Fidelio Eine Grosse
Es wurden insgesamt 12 Einträge zu 'Fidelio Eine Grosse' gefunden (Stand: 22.04.2011).
Sehen Sie sich die aktuell angebotenen Bücher zu 'Fidelio Eine Grosse' an.
Wagner, Richard: Rienzi (dreibändig) Rienzi (in three volumes)
S. 1204, Richard Wagner (geb. Leipzig,, 22. Mai 1813 - gest. Venedig, 13. Februar 1883) "Rienzi" (Rienzi, der letzte der Tribunen) Grosse tragische Oper in fünf Akten Libretto von Richard Wagner nach Edward Bulwer Lytton Uraufführung: Dresden, 20. Oktober 1842 Vorwort Wilhelm Richard Wagner wird am 22. Mai 1813 als neuntes Kind des Leipziger Polizeiaktuars Friedrich Wilhelm Wagner und seiner Frau Johanne geboren. Nach dem Tod des Vaters in Richards erstem Lebensjahr heiratet die Mutter den Schauspieler Ludwig Geyer, dem die Familie ins Engagement nach Dresden folgt. Durch ihn bekommt Richard erste, nachhaltige Eindrücke aus der Theaterwelt; doch Geyer stirbt bereits 1821. Sechs Jahre später ziehen die Wagners nach Leipzig zurück, wo Richard die Schule besucht, sich aber mehr mit Dichtung im Stil von Shakespeare und Schiller sowie Theater und Komposition beschäftigt. Seine Gymnasialzeit beendet er ohne Reifeprüfung. Romantische Musik, vor allem Webers Freischütz, Beethovens Oper Fidelio und seine Symphonien beeinflussen den jungen Autodidakten entscheidend. Theodor Weinlich, Kantor der Thomaskirche, erteilt ihm schliesslich Unterricht in Komposition. 1831 erhält Wagner die Erlaubnis, sich als Student der Musiktheorie an der Leipziger Universität einzuschreiben. 1833 wird er in Würzburg Chordirektor, kann Theatererfahrung sammeln und an einer ersten Oper Die Feen arbeiten. Als Opernkapellmeister zieht er 1834 nach Magdeburg, wo 1836 seine zweite Oper Das Liebesverbot uraufgeführt, jedoch wenig beachtet wird. Noch im selben Jahr geht er als Kapellmeister nach Königsberg und heiratet die Schauspielerin Minna Planer. Im darauffolgenden Jahr erhält er ein Engagement in Riga; in dieser Zeit komponiert er an Rienzi. Vor seinen Gläubigern flieht Wagner nach Paris in die meyerbeersche Hochburg der Oper. Trotz erheblicher existenzieller Schwierigkeiten kann er hier Rienzi fertigschreiben und das Libretto zum Fliegenden Holländer beginnen. 1842 kommt die vorläufig rettende Berufung zum Königlichen Kapellmeister nach Dresden, wo Rienzi noch im selben Jahr erfolgreich uraufgeführt wird. Der fliegende Holländer hat ein Jahr später Premiere, wird aber vom Publikum ziemlich kühl aufgenommen. Im Frühjahr 1845 beendet Wagner die Arbeit an Tannhäuser und wendet sich der Sarazenin zu, die er jedoch nie vollendet; er schreibt zu dieser Zeit bereits an den Text zu den Meistersingern. Die Tannhäuser-Erstaufführung am 19. Oktober desselben Jahres stösst auf wenig Verständnis - die Oper wird als zu "lang und langweilig" empfunden. 1848 befindet sich Wagner inmitten revolutionärer Aktivitäten: Er wird steckbrieflich gesucht und muss nach Zürich ins Exil gehen. Durch die Verbannung vergrössert sich seine Bekanntheit, und Franz Liszt und weitere Anhänger setzen sich ausserdem stark für ihn ein. 1850 bringt Liszt die Wagners Lohengrin, die zwei Jahre früher wegen dessen politischer Gesinnung in Dresden abgewiesen wurde, in Weimar heraus; die Oper gefällt dem Publikum, bei der Kritik aber fällt sie durch. Liszt gibt 1851 ein weiteres Werk für Weimar in Auftrag und Wagner präsentiert sein Opernprojekt Der junge Siegfried. Bald darauf entwickelt Wagner die Idee, drei Dramen sowie ein Vorspiel zu diesem Thema zu schreiben. Damit sind jedoch die Ressourcen der Weimarer Oper gänzlich überfordert; dessen ungeachtet beginnt Wagner 1852 mit der Planung für den Ring des Nibelungen, zu dem er