhaltungszustand dieser Erstausgabe des ersten Teils von Jahnns fulminanter Trilogie, die sicherlich zum Besten gehört, was die deutsche Nachkriegsliteratur hervorgebracht hat. Das Holzschiff ist ein Roman von Hans Henny Jahnn und der erste Band der Trilogie Fluss ohne Ufer, des Hauptwerks des Schriftstellers. Inhalt Die "Lais", ein prächtiges Holzschiff, dessen Reiseziel geheim bleibt, wird mit einer mysteriösen und offenbar gefährlichen Fracht beladen; der Kapitän, seine Tochter Ellena und ihr Verlobter Gustav quartieren sich an Bord ein. Letzterer entdeckt während der Fahrt geheime Gänge und einen blinden Passagier. Ein Gefühl von Bedrohung ergreift die Schiffsbesatzung. Als dann Ellena plötzlich spurlos verschwindet, verweigert der Superkargo, ein vom Reeder beauftragter und wenig durchschaubarer Transportchef, jede Mitarbeit, so dass die abergläubische Mannschaft, während ein Sturm ausbricht, auf der Suche nach Ellena meuternd in die verschlossenen Laderäume eindringt, darin zunächst nur leere Kisten findet und glaubt, eine verborgene Tür entdeckt zu haben. Beim Aufbrechen der Metallplatte strömt jedoch Wasser ins Schiff, es sinkt, während sich die Mannschaft in die Boote retten kann. Dabei sieht sie mit Entsetzen eine sinkende Galionsfigur, deren üppige Frauenschenkel den Kielbaum umklammern; niemand hatte sie zuvor auf dem Schiff gesehen. Entstehung, Rezeption und literarische Wertung Der in den Jahren 1934-1947 entstandene Roman ist ein Prolog zu "Die Niederschrift des Gustav Anias Horn, nachdem er 49 Jahre alt geworden war", dem Hauptteil von Jahnns Trilogie "Fluss ohne Ufer". Das Buch wurde zunächst als deutscher Seefahrtsroman betrachtet und verglichen mit den Romanen der englischsprachigen Schriftsteller Joseph Conrad und Herman Melville; andere sahen ihn als Kriminalroman, Jochen Vogt deutet ihn als "allegorischen Detektivroman".[2]. Allerdings erfährt man in diesem Buch noch nicht, wer der Täter (der Matrose Tutein, wie sich im folgenden Trilogieband herausstellt) ist. Die Handlung ist verrätselt, das Geschehen unwirklich. Das Schiff hat labyrinthische Räume. Die Menschen haben Ängste und Fantasien und fühlen sich ohnmächtig. Vieles, vor allem die Galionsfigur, ist als Allegorie zu deuten. In einem Brief an Werner Helwig schreibt Jahnn, dass "der ganze Roman nur von diesem Zeitbegriff, nämlich vom unveränderbaren Schicksal, das sich mit allen Mitteln der Zeit ankündigt", handelt.[3] Jahnns Sprachstil - er verwendet meist Hauptsätze - ist eher konventionell, doch voll schöner und ungewohnter Bilder. Der offene Schluss und die unbeantworteten Fragen leiten zum Hauptteil über, den beiden Bänden Die Niederschrift des Gustav Anias Horn, nachdem er 49 Jahre alt geworden war, in denen das rätselhafte Verschwinden Ellenas aufgeklärt wird und wo der Verlobte Ellenas als Protagonist Horn zusammen mit dem Mörder Tutein ein schuldverstricktes gemeinsames Leben führt. Peter Suhrkamp wollte Das Holzschiff in dieser unvollendeten Form nicht bei S. Fischer verlegen, weshalb Jahnn zunächst geplant hatte, den 9 Kapiteln des Buches ein 10. anzuhängen[4]; es wurde weit mehr, es entstand auf diese Weise dann mit dem Fluss ohne Ufer eines der wichtigsten Werke der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Wochenzeitung DIE ZEIT hat Das Holzschiff auf ihre Liste der "50 wichtigsten Bücher für eine Schülerbibliothek" gesetzt. Detlev Glanert komponierte eine Opernfassung des Holzschiffs. Sie wurde am 9. Oktober 2010 in einer Inszenierung von Johann Kresnik im Nürnberger Staatstheater uraufgeführt.[5] Zitat "Wie wenn es aus dem Nebel gekommen wäre, so wurde das schöne Schiff plötzlich sichtbar. Mit dem breiten gelbbraunen, durch schwarze Pechfugen gegliederten Bug und der starren Ordnung der drei Masten, den ausladenden Rahen und dem Strichwerk der Wanten und Takelage. Die roten Segel waren eingerollt und an den Rundhölzern verschnürt. Zwei kleine Schleppdampfer, hinten und vorn dem Schiff vertäut, brachten es an die Kaimauer." - Hans Henny Jahnn[6]

[SW: Deutsche Literatur | Romantrilogie | Hans Henny Jahnn | Erstausgaben]

Details

Jahnn, Hans Henny: Das Holzschiff. Fluß ohne Ufer - Roman in drei Teilen. Ertster Teil. München, Willi Weismann Verlag, 1949.
