Gesicht

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Mungan, Murathan: Tschador, BLUMENBAR VERLAG, September 2008 ISBN: 9783936738414

Sofort lieferbar! Mängelexemplar mit Lagerspuren. Rechnung mit MwSt. Gebunden, 128 S., 19,6cm x 12,8cm x 1,4cm, Ein junger Mann namens Akbhar kehrt nach Jahren des Exils in sein Heimatland zurück. Ängstlich, aber auch von Hoffnung getrieben, begibt er sich auf die Suche nach den Menschen, die er einst geliebt und in seinem Herzen aufbewahrt hat: die Mutter, die Schwester, seine Geliebte. Ein neues Regime ist an der Macht, das Land ist sichtbar vom Krieg zerstört, er erkennt es kaum wieder. Die Orte der Kindheit und Jugend scheinen unauffindbar zu sein. So irrt Akbhar von Tür zu Tür, von Stadt zu Stadt. Was ihn am meisten beunruhigt, ist der Anblick der Frauen, deren Gesichter hinter einem Tschador versteckt sind - so als wäre damit die "Hälfte des Lebens" ausgelöscht, wie er sagt. "Ich kann zwar nicht lesen", sagt Akbhars Fahrer zu Beginn der Reise, "aber Menschengesichter sind für mich Geschriebenes." LESEPROBE Obwohl sich in der Ferne die kahlen Berge zum Verzweifeln ähnlich sehen, die niedrigen Hügel denkbar fahl wirken, der Sand zu fast gleich hohen Dünen zusammengeweht ist und die staubige Sonne alles, was er bisher gesehen hat, mit der gleichen Ungerührtheit versengt, fühlt Akhbar doch, dass er seinem Land näher kommt, dass es nicht mehr weit bis zur Grenze ist, doch nicht an vertrauten Wegzeichen erkennt er das, sondern an Untiefen seines Herzens, an die er nicht einmal eine Erinnerung hat. Die Hitze hat die beiden eingelullt. Schon lange reden sie nicht mehr und lauschen nur noch auf den Weg, auf die Sonnenglut, auf die Wüste, der sie mal näher, mal ferner sind. Was sie einander zu sagen hatten, war schnell verbraucht, bald hatten sie gar kein Bedürfnis mehr zu sprechen. Um sich vor dem scharfen, heißen Wüstenwind zu schützen, halten sie die Autofenster dicht geschlossen, und der Blick durch die sandige Verschleierung verrät Akhbar nichts darüber, woran sie gerade vorbeiziehen, wohin sie gerade fahren. Es ist ein altes, hochbeiniges Auto mit gewaltigen Reifenprofilen und offener Ladefläche; wo Lack abgesprungen war, hatte man in diversesten Farben ausgebessert. Unterwegs mussten sie unzählige Male anhalten. An kühlen Orten schöpften sie Kraft. Als Akhbar den Schweiß bemerkt, der dem Fahrer von der Stirn bis zum Hals rinnt, fällt ihm selbst wieder ein, die Hand zum Gesicht zu führen. Er weiß, dass man es irgendwann aufgibt, sich den Schweiß abzuwischen. Mit dem dünnen Seidenstoff seines gelben, mit weißen Fäden durchwirkten Turbans wischt er sich Gesicht und Kopf ab, wickelt sich dann den Turban wieder um und zieht ihn fest. Er reibt sich das Gesicht, um sich zu erfrischen. Der Fahrer nimmt diese Vorbereitungen wahr und sagt lächelnd, als wolle er sie gutheißen: "Wir sind bald an der Grenze." Trotz der dicken, violetten Lippen und der vielen Zahnlücken ist es ein gutes Lächeln. Es weckt keine dunklen Gefühle in einem. Akhbar lächelt zurück. Als am Horizont die ersten Anzeichen für die Grenze sichtbar werden, spürt Akhbar, wie vertrocknet seine Lippen sind, und führt die Feldflasche zum Mund. Da fällt ihm ein, dass er höflichkeitshalber zuerst den Fahrer hätte fragen müssen. "Willst du auch etwas?" Der Fahrer schüttelt den Kopf. Hatte die Grenze aus der Ferne lediglich als Ansammlung einzelner Gebäude gewirkt, so bemerkt Akhbar nun, dass sie viel befestigter ist, als er gedacht hätte. Er sieht elektrischen Stacheldraht, kleine Erdhaufen, unter denen sich Minen vermuten lassen, Wachtürme, Gräben, Schutzwälle und in breiten Löchern je eine zimmergroße Hütte, deren Zweck sich nicht erschließt. Zwar hofft er, mit seinem neuen Pass und den sonstigen Papieren, die er zigmal überprüft hat, wird es an der Grenze keine Schwierigkeiten geben, doch wacht in ihm dennoch eine Furcht. Sie wird von dem genährt, was ihm in der Ferne zu Ohren kam, von Zeitungsberichten und Flüchtlingserzählungen, und nicht zuletzt von der Wahrscheinlichkeit, dass sein Pech, dem er