schon seit 1846 erste Ideen notiert hat. In Zürich entwickelt Wagner als visionärer Theoretiker den Begriff Gesamtkunstwerk' erstmals für sein Kunstwollen und seine Vision der Vereinigung der Künste im Kunstwerk der Zukunft - wie zahlreiche theoretische Schriften zwischen 1850 und 51 belegen: "Kunst und Revolution", "Das Kunstwerk der Zukunft" und "Oper und Drama"; im letztgenannten kritisiert er die bis dahin praktizierte, aber ausgediente Form' der Oper. Daneben arbeitet er an Das Rheingold und Die Walküre. Siegfried lässt er mitten im zweiten Akt liegen, um sich dem Tristan-Stoff zuzuwenden. 1857 stellt ihm eine neue Bekanntschaft, das Ehepaar Wesendonck, ein bequemeres Haus zur Verfügung. Wagners leidenschaftliche Liebe zu Mathilde Wesendonck ist in den Tristan-inspirierten Wesendonck-Liedern verewigt, die unter Verwendung fünf ihrer Gedichte entstanden. Sie ist die Muse, die nun sein Tristan vorantreibt, dessen Sehnsucht und verbotene Liebe die prekäre Situation Wagners widerspiegelt. Als seine Ehefrau Minna 1860 stirbt, hat Wagner sich jedoch bereits wieder von Mathilde abgewandt. Seine immer grösser werdenden finanziellen Probleme und das Exil führen zu Vereinsamung und Isolation; sein 1861 in Paris aufgeführter, mit einem Ballet erweiterter Tannhäuser gerät zu einem fulminanten Skandal. Aufgrund einer Amnestie darf Wagner endlich wieder nach Deutschland zurückkehren, und es scheint, als breche für ihn eine Glückssträhne an: Die Begegnung mit seinem grössten Bewunderer, dem jungen König Ludwig II von Bayern, dessen Protektion sowie finanzielle Hilfe ihn aus der Not rettet. Während der Münchener Zeit wird 1865 Tristan und Isolde uraufgeführt, stösst jedoch auf wenig Verständnis. Nachdem er in einen handfesten erotischen Skandal verwickelt ist - es dreht sich um Cosima, Tochter von Franz Liszt und Noch-Ehefrau des Freundes und Dirigenten Hans von Bülow - muss Wagner Bayern verlassen. Zusammen mit Cosima zieht Wagner nach Triebchen bei Luzern; hier wird auch der gemeinsame Sohn Siegfried geboren. In den sechs Jahren, die Wagner in Triebchen verbringt, beendet er Die Meistersinger, Siegfried, bewältigt einen Grossteil der Arbeit zu seiner Götterdämmerung und heiratet 1870 Cosima. König Ludwig hatte sich aufgrund der Cosima-Geschichte zurückgezogen, verbleibt jedoch loyaler Bewunderer und Förderer der Musik Wagners. 1868 überwältigt Die Meistersinger von Nürnberg bei der Uraufführung in München zwar das Publikum, wird aber von der Fachwelt beckmesserisch kritisiert. 1869 folgen Das Rheingold sowie 1870 Die Walküre, deren Erstaufführungen König Ludwig sich gesichert hatte. Der langgehegte Plan eines Festspielhauses für den auf den herkömmlichen Bühnen kaum zu verwirklichenden gesamten Ring kommt nun durch die Stadt Bayreuth sowie durch König Ludwigs grosszügige Finanzierung zur Ausführung. Im April 1871 wird der Grundstein des Bayreuther Festspielhauses gelegt. Nach dem Umzug in die Bayreuther Villa "Wahnfried" 1874 arbeitet Wagner an der Partitur zu Parsifal und beendet die Götterdämmerung. 1876 eröffnet das Festspielhaus am Grünen Hügel mit einem kompletten Ring des Nibelungen - eine künstlerische Manifestation, die zudem ein nationales Deutschland zu symbolisieren scheint. Wagner hat erreicht, was er sich vorgenommen hatte - und wenn auch Bayreuth sich ganz und gar nicht rentiert, hat er grosse Berühmtheit erlangt und ein Theater bauen lassen, das sich bis heute allein der Kunst Wagners widmet. Sorgen um das Festspielhaus schwächt jedoch seine Gesundheit. Am 16. Juli 1882 findet in Bayreuth die Premiere des Parsifal mit grossem Erfolg statt. Im darauffolgenden Herbst reist die Familie Wagner