Guter Zustand. - Hans Henny Jahnn eigtl. Hans Henry Jahn (* 17. Dezember 1894 in Stellingen; 29. November 1959 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller, Orgelreformer und Musikverleger. Leben: Der Sohn eines Schiffbauers besuchte ab 1904 die Realschule in St. Pauli, wo er auch Gottlieb Harms (1893-1931, später Musikschriftsteller) kennenlernte, dann ab 1911 die Oberrealschule Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel, auf der er 1914 sein Abitur machte. Jahnn emigrierte 1915 zusammen mit Harms nach Norwegen, um dem Ersten Weltkrieg zu entgehen. Ende 1918 kehrte er zunächst nach Hamburg zurück, zog dann für kurze Zeit aufs Land bei Eckel. Hier lebte er mit Gottlieb Harms und Franz Buse (1900-1971, damals Bildhauer). Auch andere Personen, wie Ellinor Philips (1893-1970), Jahnns spätere Ehefrau, wohnten dort. Obwohl sich Jahnn öffentlich nie dazu bekannte und heiratete, gilt als eindeutig erwiesen, dass er von Jugend an homosexuelle Beziehungen unterhielt,[1] unter anderem zu Harms, der seine große Liebe war und neben dem er bestattet liegt. 1919 gründeten Jahnn, Harms und Buse gemeinsam die Künstlergemeinschaft Ugrino. Sie entstand - wie viele ähnliche Gruppen in der Weimarer Republik - aus dem Bedürfnis nach neuer Sinnstiftung und als Alternative der von vielen als enttäuschend empfundenen Situation nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gemeinschaft Ugrino wollte Kunstwerke aller Art erhalten und neue schaffen. Insbesondere sollten auf einem eigenen Grundstück, das teilweise auch gekauft wurde, Sakralbauten errichtet werden (Architekt: Jahnn). Letztlich blieben aber die meisten Pläne der Gemeinschaft Ugrino unausgeführt. Erfolgreich war die Gründung des Ugrino-Verlags (1921) zusammen mit Gottlieb Harms, in dem Werke barocker und vorbarocker Komponisten erschienen, die von der Fachwelt anerkannt werden. Gleichfalls im Jahr 1919 veröffentlichte Jahnn das Drama Pastor Ephraim Magnus, für das er 1920 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet wurde (UA 1923). Weitere Dramen folgten. Manche Presseorgane taten sich schwer mit Jahnns Stücken, stellten sie doch oft extreme Gefühlslagen und Handlungen dar (Inzest, Homosexualität, Verstümmelung ). Die Stücke wurden teils heftig kritisiert, teils aber auch aus berufenem Munde (Thomas Mann) aufs höchste gelobt. Obwohl Jahnn seit Beginn der 1930er Jahre vor der NSDAP gewarnt hatte und der linksliberalen DDP-Abspaltung Radikaldemokratischen Partei (RDP) beigetreten war,[2] wollte er doch nicht endgültig emigrieren und den Kontakt mit Deutschland nicht verlieren. Er war überzeugt, dass er als Schriftsteller nur in Deutschland seinen Lebensunterhalt sichern konnte. Darum blieb er z.B. Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Die Nationalsozialisten standen ihm feindlich gegenüber (aufgrund seiner Stücke wurde er in der Presse u. a. als "Kommunist und Pornograph" bezeichnet) und durchsuchten mehrfach seine Wohnung in Hamburg. Darum verließ Jahnn im Frühjahr 1933 Deutschland und hielt sich während der nationalsozialistischen Diktatur meist im Ausland auf, kehrte aber immer wieder für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Seit 1934 wohnte er auf Bornholm in Dänemark, wo seine Schwägerin Sibylle, gen. Monna Harms, auf Jahnns Rat einen Bauernhof erworben hatte, den er bis 1950 bewirtschaftete. Auf Bornholm verfasste er auch den größten Teil seines Hauptwerkes Fluß ohne Ufer, einer gewaltigen Trilogie von über 2000 Seiten, deren letzten Band Epilog er nicht abschloss. Seine Dramen "Spur des dunklen Engels" und "Neuer Lübecker Totentanz" wurden von seinem Patensohn Yngve Jan Trede vertont, dessen musikalische Hochbegabung Jahnn erkannte und förderte. 