schon so oft in die Falle ging, ihm wieder einen Streich spielen würde. Würde es nicht Argwohn erregen, dass er nach so vielen Jahren in die Heimat zurückwollte? Würden die Behörden ihm das nicht negativ auslegen und versuchen, ihn mit absurden Fragen, auf die er keine Antwort wüsste, in die Enge zu treiben? Ihn tröstet allein, dass er das Land lange vor dem Regierungssturz verlassen hat und seiner Rückkehr nichts Politisches anhaftet. Das würden sie vermutlich wissen. So gründlich und leidenschaftlich, wie sie die Grenze bewachten, wussten sie es sogar bestimmt. Akhbar ist jemand geworden, der sich in nichts mehr einmischt, nie. Der Fahrer sieht ihm seine Befürchtungen an. "Du sorgst dich ganz umsonst. Es passiert nichts, du wirst sehen. Ich fahre mindestens fünf Mal pro Woche hier durch. Es ist alles nicht mehr so streng wie früher. Lügen entstehen, wenn jeder der Wahrheit etwas hinzufügt." Akhbar wäre gern sicher, dass diese Worte nicht nur seiner Beruhigung dienen sollen. An der Grenze werden sie angehalten. Der Fahrer steigt aus und wird von den Soldaten wie ein alter Bekannter gegrüßt. Akhbar gewinnt ein Stück Sicherheit zurück. Es waren also nicht leere Worte gewesen, als der Fahrer gesagt hatte: "Ich bringe dich sicher über die Grenze." Im Schatten des Wachgebäudes unterhalten sich die Soldaten und der Fahrer; es ist ihnen nicht anzusehen, worüber. Von ihren Gesichtern, ihrer ganzen Haltung geht eine nichtssagende Normalität aus, die schon fast einstudiert wirkt. Dann holen sie Akhbar zu sich und treten ins Innere des Gebäudes. Außer dem entnervenden Quietschen des Deckenventilators mit seinen riesigen Flügeln ist nichts zu hören. Hinter einem Tisch sitzt ein hochrangiger Militär, dem versteinerte Abscheu ins Gesicht geschrieben steht, und sieht lange schweigend und ungläubig Akhbars Papiere durch. Als wolle er sein Gegenüber in eine Falle locken, sieht er manchmal ruckartig auf und richtet bohrende Blicke auf Akhbars Gesicht, wie um darin Antworten zu suchen, die in den Papieren nicht zu finden sind. Offensichtlich wägt er ab, was die Wahl dieses wenig benutzten Grenzübergangs zu bedeuten hat. Wie unschuldige Menschen es in solchen Fällen oft tun, wendet Akhbar mit schuldigem Blick das Gesicht ab. Aus diesem Blick spricht die Furcht, man werde zu Unrecht als Opfer auserkoren... Als sie wieder ins Auto steigen, fühlt Akhbar sich unendlich leicht. Die Furcht so vieler Jahre ist plötzlich verflogen. Den fern der Heimat verbrachten Nächten ist ein Morgen geworden. Ein Aufwachen in vertrauten Armen nach einem Alptraum. Er denkt, der restliche Teil der Reise wird nun viel schneller vergehen. Plötzlich merkt er, dass er sogar die Hitze vergessen hat. Die nicht unbeträchtliche Summe, die er dem Fahrer gezahlt hat, war also verdient. "Warum haben sie deine Papiere nicht verlangt?" fragt er ihn. "Wie gesagt, ich komme hier mindestens fünf Mal pro Woche durch. Die kennen mich inzwischen besser, als meine Mutter mich kennt. Was sollen sie mich da nach Papieren fragen? Sie wissen, daß ich nichts Unrechtes tue. Menschenschmuggel ist viel lukrativer, aber das habe ich kein einziges Mal gemacht. Man weiß nie, wann man dabei verliert. Ich mache nichts, was mir Scherereien bringt." "Warum hast du mir dann geglaubt? Ich hätte dich doch anlügen können." "Ich kann zwar nicht lesen, aber ich kenne Buchstaben, und da ich meine Buchstaben kenne, verstehe ich Geschriebenes. Menschengesichter sind für mich Geschriebenes." Über Akhbars Gesicht fährt ein Zucken. Sie schweigen wieder lange. Nach einer Weile sehen sie ein massives, wie eine alte Festung von hohen Mauern umgebenes Bauwerk auftauchen, das anscheinend aus mehreren miteinander verbundenen Gebäuden besteht. Es sieht unheimlich aus, furchteinflößend, wie eine Märchenburg, in der gute Menschen von Bösewichten festgehalten werden. "Was ist das?" fragte Akhbar erstaunt. "Sie nennen es Sammelpunkt. Es ist sowohl Gericht als auch Gefängnis und Lager. Ein Ort für verschiedenerlei Zwecke. Hierher werden Illegale, Verbrecher und Schmuggler verbracht. Und dann gesc...