nach Venedig, wo Richard Wagner im Februar 1883 im Palazzo Vendramin verstirbt. Seine sterblichen Überreste werden nach Bayreuth gebracht und im Garten der Villa Wahnfried beigesetzt. Autokratisch herrscht Cosima über sein Werk - ab 1908 von ihrem Sohn Siegfried als Festspielleiter assistiert. Nach ihrem Tod wird sie 1930 neben ihrem Gatten begraben. Richard Wagner war die gewaltigste und umstrittenste Persönlichkeit des europäischen Kulturlebens seiner Zeit: Komponist, Dichter, Theoretiker, Philosoph und Ideologe - und der erste moderne, interpretative Dirigent. Er war genialer Erneuerer der Oper: Der sogenannte Tristan-Akkord, der keine Auflösung findet und dissonant bleibt, revolutionierte das gesamte Musikgeschehen und liess völlig neue musikstilistische Richtungen entstehen. Mit der konsequenten Einführung des Leitmotivs realisierte Wagner eine weitere Neuerung innerhalb seines Gesamtkunstwerks, das du...
Novak, Andreas: "Salzburg hört Hitler atmen". Die Salzburger Festspiele 1933 - 1944. München : DVA, 2005. ISBN: 3421058830
Ein gutes und sauberes Exemplar. - Jüdische Künstler im "Deutschen Rom" -- Festspielideologie und Österreich-Ideologie -- Der Weg auf die politische Bühne -- Konkurrenzfaschismus -- Deutsche Boykottpolitik -- Boykott und Musiktheater -- Die Auswirkungen auf das Schauspiel -- Wirtschaftskrise und Finanzprobleme -- Arturo Toscanini (1867-1957) -- Bruno Walter (1876-1962) -- Salzburger Nazis machen mobil -- "Heim ins Reich" -- Musikbolschewisten und Verfemte -- Die Unerwünschten -- "Ungeziefer und Muselhelden" -- Hitler in Salzburg -- Die Bücherverbrennung -- Das Weihespiel von Lamprechtshausen -- Nationale Internationalität -- Verpreußung und Bürokratie -- Die neue Liebe des Joseph Goebbels -- Schauspielchef Heinz Hilpert -- Die "Egmont"-Besetzung -- Werner Krauß, Spiellust und Tabubruch -- "Amphitryon" statt "Jedermann" -- Die Kopie des Verachteten -- Nochmals Knappertsbusch mit "Fidelio" und "Figaro" -- Karl Böhm debütiert in Salzburg -- Ein Radrennfahrer als Opernstar -- Tarnen und Täuschen -- Feierliche Eröffnung am 23. Juli 1938 -- Eine traurige Bilanz -- Zuckerbrot und Peitsche -- 1939: UMGEBAUTES FESTSPIELHAUS Macht durch Architektur -- Die Achse Berlin-Rom -- Südliche Grazie und nordischer Ernst -- Shakespeare und Moliere -- Hans Moser als Festspielstar -- Der "Führer" ist da! -- Die neue Aufgabe der Kunst -- DER MUSIKSOMMER 1940 Salzburg contra Bayreuth -- "Das große Geschenk der Ostmark" -- "Hitler kann mich am Arsch lecken" -- Wilhelm Furtwängler (1886-1954) -- Karl Böhm (1894-1981) -- Clemens Krauss (1893-1954) -- Richard Strauss ( 1864-1949) -- Eine komplizierte Dreiecksbeziehung -- "Operettenjuden" und "minderwertige Magyaren" -- FESTSPIELE IM MOZARTJAHR 1941 Kunst, Schwert und Holocaust -- Heil Mozart! -- Goebbels schickt Soldaten Viele neue Stimmen -- Der Feinddichter, Rahmenprogramm und Eintopfessen -- DIE KRIEGSFESTSPIELE 1942 Clemens Krauss, sein Vertrag und der Fall Swarowsky -- Große Pläne -- Hans Hotter (1909-2003) -- Der Fußtritt für Walter Felsenstein "Arabella" und der Krieg -- "Iphigenie" und der Personalwechsel im Schauspiel -- Parteigenosse Lothar Müthel -- Nestroy erstmals in Salzburg -- "Salzburg strahlt Lichter in die Kriegerherzen" Theophrastus von Hohenheim -- THEATER- UND MUSIKSOMMER 1943 Überall Krauss und Strauss -- Zwei Filmstars auf der Opernbühne -- Von Goethe zu alpinen Moritaten -- Heimat und Front -- DAS ENDE IM SOMMER 1944 Kunst und Apokalypse -- Absage im Namen des totalen Krieges -- Nur einmal "Die Liebe der Danae" -- Neubeginn und Kontinuität -- Ein besonderer Fall von Entnazifizierung. ISBN 3421058830, ISBN-13: 9783421058836