1950 kehrte er zurück nach Hamburg und setzte sich vor allem gegen die Entwicklung von Atombomben und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein. Jahnn war Mitbegründer und erster Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg. 1956 reiste er nach Moskau, am 29. November 1959 erlag er einem Herzleiden im Blankeneser Krankenhaus Tabea. Der Freund und Arzt Prof. Dr. Gotthold Möckel war in den letzten Stunden bei ihm. Sein Grab befindet sich auf dem Nienstedtener Friedhof. Die Grabanlage hat Jahnn gemäß den Vorgaben der Ugrino-Satzung entworfen. Auch seinen schweren, wachsversiegelten, mit Metall ausgekleidete Sarg aus überdickem Holz hatte er sich zu Lebzeiten nach der Ugrino-Satzung konstruieren lassen. Bei der Beerdigung mussten die Träger den Sarg auf dem Weg zum Grab alle drei Schritte absetzen.[3] Sein letzter, wiederum unvollendeter Roman Jeden ereilt es erschien erst postum 1968, die Erzählung Die Nacht aus Blei, ein Auszug daraus, erschien schon im Jahr 1956. Literarisches Werk: Jahnn, der ein bedingungsloser Pazifist war, hat einmal den Menschen als "Schöpfungsfehler" bezeichnet. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. Rettung sucht er in der Natur, deren Schönheit und Harmonie er in grandiosen Landschaftsschilderungen (etwa in seinem Roman Fluß ohne Ufer) unermüdlich schildert. Zugleich kann er nicht übersehen, dass auch die Natur grausam sein kann. Versöhnung, so seine Hoffnung und der Antrieb seines Schreibens, kann allein die Kunst bewirken. Jahnns in vieler Hinsicht ungewöhnliches literarisches Werk lässt sich durch die folgenden Strukturmerkmale näher bestimmen: Reduktion des Menschen: Jahnn versteht die simple Wahrheit, dass der Mensch Teil der Natur sei, wörtlich und radikal. Der Mensch ist nicht über das Tier erhaben. Beiden gleich ist die Empfindung des Schmerzes, und das Leben ist ein universaler und permanenter Schmerz, mit dem Unterschied freilich, dass die Tiere den Schmerz ohnmächtig erdulden, während der Mensch planvoll und umsichtig Schmerz zufügt: sich selber und seinesgleichen, den Tieren und der gesamten Natur. Schlachthof und Krieg sind die beiden Seiten eines unbegreiflichen Willens zur Lebensvernichtung. Im ersten Kapitel der "Niederschrift" (Band II des Romans Fluß ohne Ufer) geht der Komponist Gustav Anias Horn in den Stall, bettet sein Haupt an den Hals der Stute Ilok und weint. Perrudja (Held des gleichnamigen Romans) liebt ein Pferd: "Perrudja kroch heran, biß lose in das samtene Fell, barg seinen Kopf zwischen den Schenkeln und träumte, träumte sich alle Stürze der Welt." Weil das Tier nicht unter, sondern neben dem Menschen steht, als ein rätselhaft Anderes, ist jene Tierliebe, die gemeinhin Sodomie heißt, weder obszön noch lächerlich, sondern allenfalls auf bestürzende Weise vergeblich. In dem Drama Medea berichtet Jasons Sohn von seiner ersten Begegnung mit Kreons Tochter. Er reitet auf einer Stute, sie auf einem Hengst. Die Reiterin holt ihn ein. Ehe er sich's versieht, besteigt der Hengst die Stute und bringt den Reiter in die drangvollste Lage. Was in dieser Szene an Männerängsten und Menschenphantasien drinsteckt, ist klar. Deshalb eignet sich Jahnns Werk nicht für die Psychoanalyse. Auf fast unschuldige Weise ist es offenkundig und folgt allen Triebregungen. Jahnn reduziert den Menschen auf das biologische Material, weil das Kreatürliche die Basis ist und der geistige Überbau eine Übersteigerung, die den Ruin der Schöpfung bedeutet. Jahnns Werk ist ein Protest gegen das anthropozentrische Weltbild. Verweigerung der Moral: Der Leichtmatrose Alfred Tutein ermordet Ellena, die Verlobte Gustavs (im Holzschiff, Band I von Fluß ohne Ufer). Er stößt ihr das Knie in den Mund und erdrosselt sie. Den Leichnam versteckt er in den Laderäumen der "Lais". Aus Furcht, der Verwesungsgeruch könnte zur Aufdeckung des Verbrechens führen, übergießt er die Tote mit Holzteer. "Über das Antlitz Teer. Über die Brüste Teer. In den unordentlich bekleideten, aufgedunsenen Schoß Teer. Er behing die Wehrlose mit den groben Fetzen, zog ihr einen weiten Mehlsack über den Oberkörper. Und entleerte den Rest der Kanne über das hingestauchte Bündel aus Sacktuch, Papier und Fleisch." Die Tat hat kein Motiv. "Alfred Tutein sagte...