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Schwarz, Reiner: Reiner Schwarz. Ausstellung in der Galerie Walther, Düsseldorf, im Juni 1978. Düsseldorf : Galerie Walther, 1978.
Ein gutes und sauberes Exemplar. - Reiner Schwarz zeigt Gesichter. Sein Thema ist das Gesicht. Ist es jedenfalls bis jetzt und in der Hauptsache gewesen. Das eigene Gesicht und das andere Gesicht. Das eigene Gesicht als das andere Gesicht. Das andere Gesicht als das eigene Gesicht. Reiner Schwarz hat neben anderen (in der Bundesrepublik etwa Horst Janssen) das Selbstporträt wieder mit Aktualität erfüllt. Was heißt Aktualität? Was sieht er wenn er sich selbst ins Gesicht sieht? Was zeigt er wenn er sich selbst ins Gesicht sieht? Nicht den Abklatsch. Nicht das erfüllte Gesicht. Weder die Illusion des fotografierten Gesichts noch das Gesicht als Ebenbild. Sondern Stücke von Gesicht. Einzelheiten. Ein vorgestülptes Gesicht. Ein verkehrtes Gesicht. Ein schützend abgewehrtes Gesicht. Ein hündisches Gesicht. Zitate von Selbstporträt. Keine Karikatur. Kritisch selbstentblößend? -