415 S. Mit Abb. Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag.
[SW: Salzburg, Salzburger Festspiele, nationalsozialismus, Kulturgeschichte]
Cherubini, Luigi: Lodoiska Lodoiska,
S. 446, Luigi Cherubini (geb. Florenz, 8./14. September 1760 - gest. Paris, 15. März 1842) Lodoiska Heldenkomödie in drei Akten Libretto von Claude Francois Fillette-Loreaux nach Les amours du Chevalier de Faublas von Jean-Baptiste Louvet de Couvrai. Erstaufführung: Paris, Theatre Feydeau, 18. Juli 1791 Vorwort Zwischen 1791 und 1796 haben gleich vier Komponisten den Lodoiska-Stoff als Oper vertont. Die von Luigi Cherubini war die erste; sie wurde mit großem Erfolg im Juli 1791 am Theatre Feydeau produziert. Nur einen Monat später folgte am Theatre Favart die Vertonung von Rodolphe Kreutzer. 1794 erschien in London eine Oper von Steven Storace, die das Libretto und einiges von der Musik Kreutzers verwendete; 1796 wurde außerdem in Venedig die von Simon Mayr herausgebracht, bald darauf in revidierter Form noch einmal im Teatro alla Scala in Mailand (1799). Die Beliebtheit dieser Handlung mag sich aus den politischen und soziokulturellen Ereignissen erklären, die Europa in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts im Griff hatten, kulminierend zunächst in den Aufständen in Frankreich, die sich dann im 19. Jahrhundert über ganz Europa ausbreiteten. Lodoiska war eine der ersten "Errettungs-Opern" bzw. "Revolutions-Opern"; das einzige heute noch bekannte Beispiel dieses Genres ist Beethovens Fidelio. Lodoiska, eine Bühnen-Bearbeitung von Louvets oben genannter Novelle, spielt in Polen und handelt von der Suche des Grafen Floreski nach der gleichnamigen Liebe seines Lebens, die von ihrem Vater auf das Schloß des Grafen Dourlinski in Sicherheit gebracht wurde. Lodoiskas Vater wußte allerdings nicht, daß Dourlinski der Bösewicht ist. So wurde die Zuflucht zum Gefängnis, und der Graf versucht mit den rohesten Verführungsmethoden, die Hand der Schönen zu gewinnen. Floreski hat jedoch zufällig die Bewunderung von Titzikan gewonnen, dem Anführer der Tartaren, die derzeit Polen besetzt hielten - durch eine ehrenvolle Niederlage beim Schwerterduell vor den Mauern von Dourlinski. Floreski und sein Diener Varbel erhalten Zugang zum Schloß, indem sie sich als Beauftragte von Lodoiskas Vater ausgeben. Während des Rettungsversuches greifen die Tartaren das Schloß an und brennen es nieder; die Liebenden werden vereint und der Schurke erhält seine verdiente Strafe. Man fragt sich unwillkürlich, was an dieser melodramatischen Handlung mit all den Baronen, Grafen, Tartaren, ihren Banalitäten, Zufällen und unglaublichen Verwicklungen das damalige Publikum so sehr fasziniert hat, daß unser "Italiener in Paris" damit seinen ersten internationalen Erfolg errang? Das Volk hatte genug von Adligen, die sich mit Süßigkeiten vollstopften und in ihren Besitztümern schwelgten, während es selbst wegen der hohen Preise für Brot hungerte und unter Steuern ächzte, die nur von den Armen genommen wurden, und so erhob es sich schließlich Im Jahr 1789. Die Gewalttätigkeit einer Revolution spiegelt üblicherweise das Ausmaß jener Ungerechtigkeiten wider, die sie ausgelöst haben, und demzufolge muß es enorme Ungerechtigkeiten in Frankreich gegeben haben. Das tägliche Leben der Bauern, Bourgeois