Ewald Was War
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Ewald, Johann Ludwig: DIE KUNST EIN GUTES MÄDCHEN, EINE GUTE GATTIN, MUTTER UND HAUSFRAU ZU WERDEN. Ein Handbuch für erwachsene Töchter, Gattinnen und Mütter. Zweites Bändchen: Die Kunst ein frohes Mädchen zu werden. Frankfurt am Mayn, Friedrich Wilmans 1807. (Vierte vermehrte und verbesserte Auflage).
Bd.2 (von 3 ) [9.-13.Vorlesung].; apart.; Johann Ludwig Ewald, evang. Theologe, Pädagoge (er war Erzieher der jüngeren Prinzen von Hessen - Philipsthal) und Schriftsteller, * 1748 in Dreieichenhain bei Offenbach (Main) als Sohn eines Amtskellers aus hessischem Beamtengeschlecht, + 1822 in Karlsruhe. Ewald studierte in Marburg und Göttingen Theologie und wurde 1773 Prediger in Offenbach, 1781 Hofprediger und Generalsuperintendent in Detmold, 1796 Prediger und Professor in Bremen, 1805 Professor der Praktischen Theologie in Heidelberg und 1807 Kirchenrat in Karlsruhe und Mitglied der Generalsynode. Er war anfangs Rationalist, seit 1778 supranaturalistischer Biblizist, auf den die Gedanken der Zürcher Johann Jakob Heß und Johann Kaspar Lavater, aber auch des Philipp Matthäus Hahn gewirkt haben. Ewald gehörte in Baden zu dem Kreis um Johann Heinrich Jung-Stilling und war ein eifriger Verfechter der pädagogischen Ideen Johann Heinrich Pestalozzis, den er 1804 in der Schweiz besuchte. Ewald war u.a. mit Goethe befreundet.; Inh.u.a.: Betragen der Braut / Brief eines Vaters an seine Tochter / Bei der Wa(h)l eines Gatten ist Selbstprüfung und Religion nöthig / Über das Ideal eines künftigen Gatten / Was ein Gatte haben muß / Warnung vor Aftergenies und Halbgenies / Die gefährliche Probe, von la Fontäne, ein Beispiel / Entstehung der Liebe ist wichtig / Erzälung, wie die Liebe bei Elise B. entstand / Die Braut muß sich Hochachtung bei ihrem Geliebten erwerben. Ihm also keine unanständige Freiheiten erlauben / Kleine Mißhelligkeiten im Brautstande / Wie man dem Geliebten Geschmack an unschuldigen Vergnügungen einflößt / Etwas aus einer Traurede und ein paar kleine Gedichte / Beruf der Gattin / Schicksal der Eltern, die ihre Tochter weggeben, und der Töchter selbst / Die Gattin muß die Liebe ihres Gatten erhalten, sie zu erweben darf sie nichts thun / Fürs Erhalten hat die Natur selbst gesorgt / Warum Manche die Liebe ihres Gatten verlieren - m ü s s e n / Geschichte der Trennung eines Ehepaars, wegen Mißtrauen, Eifersucht und Bitterkeit der Frau / Die Frau kultivire das, was den Mann als Liebhaber anzog / Eine schöne Stunde des innigsten Herzensergusses zwischen Elise B. und ihrem Gatten / Weiber, die blos Hausfrauen oder gar von ihren Männern amüsirt seyn wollen / Mittel, den Gatten zu unterhalten / Unterhaltung über eigene Sittlichkeit und Erziehung der Kinder / Gegen Eintönigkeit / Betragen der Gattin, wenn der Gatte auf Irrwegen geht / Verschiedene Wirkungsarten durch Gewalt, durch Gründe und durch Liebe / Mittel, seine Liebe wieder aufzuregen, und ihn dadurch zu lenken / Sie muß die Quelle der Verirrung aufsuchen, und sie zu verstopfen suchen / Der gewonne und gebesserte Gatte, eine wahre Geschichte / Was Wirklich ist, muß möglich seyn / Warnung, sein Verdienst nicht darin zu setzen, daß man in ausgezeichneten Fällen groß und edel handelt / Über die Treue im Kleinen, nach Fenelon / Ein Gedicht des Barons an seine Gemahlin, und einige Briefe von einem Freunde über die Handlungsart der Baronin / Ein Fest, das sie ihrem Gatten gab.; Einbd.gering berieb., Kanten etw.bestoss., GUTER, SAUBERER ZUSTAND
Original-Pappbd.d.Zt., 16°, rundum roter Farbschn., II, 294 S. (Ausgabe ohne die Kupfertafeln)
Boas, Ismar,