81 S. Mit zahlr. Abb. Originalbroschur.

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Matt, Peter von: ... fertig ist das Angesicht : zur Literaturgeschichte des menschlichen Gesichts. Suhrkamp-Taschenbuch ; 1694. [Frankfurt (Main)] : Suhrkamp, 1989. ISBN: 3518381946
Ein sehr gutes Exemplar. - Erster Teil: Kafka der Porträtist - Kafkas Glück - Erster Hinweis auf die Porträts - Umschlag und Verwandlung - Gesicht und Begegnung - Die Dramatik der Augenbegegnung "Zerlegen" - Variantenspektrum - Das Selbstporträt - Feiice - Exkurs I: Der Gattungscharakter des literarischen Porträts - Zweiter Teil: Das literarische Bildnis in "Dichtung und Wahrheit" - Anmerkung zu Goethes Schreibverfahren - Ausbleibende Synthese - Zwischenbemerkung zu Goethe und Lavater - Vom "An-sich" zum "Für-mich" - Das hartnäckige Konkretum - Das Problem der blassen Texte - Lenz und Gottsched - Die Physiognomie des Physiognomikers - Die Schwester - Exkurs II: Die grundsätzliche Unbeschreibbarkeit des - menschlichen Gesichts - Dritter Teil: Die Gesichtsbeschreibung im bürgerlichen Jahrhundert - Immermann über Grabbe: der Autor als Richter - Marie von Ebner-Eschenbach über Grillparzer: - der Dichter als Märtyrer - Vischer über Uhland: das erreichte Monument - Hinweis auf ein Beethoven-Bild ohne Porträt-Absicht - Heine über Casimir Perier: Freiheit aus Widersprüchen - Heine über George Sand: die Schönheitspflicht der Frauen Exkurs III: Möglichkeiten und Grenzen der Symbolisierung-Zur Psychoanalyse der Gesichtserfahrung Vierter Teil: Das moderne Gesicht - Im Anfang liegt das Ende: Lavaters "treugutmütige - Zürchergesichter" und der Mörder Moosbrugger - Rilkes Rodin: die Subversion des Mythischen - Musil und das mathematische Gesicht - Musils Zwiegesichter - Heinrich Mann und Hitler: entartete Kunst als Waffe - Zum Problem des artifiziellen Selbstporträts - Else Lasker-Schülers Doktor Benn: Annäherung an das - heilige Chaos - Die Heroen und die Virtuosen: Stefan Zweigs - Dostojewski, mit einer Anmerkung zu Hofmannsthals - Heldenverehrung - Testfall I: Grass und die Nase eines Politikers - Testfall II: Frisch und die Entblößtheit des Bertolt - Brecht - Fünfter Teil: Das Gesicht im Erzähltext - Die Unnötigkeit des Porträts: Don Quijote - E T A Hoffmanns Warnung und Inkonsequenz - Das erzählte Gesicht und die Leser-Arbeit - Die Funktion des erzählten Gesichts in Vorausdeutung - und Sympathieführung - Das Beispiel Aschenbach - Das Gesicht in der Figurenperspektive: Simplizissimus - und Sandmann - Die romantische Relativierung des Gesichts - Das Gesicht im modernen Erzählen des Erzählens - Schluß: Gesicht und Geborgenheit - Kafkas Verstörung vor dem Kindermädchen - Selbstgewinn im Schreiben: der magische Satz - Lesen als Zuhausesein - Anmerkungen. ISBN 3518381946 - , ISBN-13: 9783518381946

1. Aufl. 262 S. ; kart.

[SW: Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Gesicht, Mensch]

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Petra Löffler; Leander Scholz: Das Gesicht ist eine starke Organisation, DUMONT BUCHVERLAG GMBH, Mai 2004 ISBN: 9783832178727

Sofort lieferbar! Mängelexemplar mit Lagerspuren. Rechnung mit MwSt. Kartoniert / Broschiert, 351 S., Zahlr. Abb-, 24,1cm x 16,7cm x 2,7cm, Die Zukunft des Wissens ist multimedial. Unsere tradierte historische Kultur ist konfrontiert mit einer ,Medienrevolution', der kulturkonservatives Ressentiment ebenso wie utopische Hardware-Gläubigkeit hilflos gegenüberstehen. Gefordert sind die Kulturwissenschaften im interdisziplinären Verbund mit Natur- und Sozialwissenschaften. In dem von Ludwig Jäger geleiteten Kölner Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg ,Medien und kulturelle Kommunikation' hat der für die Erforschung unserer Medienkultur notwendige Diskurs seinen Ort. Überall Gesichter: in der Werbung, in der Politik, der Kunst, selbst ein Auto kann ein Gesicht haben, oder etwa eine Landschaft und natürlich auch der Mond. Um ein Gesicht zu sehen, reichen schon wenige Striche aus. Will man etwas anschaulich machen, dann gibt man ihm am besten ein Gesicht. Gesichter versprechen Identität und Intimität. Als Projektion, Vermittlung und Organisation von Wahrnehmung sind Gesichter aus den visuellen Medien nicht wegzudenken. Das Gesicht ist der hervorragende Schauplatz für die Frage nach dem Menschen. Der Band Das Gesicht ist eine starke Organisation geht der anhaltenden Prominenz des Gesichts nach und befragt die anthropologischen Unterscheidungen, die traditionell am menschlichen Gesicht festgemacht werden, nach ihren medialen Bedingungen.

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