und Blaublüter würde nie wieder das gleiche sein. Freie Bürger forderten, wie menschliche Wesen behandelt zu werden, und auch Theaterbesucher wünschten sich reales Leben auf der Bühne anstelle der üblichen prunkhaften Allegorien von Göttern und Göttinnen, die vom Himmel herabstiegen oder in Triumphwagen einzogen. Die Konventionen der Hauptform französischer Oper, der Tragedie lyrique, die seit Louis XIV. dominierend war, machte nun Platz für einen neuen Realismus, der aus der niederklassigen Opera comique einsickerte. Und während der Revolution kamen keine Götter vom Himmel herab, um irgendeines ihrer Opfer zu retten, nicht einmal Louis XVI., auch wenn es etliche gab, die dem Mob gerade noch entkommen konnten. Die Gefahren, die Operncharaktere wie Lodoiska durchzustehen hatten, erzeugten nun eine Illusion von Wahrheit, und das Eingreifen der Tartaren zeigte, daß selbst die Bauern des eigenen Landes durchaus edelmütig sein konnten. Das Happy-End beschwichtigte insbesondere auch die ständigen latenten Ängste des Publikums - ein Effekt, der ein Hauptgrund für den Erfolg der Errettungs-Oper war, wie Lewis Lockwood bemerkt hat. Cherubinis Drama traf so sehr den Zeitgeschmack, daß Lodoiska am Theatre Feydeau über zweihundert Mal gegeben wurde. Und die Musik? Lodoiska war Cherubinis zweite Oper für Paris. Seine erste, Demophon (1788), war durch den antiken Titel und die Handlung geradezu prädestiniert für ihren Mißerfolg, auch wenn das Werk den Komponisten vieles lehrte. Anstatt nun die italienische Opera seria in Frankreich einzuführen, kombinierte Cherubini allerdings in Lodoiska den Realismus der komischen französischen Oper mit der Vielfalt von Form und Darstellung aus der Tragedie lyrique. Cherubini selbst führte viele jener Elemente ein, die später von gebürtigen französischen Komponisten aufgegriffen und weiterentwickelt wurden, darunter Mehul (Melidore et Phrosine, 1794; La Caverne, 1797) und Berlioz' bewunderter Lehrer Lesueur (Paul et Virginie, 1796). Als großer Bewunderer Haydns behandelte Cherubini das Orchester völlig anders als alles, was man zuvor aus dem Orchestergraben gehört hatte. Er verwendete orchestrale Farben und instrumentale Solo-Passagen, um die Charakteristik zu vertiefen, das Publikum durch die Handlung zu leiten und die starken Unterschiede zwischen Gut und Böse auszuleuchten, die solche Handlungen prägten. All das war insgesamt neuartig, auch wenn unter seinen Vorgängern Gluck bereits mit den Mitteln des 18. Jahrhunderts große psychologische Tiefe erzielt und Gretry Musik komponiert hatte, die schon viel deutlicher die Charaktere nachzeichnete und größere Wirklichkeitsnähe erzielte, als zuvor in der Opera comique zu hören war. Cherubini würde später all diese Aspekte in seinem Meisterwerk zusammenführen, Medee (1797), dem einzigen seiner Werke, das bis heute regelmäßig aufgeführt wird, wenn auch leider in einer scheußlich zusammengestrichenen italienischen Bearbeitung, noch dazu überladen mit hinzukomponierten Rezitativen eines deutschen Kleinmeisters. (Eine weitere Oper von Cherubini, Les Deux journees aus dem Jahr 1800, damals überall außer in Frankreich sehr beliebt, hat ebenfalls das Potential, dem Publikum des 21. Jahrhunderts zu gefallen, und wird auch gelegentlich produziert.) Ein Problem für den Zuhörer von heute ist