Erstausgabe. WG 2, 14. 1. - 9. Tausend. 215 Seiten. Einbandzeichnung. Arno Mittag. Halbleinen.

[SW: Briefbände, Deutsche Literatur der 50 er Jahre, Deutsche Literatur der 50-er Jahre, Literaturtheorie, Germanistik, Literaturkritik, Literaturgattungen, Literaturepochen, Literaturrezeption, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Literaturgeschichte, Literaturwissenschaften]

Details

Jahnn, Hans Henny: Die Niederschrift des Gustav Horn nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war. 2 Bände. Fluß ohne Ufer Teil 2. Frankfurt a. M., Europäische Verlagsanstalt, 1959.
Guter Zustand. - Hans Henny Jahnn eigtl. Hans Henry Jahn (* 17. Dezember 1894 in Stellingen; 29. November 1959 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller, Orgelreformer und Musikverleger. Leben: Der Sohn eines Schiffbauers besuchte ab 1904 die Realschule in St. Pauli, wo er auch Gottlieb Harms (1893-1931, später Musikschriftsteller) kennenlernte, dann ab 1911 die Oberrealschule Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel, auf der er 1914 sein Abitur machte. Jahnn emigrierte 1915 zusammen mit Harms nach Norwegen, um dem Ersten Weltkrieg zu entgehen. Ende 1918 kehrte er zunächst nach Hamburg zurück, zog dann für kurze Zeit aufs Land bei Eckel. Hier lebte er mit Gottlieb Harms und Franz Buse (1900-1971, damals Bildhauer). Auch andere Personen, wie Ellinor Philips (1893-1970), Jahnns spätere Ehefrau, wohnten dort. Obwohl sich Jahnn öffentlich nie dazu bekannte und heiratete, gilt als eindeutig erwiesen, dass er von Jugend an homosexuelle Beziehungen unterhielt,[1] unter anderem zu Harms, der seine große Liebe war und neben dem er bestattet liegt. 1919 gründeten Jahnn, Harms und Buse gemeinsam die Künstlergemeinschaft Ugrino. Sie entstand - wie viele ähnliche Gruppen in der Weimarer Republik - aus dem Bedürfnis nach neuer Sinnstiftung und als Alternative der von vielen als enttäuschend empfundenen Situation nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gemeinschaft Ugrino wollte Kunstwerke aller Art erhalten und neue schaffen. Insbesondere sollten auf einem eigenen Grundstück, das teilweise auch gekauft wurde, Sakralbauten errichtet werden (Architekt: Jahnn). Letztlich blieben aber die meisten Pläne der Gemeinschaft Ugrino unausgeführt. Erfolgreich war die Gründung des Ugrino-Verlags (1921) zusammen mit Gottlieb Harms, in dem Werke barocker und vorbarocker Komponisten erschienen, die von der Fachwelt anerkannt werden. Gleichfalls im Jahr 1919 veröffentlichte Jahnn das Drama Pastor Ephraim Magnus, für das er 1920 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet wurde (UA 1923). Weitere Dramen folgten. Manche Presseorgane taten sich schwer mit Jahnns Stücken, stellten sie doch oft extreme Gefühlslagen und Handlungen dar (Inzest, Homosexualität, Verstümmelung ). Die Stücke wurden teils heftig kritisiert, teils aber auch aus berufenem Munde (Thomas Mann) aufs höchste gelobt. Obwohl Jahnn seit Beginn der 1930er Jahre vor der NSDAP gewarnt hatte und der linksliberalen DDP-Abspaltung Radikaldemokratischen Partei (RDP) beigetreten war,[2] wollte er doch nicht endgültig emigrieren und den Kontakt mit Deutschland nicht verlieren. Er war überzeugt, dass er als Schriftsteller nur in Deutschland seinen Lebensunterhalt sichern konnte. Darum blieb er z.B. Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Die Nationalsozialisten standen ihm feindlich gegenüber (aufgrund seiner Stücke wurde er in der Presse u. a. als "Kommunist und Pornograph" bezeichnet) und durchsuchten mehrfach seine Wohnung in Hamburg. Darum verließ Jahnn im Frühjahr 1933 Deutschland und hielt sich während der nationalsozialistischen Diktatur meist im Ausland auf, kehrte aber immer wieder für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Seit 1934 wohnte er auf Bornholm in Dänemark, wo seine Schwägerin Sibylle, gen. Monna Harms, auf Jahnns Rat einen Bauernhof erworben hatte, den er bis 1950 bewirtschaftete. Auf Bornholm verfasste er auch den größten Teil seines Hauptwerkes Fluß ohne Ufer, einer gewaltigen Trilogie von über 2000 Seiten, deren letzten Band Epilog er nicht abschloss. Seine Dramen "Spur des dunklen Engels" und "Neuer Lübecker Totentanz" wurden von seinem Patensohn Yngve Jan Trede vertont, dessen musikalische Hochbegabung Jahnn erkannte und förderte. 1950 kehrte er zurück nach Hamburg und setzte sich vor allem gegen die Entwicklung von Atombomben und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein. Jahnn war Mitbegründer und erster Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg. 1956 reiste er nach Moskau, am 29. November 1959 erlag er einem Herzleiden im Blankeneser Krankenhaus Tabea. Der Freund und Arzt Prof. Dr. Gotthold Möckel war in den letzten Stunden bei ihm. Sein Grab befindet sich auf dem Nienstedtener Friedhof. Die Grabanlage hat Jahnn gemäß den Vorgaben der Ugrino-Satzung entworfen. Auch seinen schweren, wachsversiegelten, mit Metall ausgekleidete Sarg aus überdickem Holz hatte er sich zu Lebzeiten nach der Ugrino-Satzung konstruieren lassen. Bei der Beerdigung mussten die Träger den Sarg auf dem Weg zum Grab alle drei Schritte absetzen.[3] Sein letzter, wiederum unvollendeter Roman Jeden ereilt es erschien erst postum 1968, die Erzählung Die Nacht aus Blei, ein Auszug daraus, erschien schon im Jahr 1956. Literarisches Werk: Jahnn, der ein bedingungsloser Pazifist war, hat einmal den Menschen als "Schöpfungsfehler" bezeichnet. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. Rettung sucht er in der Natur, deren Schönheit und Harmonie er in grandiosen Landschaftsschilderungen (etwa in seinem Roman Fluß ohne Ufer) unermüdlich schildert. Zugleich kann er nicht übersehen, dass auch die Natur grausam sein kann. Versöhnung, so seine Hoffnung und der Antrieb seines Schreibens, kann allein die Kunst bewirken. Jahnns in vieler Hinsicht ungewöhnliches literarisches Werk lässt sich durch die folgenden Strukturmerkmale näher bestimmen: Reduktion des Menschen: Jahnn versteht die simple Wahrheit, dass der Mensch Teil der Natur sei, wörtlich und radikal. Der Mensch ist nicht über das Tier erhaben. Beiden gleich ist die Empfindung des Schmerzes, und das Leben ist ein universaler und permanenter Schmerz, mit dem Unterschied freilich, dass die Tiere den Schmerz ohnmächtig erdulden, während der Mensch planvoll und umsichtig Schmerz zufügt: sich selber und seinesgleichen, den Tieren und der gesamten Natur. Schlachthof und Krieg sind die beiden Seiten eines unbegreiflichen Willens zur Lebensvernichtung. Im ersten Kapitel der "Niederschrift" (Band II des Romans Fluß ohne Ufer) geht der Komponist Gustav Anias Horn in den Stall, bettet sein Haupt an den Hals der Stute Ilok und weint. Perrudja (Held des gleichnamigen Romans) liebt ein Pferd: "Perrudja kroch heran, biß lose in das samtene Fell, barg seinen Kopf zwischen den Schenkeln und träumte, träumte sich alle Stürze der Welt." Weil das Tier nicht unter, sondern neben dem Menschen steht, als ein rätselhaft Anderes, ist jene Tierliebe, die gemeinhin Sodomie heißt, weder obszön noch lächerlich, sondern allenfalls auf bestürzende Weise