Ismar Boas (1858-1938), Mediziner. E. Brief mit U. ("Dein Vater"). Arendsee, 13. September 1922. 4 Seiten auf Doppelblatt. 8°. - Schöner Brief an seinen Sohn Kurt: "Dein Schreiben vom 9. d. M., das mir hierher, wo ich mit der l. Mutter zur kurzen Erholung weile, nachgeschickt wurde, hat uns beide tief erschüttert. Nachdem Du uns hoch u. heilig versprochen hattest, in W. auszuhalten - nun wieder diese neue Katastrophe. Was soll denn aus Dir werden, wenn Du alle 2-3 Monate Deine Lehrstätte wechselst? War es in W. der Antisemitismus, so wirst Du woanders wieder andere Gründe für einen Ortswechsel finden, bis schließlich alle Plätze, wo Du Dich weiter ausbilden kannst, erschöpft sind. Jetzt soll es also nach Nürnberg gehen. Selbstverständlich müssen wir das billigen. Ich setzte aber voraus, daß Du dort freie Station erhältst und Aussicht hast, in naher Zeit eine besoldete Stellung zu bekommen. Wie in allen Deinen letzten Briefen, so ist auch dieser wieder mit neuen Ansprüchen an uns versehen, obgleich ich Dir wiederholt mitgeteilt habe, daß ich bei meinem progressiv abnehmenden Sehvermögen und dem Nachlaß meiner physischen Kräfte nicht mehr im Stande bin, Deine wachsenden Ansprüche zu erfüllen. Ich muß Dir daher meine Lage nochmals in aller Deutlichkeit u. in allen Einzelheiten schildern, damit Du Dir ein klares Urteil über Deine zukünftigen Aussichten bilden kannst [...]". - Boas war als praktischer Arzt in Berlin und daneben als Privatsekretär seines früheren Lehrers Karl Anton Ewald tätig. 1886 eröffnete er in Berlin die erste Poliklinik für Magen- und Darmerkrankungen, war Mitbegründer und Herausgeber des "Archivs für Verdauungskrankheiten" (1895) und rief den Verein für ärztliche Fortbildungskurse ins Leben. Er gilt als einer der Begründer der Gastroenterologie und entwickelte mehrere neue Untersuchungsmethoden. 1936 mußte er wegen seiner jüdischen Herkunft ins Exil nach Wien; als Österreich 1938 ins Deutsche Reich "heimgeholt" wurde, wählte er den Freitod. - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
Ismar Boas (1858-1938), Mediziner. E. Brief mit U. ("Dein Vater"). Arendsee, 13. September 1922. 4 Seiten auf Doppelblatt. 8°. - Schöner Brief an seinen Sohn Kurt: "Dein Schreiben vom 9. d. M., das mir hierher, wo ich mit der l. Mutter zur kurzen Erholung weile, nachgeschickt wurde, hat uns beide tief erschüttert. Nachdem Du uns hoch u. heilig versprochen hattest, in W. auszuhalten - nun wieder diese neue Katastrophe. Was soll denn aus Dir werden, wenn Du alle 2-3 Monate Deine Lehrstätte wechselst? War es in W. der Antisemitismus, so wirst Du woanders wieder andere Gründe für einen Ortswechsel finden, bis schließlich alle Plätze, wo Du Dich weiter ausbilden kannst, erschöpft sind. Jetzt soll es also nach Nürnberg gehen. Selbstverständlich müssen wir das billigen. Ich setzte aber voraus, daß Du dort freie Station erhältst und Aussicht hast, in naher Zeit eine besoldete Stellung zu bekommen. Wie in allen Deinen letzten Briefen, so ist auch dieser wieder mit neuen Ansprüchen an uns versehen, obgleich ich Dir wiederholt mitgeteilt habe, daß ich bei meinem progressiv abnehmenden Sehvermögen und dem Nachlaß meiner physischen Kräfte nicht mehr im Stande bin, Deine wachsenden Ansprüche zu erfüllen. Ich muß Dir daher meine Lage nochmals in aller Deutlichkeit u. in allen Einzelheiten schildern, damit Du Dir ein klares Urteil über Deine zukünftigen Aussichten bilden kannst [...]". - Boas war als praktischer Arzt in Berlin und daneben als Privatsekretär seines früheren Lehrers Karl Anton Ewald tätig. 1886 eröffnete er in Berlin die erste Poliklinik für Magen- und Darmerkrankungen, war Mitbegründer und Herausgeber des "Archivs für Verdauungskrankheiten" (1895) und rief den Verein für ärztliche Fortbildungskurse ins Leben. Er gilt als einer der Begründer der Gastroenterologie und entwickelte mehrere neue Untersuchungsmethoden. 1936 mußte er wegen seiner jüdischen Herkunft ins Exil nach Wien; als Österreich 1938 ins Deutsche Reich "heimgeholt" wurde, wählte er den Freitod. - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