allenfalls der langsame harmonische Rhythmus dieser Werke, typisch für die Revolutions-Hymnen, in denen die Grund-Akkorde Seite für Seite geradezu herausgemeißelt werden. Cherubini verlor die Fortüne in den frühen Jahren des Imperiums - Napoleon mochte er nicht -, und nach dem Mißerfolg seiner Oper Anacreon (1803) fühlte er sich zunehmend ernüchtert vom Theater. Die Zeiten hatten sich künstlerisch und politisch geändert. Er produzierte verschiedene komische Opern für das private Theater des Herrschers (darunter beispielsweise La Crescendo, eine Oper über einen Mann, der laute Geräusche nicht ertragen kann, und die angeblich gar Napoleons Abneigung gegen alle Musik außer der einfachsten auf die Schippe nimmt). Zugleich versuchte er mit dem Günstling der Kaiserin, Gaspare Spontini, zu konkurrieren, dessen tragische Oper La Vestale Europa im Sturm eroberte und Frankreich einen Schritt weiter an die Romantik heranführte. Bis zu seinem Lebensende schrieb Cherubini schließlich nur noch Kirchenmusik, Messen und Requiems-Vertonungen, sowohl für das Herrscherhaus wie auch für den Wiederaufbau, und leitete das Conservatoire National de Musique, damals die einzige öffentliche Musikhochschule der Welt. Schon vor seinem Tod galt er als "alter Zopf", und im Umgang mit Berlioz - Frankreichs wohl einzigem international berühmten Komponisten vor dem 20. Jahrhundert - gab es zwar gegenseitigen Respekt, aber auch Groll. Berlioz lernte aber tatsächlich das eine oder andere von diesem Konservatoriums-Direktor, welcher ihn einst eigenhändig aus seiner Bibliothek geworfen hatte,...
DER SPIEGEL 15/1990: , Die Angst ums Geld,
Titel * Ohne 1:1 werden wir nicht eins : Verarmungsängste in der DDR, Inflationsfurcht in der Bundesrepublik - vergangene Woche wich die Vereinigungsbegeisterung endgültig einem erbitterten Streit ums Geld. 2:1 oder 1:1, die Werte für den Umtausch von Ost- in West-Mark, wurden zu Kurzformeln für Niedergang oder Wohlstand, für Knauserei oder Großzügigkeit. (S. 16) * Enorme Möglichkeiten (S. 20) * Das ist für uns entwürdigend (S. 23) Deutschland * Wallmanns schwaches Gedächtnis (S. 14) * Spitzel für die DDR (S. 14) * Geheime Absprache (S. 14) * Werft am Kap (S. 14) * Kwizinskis Aufstieg (S. 15) * Ratlosigkeit und Ohnmacht (S. 26) * DDR - Von hinten umarmt: Die Parteichefs der CDU und der SPD in Ost-Berlin drängen auf eine große Koalition, die Basis aber wehrt sich. (S. 28) * Nicht unter den Rock kriechen (S. 30) * Umweltschutz - Auf dem Basar: Die Bonner Umwelthilfe für die DDR ist ins Stocken geraten - vor allem, weil ostdeutsche Firmen schlampige Vorlagen liefern. (S. 31) * Überlebensgroß Herr Kohl (S. 34) * Görlitz - Der letzte Husten: Im Westteil von Görlitz, der geteilten Stadt an der Neiße, wächst der Widerstand gegen den Eintritt in ein Bundesland Sachsen. (S. 43) * DDR - Vage Hoffnung: Die Frauen der DDR wollen auf ihre Rechte auch in einem einig Vaterland nicht verzichten. (S. 47) * DDR-Grenze - Wie warme Semmeln: Findige Geschäftsleute aus West und Ost schlachten die deutsch-deutsche Grenze aus: Wachtürme, Stacheldraht und Zäune finden reißenden Absatz. (S. 50) * Da oben stört er nicht (S. 53) * Prozesse - Mäuschen raus: Ein Rocker-Prozeß in Karlsruhe hat das baden-württembergische Landeskriminalamt in Verruf gebracht. (S. 56) * Ich hätte mit