vergeblich. In dem Drama Medea berichtet Jasons Sohn von seiner ersten Begegnung mit Kreons Tochter. Er reitet auf einer Stute, sie auf einem Hengst. Die Reiterin holt ihn ein. Ehe er sich's versieht, besteigt der Hengst die Stute und bringt den Reiter in die drangvollste Lage. Was in dieser Szene an Männerängsten und Menschenphantasien drinsteckt, ist klar. Deshalb eignet sich Jahnns Werk nicht für die Psychoanalyse. Auf fast unschuldige Weise ist es offenkundig und folgt allen Triebregungen. Jahnn reduziert den Menschen auf das biologische Material, weil das Kreatürliche die Basis ist und der geistige Überbau eine Übersteigerung, die den Ruin der Schöpfung bedeutet. Jahnns Werk ist ein Protest gegen das anthropozentrische Weltbild. Verweigerung der Moral: Der Leichtmatrose Alfred Tutein ermordet Ellena, die Verlobte Gustavs (im Holzschiff, Band I von Fluß ohne Ufer). Er stößt ihr das Knie in den Mund und erdrosselt sie. Den Leichnam versteckt er in den Laderäumen der "Lais". Aus Furcht, der Verwesungsgeruch könnte zur Aufdeckung des Verbrechens führen, übergießt er die Tote mit Holzteer. "Über das Antlitz Teer. Über die Brüste Teer. In den unordentlich bekleideten, aufgedunsenen Schoß Teer. Er behing die Wehrlose mit den groben Fetzen, zog ihr einen weiten Mehlsack über den Oberkörper. Und entleerte den Rest der Kanne über das hingestauchte Bündel aus Sacktuch, Papier und Fleisch." Die Tat hat kein Motiv. "Alfred Tutein sagte...

Erstausgabe. WG 12,2. 830 und 742 Seiten. Teil der Erstausgabe des Willi Weismann Verlags, der von der Europäischen Verlagsanstalt übernommen wurde. Erkennbar an dem Verlagssignet "WWW" auf dem Leineneinband und der Ankündigung des Epilogbandes für das Jahr 1951 am Ende des 2. Teils. Originalleinen mit Schutzumschlag und mit Deckelvignette (Monogramm des Autors). Schutzumschlag von Teil 1 in schlechtem Zustand. Beide Teile das Papier zeitbedingt etwas gebräunt.

[SW: Willi Weismann Verlag, Erstausgaben, Verlagsgeschichte, Buchwesen, Deutsche Literatur der 50 er Jahre, Deutsche Literatur der 50-er Jahre, Literaturtheorie, Germanistik, Literaturkritik, Literaturgattungen, Literaturepochen, Literaturrezeption, Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Literaturgeschichte, Literaturwissenschaften]

Details

Jahnn, Hans Henny: Die Niederschrift des Gustav Anias Horn nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war, 1.Band. (Fluss ohne Ufer, zweiter Teil, Band 1.) Deutsche Erstausgabe, Willi Weismann Erste Aufl. | Deutsche Erstausgabe Wilpert/Gühring 14,2,1 1949 München
830 S.S. 8°

Leinen Fadengehefteter, graublauer, geprägter Ganzleinenband. Einband und Schnitte leicht fleckig, Papier allg. etwas nachgedunkelt, Exlibris auf Innendeckel, handschriftlicher Namenszug auf Vorsatz. Das Buch, der erste Band des zweiten Teils von Jahnns fulminanter Romantrilogie insgesamt in rundum gutem Zustand. Hans Henny Jahnn eigtl. Hans Henry Jahn (* 17. Dezember 1894 in Stellingen; 29. November 1959 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller, Orgelreformer und Musikverleger. Sohn eines Schiffbauers besuchte ab 1904 die Realschule in St. Pauli, wo er auch Gottlieb Harms (1893-1931, später Musikschriftsteller) kennenlernte, dann ab 1911 die Oberrealschule Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel, auf der er 1914 sein Abitur machte. Jahnn emigrierte 1915 zusammen mit Harms nach Norwegen, um dem Ersten Weltkrieg zu entgehen. Ende 1918 kehrte er zunächst nach Hamburg zurück, zog dann für kurze Zeit aufs Land bei Eckel. Hier lebte er mit Gottlieb Harms und Franz Buse (1900-1971, damals Bildhauer). Auch andere Personen, wie Ellinor Philips (1893-1970), Jahnns spätere Ehefrau, wohnten dort. Obwohl sich Jahnn öffentlich nie dazu bekannte und heiratete, gilt als eindeutig erwiesen, dass er von Jugend an homosexuelle Beziehungen unterhielt,[1] unter anderem zu Harms, der seine große Liebe war und neben dem er bestattet liegt. 