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Runge (Hrsg.), Daniel Ewald Friedrich: Auswahl deutscher Lieder, mit ein- und mehrstimmigen Weisen. Zwei Theile in einem Band. Leipzig Serig'sche Buchhandlung, 1850.
Holzmann-B. I, 3673. Erster Teil: Vaterlandslieder, Weihelieder, Lieder deutscher Sitte. - Lieder auf den Rheine, Freiheitslieder. - Sociale, politische, satyrische Lieder, Polenlieder. Kriegs- und Siegslieder, Lieder auf ausgezeichnete Männer. - Bundeslieder. Zweiter Teil: Trinklieder. Studentenlieder, Lieder zum neuen Jahr. - Abschiedslieder, Wanderlieder, Heimatlieder, Minnelieder und Ständchen. - Jäger- und Turnlieder. - Morgen- und Abendlieder, Lieder auf die Natur und ernste Lieder. - Romanzen, Balladen und allerlei Volkslieder. Enthalten sind insgesamt 390 Lieder. "Daniel (Ewald Friedrich) Runge (* 14. April 1804 in Brunn (Mecklenburg); unbekannt) war ein deutscher Theologe, evangelischer Pastor von Woldegk und Mitglied der mecklenburgischen Abgeordnetenversammlung von 1848/50. Er war ein Neffe des bekannten Kunstmalers Philipp Otto Runge. Daniel Runge erregte in 1845 mit freiheitlicher Gesinnung durch einen Zeitschriftenaufsatz Die Entscheidungsstunde für unser Jahrhundert hat geschlagen... und durch öffentliche Polemik gegen die Kirchenlehre schnell den Unwillen seiner vorgesetzten Behörde, was amtliche Untersuchungen zur Folge hatte. 1839 erwähnte ihn Friedrich Ludwig Jahn (Turnvater Jahn), mit dem Runge schon seit seiner Turnerzeit in Friedland bekannt war, in einem Brief als Herausgeber der Liederbücher, um die er sich nicht mehr kümmert und deren Besorgung er einem jüngern Bruder übertragen, der sich jetzt in Jena der Heilkunde widmet. In der revolutionären Bewegung von 1848/49 entwickelte sich Runge zu einem führenden Vertreter der Woldegker Reformbewegung. Im April 1848 wurde er als Schriftführer in den zwölfköpfigen Vorstand des Reformvereins gewählt und rief in der Zeitung zur Teilnahme an einem Treffen der Köthener Lichtfreunde auf, was ihm wieder dienstliche Kritik einbrachte. In der Folgezeit nutzte Runge häufig sein Predigeramt, um revolutionäres Gedankengut zu verbreiten. Er wurde vom Rostocker Reformverein als Kandidat für das Landesparlament benannt und 1848 im Wahlbezirk Woldegk in zweiter Wahl zum Mitglied der konstituierenden Abgeordnetenversammlung gewählt. Daniel Runge gehörte der parlamentarischen Linken an und setzte sich u. a. für eine zeitgemäße Städteordnung ein. Auch nach dem Scheitern der Revolution blieb Daniel Runge trotz schnell einsetzender Repressalien seiner politischen Überzeugung treu. Unter dem Eindruck eines gegen ihn angestrengten Suspensionsverfahrens legte er Mitte 1851 sein Pastorenamt nieder und folgte Anfang 1852 mit der gesamten Familie seinen Brüdern nach Amerika. Später lebte Runge in Evansville (Indiana), dann verliert sich seine Spur." (Wikipedia) * * * * Einband etwas berieben, die Seiten 375 - 378 mit 3 von 31 Studentenliedern fehlen, sonst noch ordentlich erhaltenes und gut brauchbares Exemplar der umfangreichsten Auflage dieses Liederbuches. -
Siebente, stark vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auflage. 648 Seiten. 13, 5 x 11 cm, blindgeprägter Leinenband der Zeit.