dem Teufel paktiert (S. 61) * Ein neues Seveso steht bevor : Mit Wissen der Bundesregierung sind Teile der stillgelegten Hamburger Chemiefabrik Boehringer nach Spanien verkauft worden. In den Pyrenäen soll die Dioxin-Schleuder jetzt in Betrieb gehen. Experten schließen, so eine interne Studie des Technischen Überwachungs-Vereins, eine katastrophale Verseuchung nicht aus. (S. 75) * Schulen - Knallfrosch für Begabte: Schnelldenker sollen das Abitur in Baden-Württemberg schon nach acht statt neun Gymnasialjahren ablegen dürfen. (S. 85) * Kriminalität - Weil es ja reinregnet: Eine Mafia von Dach- und Fassadenhaien macht Millionenbeute beim Eigenheimbau. (S. 87) * Prozesse - . . . weil er der Ehemann ist (S. 119) * Kanzlerkandidat - Konsequent europäisch: Der SPD-Kanzlerkandidat Lafontaine stellte sich in Warschau als moderner Deutscher vor. (S. 130) * Truppenabzug - Schädlich und vermessen: Hessens Regierungschef Walter Wallmann verwirrt seine CDU: Gegen die bisherige Parteilinie fordert er den Abzug der US-Soldaten. (S. 131) * CSU - Mir san das Volk: Revolte in Bayern - die Wähler wenden sich von der CSU ab, die weiß-blaue Staatspartei wurde ein Opfer ihres eigenen Erfolges. (S. 134) Report * Das halten wir nicht aus : Dieses Jahr wird chaotisch , ahnt eine Bürgermeisterin auf Rügen: Millionen Westbesucher sind für den Sommer in der DDR angesagt, aber Hotellerie und Gastronomie sind in desolatem Zustand. In Sorge sind die Ostbürger auch um ihren letzten Reichtum: schöne Landschaft, die unter die Räder kommen könnte. (S. 92) Wirtschaft * Flug in die roten Zahlen: Wird die Lufthansa in zwei Gesellschaften aufgeteilt? Fliegen demnächst angemietete Besatzungen die weißblauen Jets? Die Lufthansa-Flugzeuge waren 1989 voller denn je, dennoch steuert der Flugbetrieb in die Verlustzone. Die deutsche Airline steht an einer Wendemarke, konfliktträchtige Entscheidungen sind fällig. (S. 138) * Banken - Prokurist auf Turnschuhen: Die Ökobank in Frankfurt hat Probleme, ihr Kreditgeschäft läuft schleppend und schlampig. (S. 142) * Post - Zeit für ein Schwätzchen: Postbedienstete klagen über zunehmenden Streß, ihre Gewerkschaft will Abhilfe schaffen. (S. 143) * Streit um das Fernsehen der Zukunft (S. 145) * Apple im Sonderangebot (S. 145) * Spar-Hilfe für die co op (S. 145) * Sat 1 gehen die Filme aus (S. 145) * Katzenjammer kam hinterher (S. 148) * Japan - Stimmung gedrückt: Tokios Aktienbörse meldete den zweitschlimmsten Kurssturz der Nachkriegsgeschichte - die Japaner beginnen an ihrer Stärke zu zweifeln. (S. 152) Ausland * Neuer Krieg im Nahen Osten?: Iraks Staatschef Saddam Hussein droht Jerusalem mit dem Einsatz von Giftgas: Er fürchtet einen Präventivschlag auf seine Rüstungszentren. Bei Israelis und Arabern wächst die Krisenstimmung. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Kräfteverhältnis im Nahen Osten gewandelt - zuungunsten Israels. (S. 154) * Diplomatie - Verlorener Kampf: Ein Gipfeltreffen von Bush und Gorbatschow soll Ende Mai Klarheit über den Bündnisstatus eines vereinten Deutschlands bringen. (S. 156) * Frankreich - Psychische Narben: Antideutsche Ressentiments und Rivalitäten zwischen Mitterrand und Kohl belasten das deutschfranzösische Verhältnis. (S. 157) * Großbritannien - Explosion des Bösen: Unzumutbare Haftbedingungen in überfüllten