1919 gründeten Jahnn, Harms und Buse gemeinsam die Künstlergemeinschaft Ugrino. Sie entstand - wie viele ähnliche Gruppen in der Weimarer Republik - aus dem Bedürfnis nach neuer Sinnstiftung und als Alternative der von vielen als enttäuschend empfundenen Situation nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gemeinschaft Ugrino wollte Kunstwerke aller Art erhalten und neue schaffen. Insbesondere sollten auf einem eigenen Grundstück, das teilweise auch gekauft wurde, Sakralbauten errichtet werden (Architekt: Jahnn). Letztlich blieben aber die meisten Pläne der Gemeinschaft Ugrino unausgeführt. Erfolgreich war die Gründung des Ugrino-Verlags (1921) zusammen mit Gottlieb Harms, in dem Werke barocker und vorbarocker Komponisten erschienen, die von der Fachwelt anerkannt werden. Gleichfalls im Jahr 1919 veröffentlichte Jahnn das Drama Pastor Ephraim Magnus, für das er 1920 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet wurde (UA 1923). Weitere Dramen folgten. Manche Presseorgane taten sich schwer mit Jahnns Stücken, stellten sie doch oft extreme Gefühlslagen und Handlungen dar (Inzest, Homosexualität, Verstümmelung ). Die Stücke wurden teils heftig kritisiert, teils aber auch aus berufenem Munde (Thomas Mann) aufs höchste gelobt. Obwohl Jahnn seit Beginn der 1930er Jahre vor der NSDAP gewarnt hatte und der linksliberalen DDP-Abspaltung Radikaldemokratischen Partei (RDP) beigetreten war,[2] wollte er doch nicht endgültig emigrieren und den Kontakt mit Deutschland nicht verlieren. Er war überzeugt, dass er als Schriftsteller nur in Deutschland seinen Lebensunterhalt sichern konnte. Darum blieb er z.B. Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Die Nationalsozialisten standen ihm feindlich gegenüber (aufgrund seiner Stücke wurde er in der Presse u. a. als "Kommunist und Pornograph" bezeichnet) und durchsuchten mehrfach seine Wohnung in Hamburg. Darum verließ Jahnn im Frühjahr 1933 Deutschland und hielt sich während der nationalsozialistischen Diktatur meist im Ausland auf, kehrte aber immer wieder für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Seit 1934 wohnte er auf Bornholm in Dänemark, wo seine Schwägerin Sibylle, gen. Monna Harms, auf Jahnns Rat einen Bauernhof erworben hatte, den er bis 1950 bewirtschaftete. Auf Bornholm verfasste er auch den größten Teil seines Hauptwerkes Fluß ohne Ufer, einer gewaltigen Trilogie von über 2000 Seiten, deren letzten Band Epilog er nicht abschloss. Seine Dramen "Spur des dunklen Engels" und "Neuer Lübecker Totentanz" wurden von seinem Patensohn Yngve Jan Trede vertont, dessen musikalische Hochbegabung Jahnn erkannte und förderte. 1950 kehrte er zurück nach Hamburg und setzte sich vor allem gegen die Entwicklung von Atombomben und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein. Jahnn war Mitbegründer und erster Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg. 1956 reiste er nach Moskau, am 29. November 1959 erlag er einem Herzleiden im Blankeneser Krankenhaus Tabea. Der Freund und Arzt Prof. Dr. Gotthold Möckel war in den letzten Stunden bei ihm. Sein Grab befindet sich auf dem Nienstedtener Friedhof. Die Grabanlage hat Jahnn gemäß den Vorgaben der Ugrino-Satzung entworfen. Auch seinen schweren, wachsversiegelten, mit Metall ausgekleideten Sarg aus überdickem Holz hatte er sich zu Lebzeiten nach der Ugrino-Satzung konstruieren lassen. Bei der Beerdigung mussten die Träger den Sarg auf dem Weg zum Grab alle drei Schritte absetzen.