[SW: Vaterlandslieder, Weihelieder, Lieder Sittenlieder. - Lieder auf den Rheine, Freiheitslieder. - Sociale, politische, satyrische Lieder, Polenlieder. Kriegslieder Siegslieder, Lieder Bundeslieder. Trinklieder. Studentenlieder, Lieder zum neuen Jahr. - Abschiedslieder, Wanderlieder, Heimatlieder, Minnelieder und Ständchen. - Jägerlieder Turnlieder. - Morgenlieder Abendlieder, Naturlieder und ernste Lieder. Romanzen, Balladen Volkslieder.]
Ewald, Gottfried: Temperament und Charakter. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1969.
Einband minimal berieben. - "Libelli" Band CCLXXVIII. - Unveränderter reprografischer nachdruck der Ausgabe Berlin 1924. - Einleitung -- I Die biologische Abgrenzung von Temperament und Charakter -- II Frühere Anschauungen über Temperament und Charakter und ihr Verhältnis zu der neuen Umgrenzung -- III Die biologischen Grundlagen von Temperament und Charakter -- IV Der Charakter -- A Affektiv Erregbare -- I Eindrucksfähige Stheniker -- II Eindrucksfähige Astheniker -- B Affektiv wenig Ansprechbare (Verstandesmenschen) -- III Gefühlskalte (gefühlsbeherrschte) Stheniker -- IV Gefühlskalte Astheniker -- V Die psychopathischen Charaktere -- VI Psychiatrische Ausblicke und Schluß. - Die Psychologie wird uns ... immer mit wegweisend sein müssen, wie eben jede reale Wissenschaft das Schauen, die Erscheinungen, die Symptome nicht entbehren kann. Aber wie jede reale Wissenschaft zu erkennen bestrebt bleibt, welche Gesetze oder Regeln oder Ursachen hinter den Symptomen stehen, so muß auch der Psychiater immer wieder fragen, welches sind die letzten realen Ursachen ? Die Psychologie war uns beim Studium der Aphasien usw. richtunggebend, nur eine genaue psychologische Analyse ermöglichte die Unterscheidung einer transcorticalen oder corticalen oder subcorticalen motorischen oder sensorischen Aphasie, die Unterscheidung einer ideokinetischen von einer ideatorischen Apraxie. Sie hinderte aber nicht, daß wir diese Störungen jetzt lokalisatorisch fassen und eine Einteilung nach somatischen Gesichtspunkten gewannen, die praktisch von höchstem Werte ist. Die analysierende Psychologie lehrte uns zu trennen zwischen Gefühlen und Denkakten, die Psychiatrie aber fragt weiter nach der Lokalisation und trennt jetzt biologisch nach Hirnstamm- und Rindenstörungen. Die Psychologie läßt uns erkennen, daß zwischen Autismus und Ambivalenz schizophrener Kranker und zwischen normalem Eigenbrötlertum und Gefühlsdisharmonien ein Unterschied ist; und die Klinik lehrt, daß die ersteren Kranken verblöden, die letzteren nicht, die Patho-Biologie nimmt daraus die Berechtigung, im ersteren Falle einen Prozeß anzunehmen, im anderen Falle eine angeborene Struktur oder angeborene Funktionsanomalie. Sie klassifiziert aber schließlich nach diesen biologischen Gesichtspunkten und nicht nach den psychologischen Erscheinungen. Ein sensitiver Beziehungswahn kann erschaubar und analytisch-psychologisch durchaus gleich und gleichartig psychologisch aufgebaut erscheinen. Die biologischen Voraussetzungen für eine solche Erlebnisart aber können doch grundverschieden sein, so daß diese äußerlich gleichartigen Wahnbildungen scharf voneinander geschieden werden müssen auf Grund ihrer biologisch differenten