Gefängnissen provozieren Aggressionen und Aufstände. (S. 159) * Österreich - Tot, blind und deppert: Prominente SPÖ-Politiker als mögliche Komplizen von Waffenschiebern: Im Noricum-Prozeß geht es um illegale Kanonen-Geschäfte. (S. 160) * Rumänien - Im Zwinger: Die todgeweihten Kinder von Cighid haben Hilfe erhalten. Aber noch immer werden weitere Opfer abgeschoben. (S. 162) * Polen - Sie weinen, halten aber durch : Wirtschaftswunder in Polen? Die Hyperinflation scheint gebannt, die Läden füllen sich, die Händler haben Konkurrenz bekommen. Aber das radikale Sparprogramm der Regierung hat auch Schattenseiten. Die Bauern verdienen zuwenig, die Fabriken sitzen auf ihrer Ware fest und müssen Hunderttausende von Arbeitern entlassen. (S. 164) * Das Imperium ist nicht zu retten (S. 171) * Nepal-Aufstände - König Dumdum: Seit 30 Jahren unterdrückt eine korrupte Herrschersippe das Himalaja-Volk. Nach wochenlangen Aufständen könnte jetzt der König stürzen. (S. 180) * Kolumbien - Salve aus der Zeitung: Im neu entflammten Drogenkrieg wechseln Militärs zuweilen die Fronten: Zusammen mit den Rauschgiftbossen machen sie Jagd auf Linke. (S. 187) * Knochen im Hals der Yankees (S. 192) * USA - Schäbige Müllhalde: Juwelengeschmückte Elefanten, die Sixtinische Kapelle als Schlafzimmer: Hotel-Milliardär Donald Trump eröffnet das größte Kasino der Welt. (S. 206) Sport * Magier im brennenden Flugzeug (S. 168) * Tennis - Den Ball fressen: Der amerikanische Erfolgstrainer Nick Bollettieri will mit seinen umstrittenen Methoden künftig auch in Deutschland Tennisprofis produzieren. (S. 210) * Handball - Etwas schwammig: Übersiedlung verkehrt: Erstmals spielt ein westdeutscher Profi in einem DDR-Team. (S. 212) * Die können nicht mal richtig laufen (S. 216) * Fußball-WM - Herz oder Muskeln: Steht bei der Weltmeisterschaft der richtige Mann im Tor der deutschen Nationalmannschaft? (S. 218) Kultur * Hut ab, Gentlemen, ein Genie : Schon zu seinen Lebzeiten galt er als einer der größten und bedeutendsten, aber auch eigenwilligsten und skurrilsten Pianisten dieses Jahrhunderts. Nun, acht Jahre nach seinem Tod, suchen zwei amerikanische Autoren das Rätselhafte im Leben und Wesen des kanadischen Klavierkünstlers Glenn Herbert Gould auszudeuten. (S. 220) * Dirigenten - Sarastro auf dem Everest: Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, Held von Leipzig und seitdem Politiker wider Willen , dirigiert bei den Salzburger Osterfestspielen den Fidelio . (S. 234) * Showbusiness - Teufelspakt für Millionen: Das Hamburger Thalia stemmte das bislang aufwendigste deutsche Subventionstheater-Spektakel auf die Bühne. Nun soll The Black Rider weltweit vermarktet werden. (S. 237) * War Graß ein bulgarischer Spion? (S. 243) * Bestseller (S. 246) * Bestseller (S. 246) * Der Zyklop im Weichteil-Paradies (S. 253) * Die heroische Sowjetunion der Fotografen (S. 257) * Theater auf Trabi-Kurs (S. 257) * David Lynchs TV-Schocker (S. 257) * Kino - Rasendes Vehikel: Music Box - Die ganze Wahrheit . Spielfilm von Costa-Gavras, USA 1989, 125 Minuten, Farbe. (S. 260) * Zu Tode gespielt: Always . Spielfilm von Steven Spielberg. USA 1989, 125 Minuten, Farbe. (S. 261) gepflegtes Exemplar, nur kleine Lesespuren ***Bei einer Bestellung bis 16 Uhr geben wir Ihr Buch noch am selben Tag in die Post***