[3] Sein letzter, wiederum unvollendeter Roman Jeden ereilt es erschien erst postum 1968, die Erzählung Die Nacht aus Blei, ein Auszug daraus, erschien schon im Jahr 1956. Literarisches Werk Jahnn, der ein bedingungsloser Pazifist war, hat einmal den Menschen als "Schöpfungsfehler" bezeichnet. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. Rettung sucht er in der Natur, deren Schönheit und Harmonie er in grandiosen Landschaftsschilderungen (etwa in seinem Roman Fluß ohne Ufer) unermüdlich schildert. Zugleich kann er nicht übersehen, dass auch die Natur grausam sein kann. Versöhnung, so seine Hoffnung und der Antrieb seines Schreibens, kann allein die Kunst bewirken. Jahnns in vieler Hinsicht ungewöhnliches literarisches Werk lässt sich durch die folgenden Strukturmerkmale näher bestimmen: Reduktion des Menschen: Jahnn versteht die simple Wahrheit, dass der Mensch Teil der Natur sei, wörtlich und radikal. Der Mensch ist nicht über das Tier erhaben. Beiden gleich ist die Empfindung des Schmerzes, und das Leben ist ein universaler und permanenter Schmerz, mit dem Unterschied freilich, dass die Tiere den Schmerz ohnmächtig erdulden, während der Mensch planvoll und umsichtig Schmerz zufügt: sich selber und seinesgleichen, den Tieren und der gesamten Natur. Schlachthof und Krieg sind die beiden Seiten eines unbegreiflichen Willens zur Lebensvernichtung. Im ersten Kapitel der "Niederschrift" (Band II des Romans Fluß ohne Ufer) geht der Komponist Gustav Anias Horn in den Stall, bettet sein Haupt an den Hals der Stute Ilok und weint. Perrudja (Held des gleichnamigen Romans) liebt ein Pferd: "Perrudja kroch heran, biß lose in das samtene Fell, barg seinen Kopf zwischen den Schenkeln und träumte, träumte sich alle Stürze der Welt." Weil das Tier nicht unter, sondern neben dem Menschen steht, als ein rätselhaft Anderes, ist jene Tierliebe, die gemeinhin Sodomie heißt, weder obszön noch lächerlich, sondern allenfalls auf bestürzende Weise vergeblich. In dem Drama Medea berichtet Jasons Sohn von seiner ersten Begegnung mit Kreons Tochter. Er reitet auf einer Stute, sie auf einem Hengst. Die Reiterin holt ihn ein. Ehe er sich's versieht, besteigt der Hengst die Stute und bringt den Reiter in die drangvollste Lage. Was in dieser Szene an Männerängsten und Menschenphantasien drinsteckt, ist klar. Deshalb eignet sich Jahnns Werk nicht für die Psychoanalyse. Auf fast unschuldige Weise ist es offenkundig und folgt allen Triebregungen. Jahnn reduziert den Menschen auf das biologische Material, weil das Kreatürliche die Basis ist und der geistige Überbau eine Übersteigerung, die den Ruin der Schöpfung bedeutet. Jahnns Werk ist ein Protest gegen das anthropozentrische Weltbild. Verweigerung der Moral: Der Leichtmatrose Alfred Tutein ermordet Ellena, die Verlobte Gustavs (im Holzschiff, Band I von Fluß ohne Ufer). Er stößt ihr das Knie in den Mund und erdrosselt sie. Den Leichnam versteckt er in den Laderäumen der "Lais". Aus Furcht, der Verwesungsgeruch könnte zur Aufdeckung des Verbrechens führen, übergießt er die Tote mit Holzteer. "Über das Antlitz Teer. Über die Brüste Teer. In den unordentlich bekl...

[SW: Deutsche Literatur Romantrilogie | Hans Henny Jahnn | Erstausgaben]

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