Genese. So werden wir psychologisch die Erscheinungsformen aufs genaueste beobachten und weiter analysieren müssen, das letzte und klassifikatorisch entscheidende Wort wird aber immer von den Realwissenschaften der Biologie, der Anatomie, der Serologie usw. zu sprechen sein. So muß unser wissenschaftliches Bestreben in letzter Linie immer dahin zielen, für psychologisch-analytische Erscheinungen biologische Grundlagen zu gewinnen, und so soll im vorliegenden untersucht werden, ob wir hinreichend Anhaltspunkte haben, für Temperament und Charakter biologische Grundlagen zu finden, nach denen wir diese psychologisch abstrahierten Begriffe bestimmtem biologischen Geschehen zuzuordnen vermögen. Es ist der Psychologie bisher nicht gelungen, sich gerade in dieser Frage auch nur einigermaßen zu einigen. Die Ansichten darüber, was man Temperament, was Charakter nennen soll, überkreuzen, überschneiden, widersprechen sich unausgesetzt. Wenn die Biologie imstande sein sollte, der Psychologie hier klärend beizuspringen, so sollte diese, die doch auch "Naturwissenschaft" sein will und sein soll, sich nicht da gegen sträuben, indem sie immer nach der Philosophie schielt und bald von diesem, bald von jenem erkenntnistheoretischen Standpunkt ausgehend die verschiedensten Abgrenzungen anerkennt, sondern sie sollte, wenigstens solange sie irgendeine Zusammenarbeit mit der Physiologie und Biologie und Pathologie als zweckmäßig anerkennen will, sich auch solchen Bestrebungen nicht verschließen; für ihre praktisch-realen Gebiete, wie z. B. die Pädagogik, wird ihr dies nur dienlich sein können. Wir werden endlich im folgenden über die Frage der biologischen Grundlagen von Temperament und Charakter hinausgehend bei der Analyse der Charaktere uns einer Besprechung der Charaktere nach rein empirisch psychologischen Gesichtspunkten zuwenden, um auf diese Weise eine Einteilung der Charaktere zu gewinnen, die den praktischen Bedürfnissen der Pädagogik und der Therapie entspricht und eine Grundlage abgeben soll für das Eingreifen des Psychiaters in den tatsächlich so oft an ihn herantretenden Fragen erzieherischer und beruflicher Beratung. (Einleitung). - Am 1. September 1939 erweiterte Adolf Hitler "die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so [ ], dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann." Dieser als "Euthanasiebefehl" bezeichnete Erlaß war der Auftakt zu einer Massenvernichtungsaktion, gegen die sich nur wenige deutsche Ärzte wehrten. Gottfried Ewald war einer von ihnen. Er wurde 1888 als Sohn eines Theologie-Professors in Leipzig geboren. Von 1906 bis 1911 studierte er Medizin an der Universität Heidelberg. 1912 promovierte er und erhielt 1913 die Approbation. Von 1913 bis 1916 arbeitete er als Assistent an den Nervenkliniken der Universität Rostock, der Berliner Charite und der Universität Erlangen, wo er sich 1920 habilitierte. Von 1922 bis 1933 arbeitete er an der dortigen Nervenklinik als Oberarzt, bis er dann 1934 als Direktor der Heil- und Pflegeanstalt und als Professor für Psychiatrie an die Universität Göttingen gerufen wurde. Am 1.10.1934 wurde Ewald Nachfolger von Schultze, trotz Einspruchs der Reichsleitung der NSDAP. Ewald versuchte, die negativen Einflüsse der Nationalsozialisten von der Anstalt fernzuhalten. Obwohl für die Kranken die Wirklichkeit anders aussah, schien es zumindest von außen, als würde es der Anstalt seit der Machtergreifung besser gehen. Gemeinschaftsveranstaltungen für das Personal wurden gefördert. Die Renovierung von Personal- und Arbeitsräumen und Arbeitserleichterungen für das Personal sollten den Eindruck vermitteln, dass für die arbeitenden Menschen alles besser würde. Die NS-Propaganda würdigte viele psychisch Kranke als "Träger minderwertigen Erbgutes" herab, die als unnütze Esser in der "Volksgemeinschaft" ein "lebensunwertes Leben" fristeten. In dieser Gesellschaft war wenig Platz für sogenannte unheilbar Kranke und Behinderte. So wurden die Haushaltsmittel für Patienten gekürzt, Bauunterhaltungsmaßnahmen unterblieben, so dass die Anstalt allmählich verfiel. Ewald trat diesen Zuständen entschieden entgegen. Er hatte die somatischen Behandlungsmethoden in der Psychiatrie, die Insulin- und Konvulsionsbehandlung, weiterentwickelt. Er sah darin verbesserte Heil- oder Besserungsmöglichkeiten bei Psychosen und publizierte dies in wissenschaftlichen Schriften. Ewald war einer der Ersten, der der mit dem Wort "Euthanasie" umschriebenen Ermordungsaktion psychisch Kranker entgegentrat. Er hatte zwar die Meldebögen für diese Aktion ausgefüllt, allerdings zunächst in dem Glauben, dass diese nur helfen sollten, Genesungsfähige von unheilbar Kranken zu trennen und letzteren eine bessere Nahrungsmittelversorgung zukommen zu lassen. Dies wäre nach Ewalds Weltanschauung durchaus in Ordnung gewesen. Er sympathisierte soweit mit der nationalsozialistischen Meinung, dass man die "Entstehung [ ] erblich kranker Keime" verhindern müsse, seiner Meinung nach reichten dafür aber Zwangssterilisationen aus. Im August 1940 wurde Ewald als fachlich ausgewiesener Professor für Psychiatrie und in seiner Funktion als Leiter der "Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten" zu einer Konferenz in die Tiergartenstraße 4 nach Berlin eingeladen, um eine Gutachtertätigkeit für die Euthanasie-Aktion zu übernehmen. Ewald verweigerte das Amt, indem er auf Behandlungserfolge in der Psychiatrie verwies und deutlich zum Ausdruck brachte, dass er die Tötung von Patienten ablehnte. Daraufhin wurde er sofort von der Konferenz ausgeschlossen. Zurück in Göttingen, verfasste er ein Protestschreiben an den Reichsärzteführer Leonardo Conti und an Prof. Dr. Göring, Leiter des Instituts für Psychologie in Berlin. Ein wichtiges Argument gegen die Euthanasie war für ihn als Arzt, dass dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in die Ärzteschaft erschüttert werde. Sein deutlicher Protest zog bemerkenswerterweise keine beruflichen Konsequenzen nach sich, so dass Ewald seine Stellung als Direktor einer psychiatrischen Anstalt nutzen konnte, um viele Kranke vor der "Verlegung" in Tötungsanstalten zu schützen. Er fand Gründe, um insgesamt 136 Patienten von den Transporten zurückzustellen. Trotzdem fielen noch circa 240 Patienten der Euthanasie zum Opfer, das war etwas mehr als ein Drittel der Insassen der Göttinger Anstalt. -
156 S. Originalleinen.
[SW: Euthanasiegegner, Euthanasie, Stheniker, Astheniker, Psychopathologie, Psychiatrie, Therapie, Euthanasiebefehl]



